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Thyssenkrupp prüft Werftensparte

Auslastung hoch Thyssenkrupp prüft Werftensparte

Der Essener Thyssenkrupp-Konzern wird seine Werften-Tochter Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) intensiv unter die Lupe nehmen.

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Thyssenkrupp nimmt seine Werften-Tochter Marine Systems (TKMS) unter die Lupe.

Quelle: Frank Behling (Archiv)

Kiel. Nachdem die Konzernführung anfangs noch demonstrative Gelassenheit gezeigt hatte, wird nun unverkennbar: Der Verlust des 35 Milliarden Euro schweren U-Boot-Auftrags aus Australien bringt die Werftensparte des ohnehin schon schwankenden Industrie-Giganten in ernsthafte Probleme. In einem Schreiben an die Mitarbeiter, das der „Welt am Sonntag“ vorliegt, warnt die TKMS-Geschäftsführung vor einem „Auslastungstief“, in das einige Schiffbau-Bereiche „voraussichtlich in wenigen Monaten“ fallen würden. Dieser Alarmruf ist offenbar jedoch nicht mit der Essener Zentrale abgestimmt worden. Der Konzern prüfe, ob die Werftensparte „strukturell richtig aufgestellt“ sei, sagte ein Sprecher des Konzerns am Sonntag. „Hierzu gibt es erste Überlegungen, die sich noch in einem frühen Stadium befinden.“ Der Sprecher betonte jedoch, dieser Schritt sei unabhängig von der aktuellen Auftragslage beschlossen worden.

Im April hatte der Konzern das Rennen um einen Milliarden-Auftrag für den Bau von australischen U-Booten an die Konkurrenz des französischen Schiffbaukonzerns DCNS verloren. In dem Schreiben der TKMS-Führung ist nun von „weitreichenden Auswirkungen auf das Unternehmen und großen Herausforderungen in den nächsten Jahren“ die Rede.

Wie am Sonntag aus Unternehmenskreisen verlautete, müssen sich die rund 2700 fest angestellten Beschäftigten beim U-Boot-Bauer TKMS in Kiel jedoch keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. Grund: Mit großen Aufträgen für Singapur und Ägypten ist die Fertigung von HDW-Booten bis 2020 hinein ausgelastet. Problematisch könnte es jedoch schon im kommenden Jahr für einen Großteil der 540 Leiharbeiter werden, der in der Konstruktion eingesetzt wird. Denn ohne neue Aufträge könnte die Auslastung in der Konstruktion bereits im Herbst 2017 kritisch werden. Umso größer ist nach dem Australien-Desaster die Hoffnung, dass Norwegen in diesem Herbst seinen großen U-Boot-Auftrag an TKMS vergibt und nicht an die Franzosen. Während Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sich in der vergangenen Woche nach einem Besuch in Oslo optimistisch geäußerte hatte („Ich habe den festen Eindruck, die Norweger wollen dieses Geschäft mit uns machen“), gibt es bei Branchenkennern dazu auch skeptische Einschätzungen. Denn auch in der norwegischen Marine wachse die Neigung, U-Boote anzuschaffen, die in Sachen Reichweite und Flottentauglichkeit über das hinaus gehen, was TKMS mit seiner Produktpalette bieten könne.

In den vergangenen Jahren hatte TKMS aufgrund der starken Nachfrage die Zahl seiner Mitarbeiter massiv aufgestockt – um bis zu 20 Beschäftige pro Monat. Damit sind in Kiel derzeit rund 2700 feste Mitarbeiter beschäftigt. Deutlich wackeliger stellt sich die Lage der TKMS-Standorte Hamburg und Emden mit 400 und 200 Mitarbeitern dar. Hier bestand die Hoffnung, mit dem Australien-Auftrag eine Auslastungslücke in der Konstruktion schließen zu können. „Für diese Standorte“, sagt ein Insider, „kann es jetzt ziemlich eng werden.“

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