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Am Montag bleibt der Briefkasten leer

Vorstoß der Post Am Montag bleibt der Briefkasten leer

Wer montags seinen Postkasten öffnet, wird bis Mitte September wahrscheinlich keinen Brief vorfinden. Grund dafür ist eine interne Beschäftigten-Info an die Postmitarbeiter mit dem Titel „Sommerflexibilisierung am Montag“.

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Für jeden Bezirk ein Fach: In vielen Briefzentren wird sonntags in den kommenden Wochen nur eingeschränkt gearbeitet.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Kiel. Nach Angaben von Verdi-Sprecher Thomas Ebeling sollen montags nur Tageszeitungen und Pakete zugestellt werden. „Die Post unternimmt erneut einen Versuch, dauerhaft von der Sechs-Tage-Zustellung wegzukommen“, kritisiert Ebeling.

 Mit womöglich fatalen Folgen: Von den etwa 100000 Zustellern könnte etwa jeder sechste seinen Job verlieren, wenn die Post die eigentlich per Verordnung festgelegte Zustellung an jedem Werktag umgehen würde. „Wir werden nicht tatenlos zusehen, dass dies passiert und haben deswegen die zuständige Bundesnetzagentur eingeschaltet und führen bereits Gespräche auf Vorstandsebene mit der Post“, sagt Ebeling. Es scheine von Seiten der Post aber kein Unrechtsbewusstsein zu geben.

 Die Post betont hingegen, dass es auch weiterhin bei der Sechs-Tage-Zustellung bleibe: „Da gibt es keine Diskussion“, sagt Postsprecher Martin Grundler. Tatsache sei aber, dass derzeit wenig frequentierte Postkästen sonntags nicht geleert würden – es sein „nicht sinnvoll“, gerade in der Ferienzeit „dort hinzufahren“. Generell würde auf einen Montag nur fünf Prozent der gesamten wöchentlichen Postmenge fallen, „in den Ferien ist das noch weniger“, betont Grundler.

 Deshalb habe die Post in dieser Zeit auch Zustellbezirke zusammengelegt. „So können Kollegen zum Beispiel Überstunden abbauen, die während des vergangenen Streiks angefallen sind.“ Dies sei wichtig, um in Hochphasen wie der Weihnachtszeit genügend Personal einsetzen zu können. „Wir müssen da unsere Spielräume nutzen, um möglichst flexibel zu sein“, sagt Grundler. Von einer Mitarbeiter-Info zu diesem Thema, bei der es auch um einen gewünschten Abbau von Urlaubstagen gehe, wisse er aber nichts.

 Für Verdi-Mann Ebeling ist das Verhalten der Post ein Unding: „Wenn ein Konzern, der Steuerprivilegien genießt, so mit Kunden und Mitarbeitern umgeht, können wir natürlich nicht tatenlos zusehen.“ Verdi hinterfrage deshalb, ob das Verhalten der Post gegen Gesetze verstoße. Die derzeit zurückgefahrene Sonntagsleerung von Briefkästen ist dagegen kein Verstoß: Dazu ist die Post laut Universaldienstleistungsverordnung nämlich gar nicht verpflichtet.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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Der wochenlange Arbeitskampf hat der Deutschen Post die Bilanz verhagelt und ein Loch von 100 Millionen Euro gerissen. Nun versucht der Konzern mit Macht, erneut an verschiedenen Stellschrauben zu drehen, um seine Aktionäre zufriedenzustellen.

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