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Eine Kiste macht Karriere

50 Jahre Container-Schifffahrt Eine Kiste macht Karriere

Eine sechs Meter lange und 2,4 Meter breite Stahlkiste hat das Transportwesen auf den Kopf gestellt. Die Maße stehen für ein TEU, eine Twenty-foot Equivalent Unit. Dieser Standardcontrainer kam vor genau 50 Jahren erstmals nach Deutschland.

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 Die „Antwerpen Express“ von Hapag-Lloyd gehört zu den größten deutschen Containerfrachtern. An Bord des Schiffes ist Platz für 13169 TEU.

Quelle: Frank Behling

 Im Mai 1966 brachte der US-Frachter „Fairland“ die ersten Container nach Bremen. Aus heutiger Sicht mutet es an wie ein Witz: Die 142 Meter lange „Fairland“ konnte gerade mal 226 Container an Bord nehmen.

 Für 226 Container würde heute kein Frachter mehr die Reise von New York nach Deutschland antreten. Inzwischen sind Schiffe in Bau, die mehr als 21000 Container stauen können. Die Entwicklung der Containerschifffahrt springt von Rekord zu Rekord. Erst gestern gab die Reederei Hapag-Lloyd bekannt, dass ihre 171 Schiffe zukünftig mit den Frachtern der drei japanischen Flotten der K-Lines, Mitsui und NYK sowie der taiwanesischen Yang Ming-Line eine Allianz bilden. Unter dem Titel „The Alliance“ sind zukünftig 620 Schiffe mit 3,5 Millionen TEU unterwegs. Damit ist diese Allianz zumindest größer als der Marktführer Maersk Line mit 612 Schiffen und 3,1 Millionen Stellplätzen.

„Diese Allianzen sind ein wichtiger Schritt für die Reedereien, um die Marktmacht auf die Häfen zu haben“, sagt Professor Ulrich Malchow von der Hochschule Bremen. Probleme bereitet den Reedereien heute weniger das technisch Machbare im Schiffbau. Probleme bereiten Liegeplätze und Flüsse. In Europa bietet heute nur Rotterdam Kapazitäten für nahezu alle Linien-Dienste. In den Allianzen können die Reedereien ihre Kapazitäten so steuern, dass Anläufe und Abfahrten optimal verteilt sind. „Beim Marketing und Verkauf arbeitet weiterhin jede Reederei für sich alleine im Markt“, sagt Malchow.

736 Container beförderten die „Weser Express“ und „Elbe Express“ pro Fahrt. „Das ist in etwa so viel, wie heute ein Containerschiff als Feeder auf der Ostsee befördert. Bei dem hier eingesetzten Typ 168 von Sietas rechnen wir mit etwa 620 Containern“, sagt Timm Ulrich Niebergall vom dänischen Logistikdienst Unifeeder. Gerade in diesen Schiffsgrößen gibt es inzwischen sogar wieder einen Mangel auf dem Markt.

Die „Fairland“ gehörte 1966 zur Flotte der US-Reederei Sea-Land. Spediteur Malcom McLean gründete das Unternehmen und setzte die ersten Containerschiffe an der US-Ostküste ein. Güter ließen sich in Containern schneller von New York nach Texas bringen als auf dem Landweg. Seit 1999 ist Sea-Land Teil der dänischen Maersk Line. Die himmelblaue Flotte aus Kopenhagen dominiert die Schifffahrt bislang: 612 der 5176 Containerfrachter fahren unter der Flagge von Maersk. 30 Schiffe befinden sich für die Dänen in Bau – zusammen mehr als „The Alliance“.

Um ihre Kapazitäten besser zu nutzen, ist aber auch Maersk inzwischen Teil einer Allianz. Zusammen mit der Reederei MSC (Genf) bilden die Dänen zumindest auf den Routen zwischen Asien und Europa eine M2-Allianz. 185 der größten Frachter mit Stellplätzen für 2,1 Millionen TEU sind dort zusammengefasst. Fusioniert sind auch gerade die chinesischen Großreedereien Cosco und China Shipping Container Line zur China Cosco Shipping Group mit 289 Frachtern für 1,5 Millionen TEU.

Beim Wachstum sieht Seeverkehrsexperte Malchow aber das Ende der Fahnenstange erreicht. „Die optimale Größe sind die Schiffe mit 14000 TEU, vielleicht auch noch 18000 TEU. Größere Schiffe machen aber keinen Sinn, da die Häfen dafür nicht ausgelegt sind.“

Neben Bremen feiert in diesen Tagen auch Rotterdam den ersten Anlauf eines Containerschiffes. Am 3. Mai 1966 startete dort die „Fairland“ das Zeitalter der Stahlboxen. Heute ist Rotterdam der führende europäische Containerhafen. 12,2 Millionen TEU wurden 2015 in Rotterdam umgeschlagen. Auf Platz zwei folgt Antwerpen (Belgien) mit 9,6 Millionen TEU vor Hamburg als größtem deutschen Hafen mit 8,8 Millionen TEU.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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