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Chance auf Durchbruch?

„Initiative für Tierwohl“ Chance auf Durchbruch?

Ein seltener Schulterschluss zwischen Kieler Tierschützern und Fleischproduzenten ist greifbar nah: Ab Anfang 2015 soll die „Initiative für Tierwohl“ die Schweine- und Geflügelhaltung in Deutschland verbessern.

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Alltag in Schweinemastbetrieben wie hier in Rethwisch: Fixierte Zuchtsauen säugen auf Kotrosten ihre Ferkel. In freier Natur bauen Schweine vor der Geburt des Nachwuchses Nester. Eine Initiative will nun erreichen, dass es den Tieren etwas besser geht.

Quelle: dpa

Kiel. Nach jahrelangem Ringen hat der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) jetzt eine Branchenvereinbarung zur Zahlung von Boni für Tierwohlmaßnahmen in der Schweinehaltung abgeschlossen.

„Diese Initiative kann den Tierschutz revolutionieren“, meint Sabine Ohm, Europareferentin von Provieh, einem Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung. „Wenn Tierhalter einen fairen Ausgleich für Tierwohlmaßnahmen erhalten, können sie mehr Klasse statt Masse produzieren – und trotz des enormen Wettbewerbsdrucks den höheren gesellschaftlichen Anforderungen an die Erzeugung gerecht werden.“ Die Kieler Organisation sei „stolz, dass das ursprünglich von uns und unseren Mitinitiatoren Tönnies, Thönes Natur, Böseler Goldschmaus und Rewe entworfene Tierwohl-Bonitierungssystem nun zur Praxisreife gebracht wird“.

 Lebensmitteleinzelhandel, Fleischwirtschaft und Landwirtschaft versuchen seit Jahren unter Mitwirkung von Provieh, sich auf Tierwohl-Kriterien zu verständigen. Die Träger der nun auf die Beine gestellten Vereinbarung decken rund 85 Prozent des Schweinefleischverkaufs der Supermärkte ab. Wahrscheinlich ist, dass diese Zahl bis zum Start noch größer wird.

 Geplant ist, dass teilnehmende Unternehmen je vier Cent pro umgesetztem Kilo Schweinefleisch und schweinefleischhaltiger Wurst in einen Sammelfonds für Bonuszahlungen abführen. Inwieweit die Ketten die Mehrkosten an Kunden weitergeben, sollen sie selbst entscheiden. Schweinehalter sollen Boni losgelöst vom Marktpreis ihrer Tiere vierteljährlich von einer unabhängigen Zahlungsstelle erhalten. Dafür muss der Betrieb je für drei Jahre fest anmeldet werden. Ob die angegebenen Kriterien erfüllt werden, soll jährlich unangekündigt kontrolliert werden. Nur in Ausnahmefällen und einmal jährlich können innerhalb der drei Jahre Kriterien verändert werden. Verstöße sollen mit Bußgelder bis zu 100000 Euro und Strafanzeigen sanktioniert werden können.

 Ein Tierwohl-Siegel wird auf den Fleischprodukten im Laden wohl nicht zu finden sein. Grund ist, dass nicht alle Erzeuger die gleichen Kriterien erfüllen werden, da jeder andere Prioritäten setzen kann (siehe Artikel rechts). Das Bündnis geht davon aus, dass in den ersten drei Jahren bei gleichbleibendem Kundenkaufverhalten jährlich rund 65 Millionen Euro für Tierwohlmaßnahmen zusammen kommen werden. „Dies ist eine Deckelung, die wir bedauern, aber es ist ein Anfang “, urteilt Sabine Ohm. „Das Programm muss jetzt erst einmal starten, um die Bereitschaft der Landwirte zu testen und die tatsächlichen Tierwohl-Erfolge zu messen.“

 Koordiniert wird die Initiative von QS, ein „Qualitätssicherungssystem“ für Fleisch von Agrar- und Ernährungswirtschaft, das sämtliche Produktions- und Handelsstufen kontrollieren soll. Aus Teilnehmerkreisen war zu hören, dass sich der Bauernverband lange gegen die Initiative mit der Begründung gewehrt hat, die deutschen Schweinehalter würden bereits viel für Tierwohl leisten. Bekannt wurde auch, dass bereits über eine ähnliche, vereinfachte Branchenvereinbarung für Masthühner verhandelt wird.

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