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Handwerk zum Ausprobieren

Azubis im Land Handwerk zum Ausprobieren

Orthopädietechnik-Mechaniker, Bootsbauer, Friseur oder Segelmacher – die Auswahl war riesig. Unter dem Motto „Hineinschnuppern und Ausprobieren“ erkundeten am Freitag über 200 Schüler während der ersten Kieler Handwerker-Lehrstellenrallye 15 Betriebe in der Landeshauptstadt.

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Neuntklässlerin Denise (14) testet in der Werkstatt der Yacht- und Bootswerft Dick ihr handwerkliches Geschick. Vorsichtig sägt sie entlang einer vorgezeichneten Linie ein Stück Holz ab.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Die Unternehmen beteiligten sich an der Aktion, die von der Handwerkskammer Lübeck und der Kreishandwerkerschaft Kiel organisiert worden war. Das Ziel: Junge Menschen für das Handwerk begeistern.

 Der Startschuss fiel um 9 Uhr am Kieler ZOB. Hier wurden die Schüler zunächst auf sieben Busse verteilt. „Auf zwei unterschiedlichen Routen, für die sich die Teilnehmer im Vorfeld entscheiden konnten, werden die Jugendlichen nun von Betrieb zu Betrieb gebracht“, erklärt Ebba Brettschneider, Mitorganisatorin und Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Kiel.

 Rund vier Stunde dauert der Blick hinter die Kulissen. Erster Halt: ein Orthopädie-Technik-Unternehmen. Hier versucht Alina, eine Schülerin der Goethe-Gemeinschaftsschule Kiel, zaghaft das mit Mikroprozessoren versehene Kniegelenk einer Beinprothese rechtwinklig einzuknicken. „Das darfst Du ruhig etwas beherzter anfassen. Da kann nichts kaputt gehen“, sagt Orthopädie-Techniker Stephan Büchler von OT Kiel und zeigt an seiner eigenen Beinprothese wie belastbar das Material im harten Alltagseinsatz sein muss. Noch ein kurzer Blick auf die einzelnen Fertigungsschritte einer Prothese und dann geht es auch schon weiter zur nächsten Station – einer Werft in der Wik.

 In der Werkstatt der Yacht- und Bootswerft Dick dürfen die Jugendlichen endlich selbst Hand angelegen: Während die Neuntklässlerin Alina noch etwas unbeholfen mit dem Hobel über die faserige Oberfläche eines Holzstücks fährt, sägt ihr Mitschüler Aron beherzt drauflos. Von Berührungsängsten keine Spur. „Dieser Job könnte mir gefallen“, sagt der 15-Jährige. Gerade die praktische Arbeit reize ihn. Alina dagegen zieht es eher zur Orthopädie-Technik: „Das fand ich spannend. Ich kannte den Beruf bisher gar nicht.“

 Die Unternehmer sind froh über die Möglichkeit, Kieler Jugendlichen ihr Handwerk einmal vorstellen zu können: „Dazu eignet sich die Rallye hervorragend. Und wer weiß, vielleicht war ja auch der eine oder andere künftige Bootsbauer dabei“, sagt Bootsbaumeister Helmut Dick. Auch Kay Mechler sieht in der Veranstaltung eine große Chance: „Das ist eine tolle Sache. So kommen die Schüler wenigstens mal in Kontakt mit dem Handwerk. Das passiert ja sonst eigentlich nicht“, so der Goethe-Gemeinschaftsschul-Lehrer.

 Auch die Kreishandwerkerschaft Kiel zeigt sich zufrieden: „Unsere Erwartungen sind übertroffen worden. Vielerorts sind die Schüler mit Jugendlichen ins Gespräch gekommen, die selbst eine Ausbildung absolvieren. Dieser direkte Erfahrungsaustausch ist einfach unbezahlbar.“ Und obwohl das Handwerk in Kiel in diesem Jahr nicht über Nachwuchsmangel klagen kann, wird über eine Wiederholung bereits nachgedacht. Schließlich müsse man an die Zukunft denken.

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Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
Lokaldesk

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