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Von der TV-Kochshow weit entfernt

Ausbildungsstart Von der TV-Kochshow weit entfernt

Am 1. August startet in Schleswig-Holstein das neue Ausbildungsjahr. Doch mancher Beruf wie der Koch findet sich unter den Top 5 der unbesetzten Ausbildungsplätze wieder.

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Das Schnippeln von Gemüse und Obst gehört dazu: Die angehenden Köche Lalita Malik (18) und Niklas Lindemann (17) sind im ersten Ausbildungsjahr. Ihnen gefallen der gute Ausbildungsstandard und die Arbeitsatmosphäre im Gasthof Leesch.

Quelle: Jan von Schmidt-Phiseldeck

Kiel. Hohe Nachfrage nach Fachkräften, schlechtes Berufsimage: Seit Jahren findet sich der Koch bei den unbesetzten Ausbildungsplätzen in Schleswig-Holstein unter den Top Five wieder. „Es wird immer schwieriger, geeigneten Nachwuchs zu finden“, bestätigt Hannelore Leesch. Die 55-Jährige weiß, wovon sie spricht: Sie ist Vorsitzende des Landesausschusses für Berufsbildung beim Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Schleswig-Holstein und führt selber ein Restaurant in Reinsbüttel (Kreis Dithmarschen).

 Schon vor der Wiedervereinigung sei die Branche im Norden an einem Punkt gewesen, nur unter „größten Schwierigkeiten“ Nachwuchskräfte finden zu können. „Anschließend gab es zwar genügend Jugendliche aus den neuen Bundesländern, wir sind aber in der Branche zu sorglos mit der Situation umgegangen.“ Schlechte Arbeitszeiten, ein rauer Ton in der Küche, schlechte Bezahlung, mangelnde Wertschätzung der angehenden Jungköche: „Da hat sich in den letzten Jahren zwar viel gebessert, das Image des Ausbildungsberufs jedoch noch nicht wirklich“, sagt Leesch. So würden viele Betriebe zwar dazu übergehen, von einem in Blöcke geteilten Schichtdienst wegzugehen und eher mehr Personal einzustellen – „das ist aber nicht für alle Betriebe umzusetzen“.

Falsche Vorstellungen

 Zudem hätten Bewerber oftmals falsche Vorstellungen vom Berufsbild des Kochs, „das ist nicht so wie in den TV-Kochshows“, sagt Leesch. „Das schlechte Image des Berufs hat sich in den Köpfen festgesetzt, deshalb gehen wir von der Dehoga verstärkt auf Berufsmessen und in die Schulen, um das Bild realistisch korrigieren zu können.“ Leider gebe es in ihrer Branche „schwarze Schafe“, die sich den notwendigen Änderungen bei der Ausbildung verschließen würden, betont die gelernte Hotel- und Restaurantfachfrau. Wichtig sei es beispielsweise, neben der tarifvertraglich vereinbarten Arbeitszeit preiswerten Wohnraum oder auch eine Fahrgelegenheit anbieten zu können, wenn sich der Betrieb fernab einer Stadt befindet. „Wir können den Jugendlichen nur sagen: Der Beruf des Kochs ist schön und krisensicher – wir müssen deshalb mit guten Bedingungen werben, um dem Fachkräftemangel entgegenwirken zu können.“

 Obwohl die Ausbildungsvergütung attraktiver geworden ist – ein angehender Jungkoch erhält im ersten Lehrjahr 560 Euro, im dritten Jahr 730 Euro –, sieht Steffen Lübbert von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ein großes Manko in der Arbeitszeit: „Oftmals werden die Überstunden nicht ausgezahlt oder ausgeglichen. Am Ende der Ausbildung hat der Azubi seinem Arbeitgeber damit einen Kleinwagen finanziert“, sagt der NGG-Gewerkschaftssekretär des Landesbezirks Nord. Die Ausbildungsordnung sehe einen Acht-Stunden-Tag vor, um das Berufsbild zu erlernen: „Da dürfte es ja eigentlich keine 14-Stunden-Tage mehr geben“, sagt Lübbert. Bei massiven und regelmäßigen Verstößen müsse deshalb diesen Betrieben die Ausbildungsberechtigung durch die IHK entzogen werden, fordert der NGG-Mann.

 Der Ausbildungsexperte der IHK Schleswig-Holstein, Hans Joachim Beckers, kennt die Arbeitszeitprobleme in der Gastronomiebranche: „Wenn sich ein Ausbildungsbetrieb vertrags- oder gesetzeswidrig verhält, schreiten wir ein. Das kann bis hin zum Entzug der Ausbildungsberechtigung führen.“ Allerdings sei die IHK keine Polizeibehörde, das mache sich die NGG zu leicht: „Wir brauchen da schon stichhaltige Beweise und den Auftrag der Azubis, um tätig werden zu können“, sagt Beckers.

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Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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