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Aida holt Klimaforscher an Bord

Hamburg Aida holt Klimaforscher an Bord

Der Kieler Professor und Klimaforscher Mojib Latif bezeichnet sich selbst gern als Optimist. Er ist aber auch Realist und so beteiligt er sich an einer Kooperation mit der Kreuzfahrtreederei Aida Cruises. „Die Leute wollen reisen und wir werden es auch nicht erreichen, dass die Leute zuhause bleiben.

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Das Flüssiggas-Kraftwerk (LNG Hybrid Barge) soll Kreuzfahrtschiffe im Hafen mit Strom versorgen.

Quelle: Georg Wendt/dpa

Hamburg. Deshalb müssen wir versuchen, den Lebenstil so zu gestalten, dass die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich sind“, sagte Latif gestern in Hamburg bei der Vorstellung des Nachhaltigkeitsberichts der Reederei „Aida Cares 2015“. Der renommierter Klimaforscher und Leiter des Forschungsbereichs Ozeanzirkulation und Klimadynamik am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel will deshalb die Kreuzfahrtreederei beraten.

Deutschlands führende Kreuzfahrtreederei hat sich im 20. Jahr des Bestehens zum Giganten der Reisebranche gemausert. Zehn Schiffe in Fahrt, vier weitere im Bau und über 800 000 Passagiere pro Jahr sind die Bilanz. Bis 2016 werden bei den Aida-Schiffen 100 Millionen Euro in neue Filtersysteme, in die Umstellung des Antriebs auf verflüssigtes Erdgas sowie in neue Systeme zur Energieeinsparung investiert. Seit 2007 gibt es bei Aida jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht, in dem Einsparungen beim Treibstoff, beim Müll und dem Einkauf von Lebensmitteln aus naturverträglicher Produktion aufgelistet wird. Im Fokus der Anstrengungen steht aber die Energieeinsparung. „Die wichtigste Tonne Treibstoff ist die, die wir nicht verbrauchen“, sagte Aida-Umweltdirektorin Monika Griefahn gestern. „Der Energieverbrauch wurde 2014 um 13 Prozent gesenkt, der Ausstoß von CO 2 um elf Prozent“, so Griefahn. Die Verringerung der Reisegeschwindigkeit und Energieeinsparungen konnten den Treibstoffverbrauch pro Passagier und Tag bei Aida seit 2007 um 28,2 Prozent senken. Die wichtigste Treibstoffart ist jedoch weiter das giftige Schweröl. Der Verbrauch ist jedoch auch hier um zehn Prozent seit 2012 zurückgegangen. „Bei den nächsten Neubauten werden wir aber auf LNG, also flüssiges Erdgas, als Treibstoff setzen“, sagt Griefahn.

„Das sind alles Schritte in die richtige Richtung. Langfristig muss man dazu kommen, aus überschüssigem Wind erneuerbares Methan für den Antrieb zu erzeugen. Das ist dann ein wirklicher Fortschritt“, sagte Latif. Genau hier setzt Aida mit der neuen Helios-Klasse an. Die zusammen mit der Meyer Werft geplanten Schiffe sollen ab 2019 ausschließlich mit Gas als Treibstoff angetrieben werden. Im Rahmen eines Pilotprojektes wird Aida Möglichkeit testen, LNG für die Kreuzfahrtschiffe einzusetzen, das mit der Power-to-Gas-Methode aus Wind- oder Solarstrom vollständig CO 2-frei produziert wird. Dabei will der Professor die Reederei kritisch begleiten. „Wir sind kein Steigbügelhalter, wir prüfen das genau“, sagt Latif zur Kooperation der Reederei mit der Klimaschutzorganisation atmosfair, deren Schirmherr er ist.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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