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Zwei, die Milliarden retten wollen

„Bad Bank“ Zwei, die Milliarden retten wollen

Es gibt Berufe, die die Schattenseite des Lebens hervorbringt: Strafvollzugsbeamter zum Beispiel, Unfallchirurg oder Scheidungsanwalt. Wichtige Tätigkeiten, keine Frage, doch wäre es nicht schöner, wenn die Welt sie gar nicht bräuchte? Chef einer „Bad Bank“ – das ist ein Posten, der auch nicht gerade Neid weckt.

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Herrscher über 253 Problemschiffe: Ulrike Helfer (55) und Karl-Hermann Witte (53), Vorstandsmitglieder der HSH Portfoliomanagement AöR

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Der Name sagt doch schon, dass es hier um etwas Schlechtes geht. Das Schlechte sind Kredite, die die HSH Nordbank vor Jahren an Reeder und andere Schiffseigentümer vergeben hat, die die klammen Kunden aber nicht bedienen können. Faule Kredite im ursprünglichen Forderungs- volumen von fünf Milliarden Euro, besichert mit 253 Schiffen, durfte die HSH Mitte des Jahres in eine ländereigene Bad Bank abkippen, um nicht im Strudel der Schifffahrtskrise unterzugehen. 2,4 Milliarden Euro haben Hamburg und Schleswig-Holstein für diese Papiere bezahlt. So viel wie möglich von diesen Krediten zurückzuholen – das ist die Aufgabe von Ulrike Helfer (55) und Karl-Hermann Witte (53). Eine extrem schwierige Aufgabe angesichts der schweren Krise, in der die weltweite Handelsschifffahrt seit Jahren steckt.

 Kiel, Martensdamm 4. In diesem dreigeschossigen Bürogebäude, direkt neben dem HSH-Hochhaus am Kleinen Kiel, hat die Bad Bank der Nordländer ihren Sitz. Ein roter Klinkerbau mit 50er-Jahre-Charme. Auf dem Eingangsschild steht „hsh portfoliomanagement“. Der Anteil der Schleswig-Holsteiner, die wissen, was hier passiert, dürfte sich im Promille-Bereich bewegen.

 Ziemlich entspannt sitzen die beiden Chefs am Konferenztisch in Wittes Büro und erzählen, dass ihre Arbeit zwar herausfordernd sei, im Kern jedoch gar nicht so schwer zu verstehen. Und dass man sich für diese Arbeit auch begeistern kann. Doch zuallererst will das Führungsduo zwei Dinge klarstellen: „Wir machen Vieles, was eine Bank macht“, sagt Witte. „Aber genau genommen sind wir keine Bank, sondern eine Abwicklungsanstalt.“ Und Ulrike Helfer ergänzt: „Uns gehören auch keine Schiffe, sondern Schiffskredite.“ Doch das sind Feinheiten, für die die Öffentlichkeit wenig Sinn hat angesichts der Milliardenverluste, die das Abenteuer HSH Nordbank den Ländern bereits beschert hat und noch bescheren wird.

„Portfoliomanagement“

 Nur: Was ist „Portfoliomanagement“? „Portfolio bedeutet in diesem Fall eine Menge an Schiffskrediten“, sagt Witte. Und diese zu „managen“, heiße nichts anderes, als die Kredite so abzubauen, dass der Schaden für Landesvermögen und Steuerzahler möglichst gering ausfällt. „Das ist es, was uns antreibt“, sagt Helfer. Mit ihrer Erfahrung in der Schiffsfinanzierung, zuletzt als Niederlassungsleiterin der DVB Bank in Athen, übernimmt sie den maritimen Part, während Witte, der die öffentlich-rechtliche Bankenwelt wie seine Westentasche kennt und bis 2003 auch bei der Landesbank Kiel beschäftigt war, sich um den Bankbetrieb kümmert.

 Noch befindet sich die Bad Bank in der Aufbauphase. Aktuell sind rund 30 Mitarbeiter an Bord, zehn bis 20 sollen in den kommenden Monaten dazukommen: Buchhalter und Finanzexperten, Händler, Sanierungsexperten. Alle wissen, dass dies kein Job auf ewig ist, denn mit der Laufzeit der Kredite endet die Existenz der Anstalt öffentlichen Rechtes.

 Wie seine Arbeit von Politik und Öffentlichkeit beäugt wird, das weiß das Vorstandsduo natürlich. Der Schuldenerlass von rund einer halben Milliarde Euro für die Reederei des vermögenden Hamburger Unternehmers Bernd Kortüm hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Dieser Schritt wurde zwar vollzogen, bevor das besagte Kreditportfolio Anfang Juli ins Eigentum der Länder wechselte, doch natürlich waren Helfer und Witte informiert. „Ich kann die Diskussion zu diesem Thema nachvollziehen“, sagt Witte. Schließlich gehe es um enorm viel Geld. Doch ein Schuldenerlass, und so sieht es auch Ulrike Helfer, könne die letzte Möglichkeit sein, um noch größeren Schaden abzuwenden.

 Auch wenn die Charterraten sicher noch zwei Jahre im Keller bleiben und Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) weitere Schuldenschnitte nicht ausschließt: Das selbstbewusste Duo sieht gute Chancen, eine ordentliche Summe für die Länder zu retten. „Der Schifffahrtsmarkt hat sich in der Vergangenheit immer wieder erholt, und das wird er auch diesmal tun“, sagt Ulrike Helfer und lächelt: „Wir müssen jetzt alle zusammen noch ein bisschen durchhalten.“

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Soll man Mitleid haben? Oder einem Bankchef Respekt zollen, der sich nach allen Regeln der Kunst bemüht, potenziellen Investoren eine HSH Nordbank als lukratives Kaufobjekt schmackhaft zu machen?

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