23 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Wie viel Öko geht im Norden?

Getreideernte Wie viel Öko geht im Norden?

Während in großen Teile Deutschlands eine Dürre zum Teil drastische Auswirkungen auf die Landwirtschaft zeigt, ziehen Schleswig-Holsteins Bauern eine positive Ernte-Bilanz.

Voriger Artikel
Geld aus dem Netz für Agrarwirtschaft
Nächster Artikel
Brunsbüttel kooperiert mit CLC

Obwohl sie in diesem Jahr nicht ganz zufrieden mit der Qualität ihres Sommerweizens sind, haben die Öko-Landwirte Nils Baasch (li., 26) und Johannes Baasch (29) vom Buchenhof in Altwittenbek weiterhin viel Freude an ihrem Beruf.

Quelle: Sonja Paar

Altwittenbek. Es gibt Termine, die bereiten Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sichtlich Freude. Wie zum Beispiel am Dienstag die gemeinsame Erntepressekonferenz von Bauernverband, Landwirtschaftskammer und Ministerium, die erstmals auf einem ökologisch bewirtschafteten Betrieb stattfand. „Das ist ein schönes politisches Zeichen, wie gut das Zusammenspiel mit den Verbänden auch sein kann“, lobt der Minister.

Der Hof der Öko-Landwirte Nils und Johannes Baasch in Altwittenbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) gehört zu den etwa 400 Betrieben im Norden, die 3,6 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche ökologisch beackern. Mit Erfolg: Die Brüder, die den Buchenhof seit 2009 in der 21. Generation führen, haben sich gleich mehrere Standbeine neben dem Ackerbau aufgebaut, sind unter anderem in der Bio-Legehennenhaltung, der Bio-Schweinemast und der Getreideverarbeitung aktiv – alles streng nach ökologischen Richtlinien, nach Möglichkeit in einem geschlossenen Kreislauf. „Wir setzen stark auf den regionalen Markt und sind deshalb von den Preisschwankungen am Weltmarkt nicht ganz so betroffen“, sagt Johannes Baasch. Sein Bruder ergänzt: „Wir haben uns breit aufgestellt und unser Risiko dadurch geviertelt.“

Für Robert Habeck ist das ein Beispiel dafür, dass sich die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft auch rechnet: „Wir können allerdings nur Angebote mit unseren Fördermöglichkeiten machen.“ Letztendlich müsse die Landwirtschaft selber den Umstieg wollen, um mit regionaleren Strukturen unabhängiger vom Weltmarkt zu werden. „Mir scheint es jedoch so zu sein, dass Öko-Landwirtschaft ein Stück mehr Zufriedenheit schafft“, betont Habeck. Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer, mahnt dagegen, konventionelle und ökologisch wirtschaftende Landwirte nicht gegeneinander auszuspielen. „Die Devise lautet: Nicht abgrenzen, sondern gemeinsam lernen und weiterentwickeln.“

Für Reinhard Jahnke vom Bauernverband ist dagegen klar: „100 Prozent Ökolandbau kann es in Schleswig-Holstein nicht geben. Wir haben uns den Beruf ausgesucht, jeder macht es so oder so.“ Aufgrund der stark gesunkenen Preise besonders für Milch und Schweinefleisch fordert Jahnke, ins Trudeln geratenen Betrieben die Steuern zu stunden. Und auch der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln sei weiterhin zwingend notwendig, um zu konkurrenzfähigen Preisen arbeiten zu können. „Wer ein Verbot von Glyphosat fordert, liegt nicht richtig. Wir brauchen stattdessen Lösungen, die unseren konventionell arbeitenden Landwirten ein gesichertes Einkommen ermöglichen“, sagt Jahnke. Deshalb sei auch die politisch gewollte Abschmelzung der Direktzahlungen durch Umverteilung der falsche Weg: „Auf diese Grundsicherung können wir nicht verzichten.“

Obwohl die Preise in diesem Jahr „sehr different“ und die Weizenqualität auch nicht ganz zufriedenstellend sei, hält Landwirt Johannes Baasch an der Öko-Schiene fest: „Da muss jeder seinen Weg finden. Wir wollen nichts anderes.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Landwirtschaftsminister
Foto: Soll nach Willen von Robert Habeck stärker geregelt werden: Ein Traktor verteilt Gülle auf einem Feld.

Beim Einsatz von Dünger hinkt Deutschland den EU-Vorgaben hinterher. Brüssel hat mit einer Klage reagiert. Schleswig-Holsteins Landwirtschafts- und Umweltminister Robert Habeck dringt beim Bund auf zügiges Handeln und strengere Regeln. Es geht um den Schutz des Grundwassers.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3