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Der Chefaufseher und sein Optimismus

HSH Nordbank Der Chefaufseher und sein Optimismus

Vor der entscheidenden Etappe für die HSH Nordbank meldet sich Aufsichtsratschef Thomas Mirow zu Wort. Er will Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Instituts zerstreuen. „Die HSH Nordbank ist eine durch und durch vernünftig aufgestellte Bank“, sagte Mirow am Donnerstag in Hamburg.

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Laut Mirow handele es sich bei der HSH Nordbank um eine funktionierende und wettbewerbsfähige Bank.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Hamburg. Wenn es darum geht, etwas zu verkaufen, dann kümmert sich üblicherweise der Eigentümer um die Werbung. Im Fall einer Bank kann das schon einmal anders sein – zumal, wenn es sich dabei um ein so kompliziertes Gebilde wie die HSH Nordbank handelt. Am Donnerstag hat Aufsichtsratschef Thomas Mirow die Ex-Landesbank unter Hinweis auf große Erfolge bei Risikoabbau und Rentabilitätssteigerung buchstäblich selbst ins Schaufenster gestellt. Dabei lobte er das heutige Management über den grünen Klee – und ein bisschen auch sich selbst.

Dass Mirow die Presse einlädt, kommt nicht so oft vor. Da muss dem für seine Nüchternheit bekannten Hamburger Ex-Senator und SPD-Mann, der vor drei Jahren das Amt des HSH-Aufsichtsratsvorsitzenden von Hilmar Kopper übernommen hatte, schon irgendwo der Schuh drücken. Und so rückt Mirow gleich damit heraus, was er mit diesem Gespräch will. Nämlich allen Berichten entgegentreten, die den Eindruck erwecken, dass diese Bank nicht werthaltig sei, ein Giftschrank geradezu, für den sich niemals ein Käufer finden werde: „Das stimmt nicht.“ Aus einer „erkennbar über-ambitiös“ agierenden Bank mit hohen Risiken sei ein „durch und durch gut aufgestelltes“ Institut geworden, mit einer – bezogen auf das neue Geschäftsmodell – „vernünftigen Größenordnung.“

Mirow nennt Zahlen, die zwar nicht neu sind, die aus seiner Sicht jedoch dokumentieren, dass die 2008/2009 bis zum Fast-Kollaps eskalierte Krise erfolgreich gemeistert wurde. Bilanzsumme: auf gut 100 Milliarden und damit die Hälfte abgeschmolzen. Durch die Länder garantierte Risiko-Kredite: von 183 Milliarden Euro im Frühjahr 2009 auf 44 Milliarden Euro Ende 2015 abgebaut. Und die Gewährträgerhaftung, die über Jahre wie ein Damoklesschwert über den Ländern und Sparkassen als HSH-Eigentümer hing, schrumpfte von 56 Milliarden Euro 2009 auf drei Milliarden.

Als „schlagenden Beleg“ für den erfolgreichen Wandel wertet Mirow das drastisch geschrumpfte Volumen von Problemkrediten im Neugeschäft. Bezogen auf den Zeitraum ab 2011 betrage der Anteil ausfall-bedrohter Kredite lediglich 0,4 Prozent. Fazit des Chefaufsehers: „Jeder, der diese Zahlen liest, muss akzeptieren, dass sich in den vergangenen Jahren das Risiko für die Steuerzahler in sehr nachhaltiger Weise reduziert hat.“ Dies sei Verdienst des heutigen Vorstandes, „aber vielleicht auch der anderen Organe der Bank“. Natürlich verbietet es die Zurückhaltung eines Thomas Mirow, dem Aufsichtsrat oder gar sich selbst einen Lorbeerkranz aufzusetzen. Aber: „Hier ist in den vergangenen Jahren hart daran gearbeitet worden, ein Riesen-Schlamassel zu beseitigen.“

Trotz aller Unwägbarkeiten beurteilt Mirow die Zukunftschancen der Bank positiv. Wie berichtet, hat die EU-Kommission die Länder als Gegenleistung für die Zustimmung zu einem weiteren Milliardenrettungspaket dazu verdonnert, die Bank spätestens bis Ende 2018 an einen privaten Investor zu verkaufen oder an die Börse zu bringen – andernfalls droht die Abwicklung. Doch es wäre „nicht nur unnötig, sondern auch nachteilig, die Bank vom Markt zu nehmen“, sagt der Aufsichtsratschef. Wie der Verkaufsprozess gestaltet werde, das müssten die Eigentümer entscheiden. Gleichwohl plädiert Mirow dafür, die Bank als Ganzes zu veräußern und nicht zu zerteilen. Dies sei auch für die Standorte Hamburg und Kiel mit ihren mehr als 2000 Vollzeitstellen die günstigere Variante.

Doch die Sorgen der Beschäftigten, gerade in Kiel, kann Mirow nicht zerstreuen: „Über Standorte entscheidet der künftige Eigentümer.“ Als zwingend sieht er eine Schließung jedoch nicht: „Es gibt genug Beispiele von Banken, die Headquarter-Funktionen auf zwei große Standorte verteilen.“

Tatsache ist aus Sicht von Mirow auf jeden Fall, dass das vom Landtag im Dezember beschlossene Rettungspaket – trotz milliardenschwerer Kreditermächtigungen zum Ankauf von Schrottkrediten durch die Länder – das Risiko für die Steuerzahler nicht erhöht: Es würden lediglich Risiken bilanziell verlagert, „und zwar Risiken, für die die Eigentümer ohnehin haften müssen“.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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