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Tönnies schließt Standort

Bad Bramstedt Tönnies schließt Standort

Der Bad Bramstedter Standort des Schlachtbetriebs Thomsen wird zum 31. Januar geschlossen. Erst im April des vergangenen Jahres hatte der Fleischkonzern Tönnies das Traditionsunternehmen von Rüdiger Thomsen mit den Standorten Kellinghusen (Schlachterei) und Bad Bramstedt (Zerlegebetrieb) gekauft.

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Clemens Tönnies ist in Schleswig-Holstein mit gut 1500 Mitarbeitern größter Arbeitgeber in der Fleischbranche.

Quelle: Friso Gentsch/dpa

Bad Bramstedt. Versprochen wurden vor einem Dreivierteljahr Modernisierung und Investitionen in Millionenhöhe an beiden Standorten. Jetzt, nicht einmal ein Jahr später, wird einer der Standorte aufgegeben. 

„Die Entscheidung ist kurzfristig gefallen“, sagt Markus Eicher, Pressesprecher des Unternehmens Tönnies. Und zwar erst Ende des Jahres, nach Weihnachten. „Wir haben die Mitarbeiter dann sofort darüber informiert“, erklärte Eicher. Für die 31 Angestellten im Zerlegebetrieb sicher keine schöne Nachricht kurz vor dem Jahreswechsel, dass sie einen Monat später keinen Arbeitsplatz mehr in Bad Bramstedt haben werden. „Wir bieten den Mitarbeitern Alternativen in Kellinghusen an. Doch wir wissen aus Erfahrung, dass nicht für jeden etwas Passendes dabei sein wird“, sagte Eicher und verwies auch auf den längeren Arbeitsweg. „Jemand der Schlachter ist, wird nicht plötzlich gerne Gabelstapler fahren“, meinte der Presssprecher. Aus persönlichen und betrieblichen Gründen werde es also nicht gelingen, alle 31 Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Genaue Zahlen wollte Eicher nicht nennen.

Ebenso wenig möchte sich das Unternehmen zu den konkreten Gründen der plötzlichen Schließung äußern. Es habe von Seiten der Behörden Verzögerungen bei Genehmigungen gegeben, sagte Eicher: „An der ein oder andern Stelle hat es gehakt.“ Welche Investitionen genau der Kreis Segeberg, der in diesem Fall die zuständige Behörde ist, dem Fleischkonzern nicht genehmigen wollte, darüber gab Eicher keine Auskunft: „Ich will niemandem den Schwarzen Peter zuschieben.“ Aber: „Wenn uns unsere Investitionen genehmigt worden wären, würden wir im Februar noch in Bad Bramstedt produzieren.“

Es sei bereits ein Teil in den Zerlegebetrieb investiert worden, sagte Eicher: „Wir wussten aber von Anfang an, dass wir in Bad Bramstedt nur über einen gewissen Zeitraum hinweg produzieren können, weil es hier nicht genug räumliche Kapazitäten gibt.“ Die Schlachterei in Kellinghusen werde wie geplant erweitert. 

Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach erfuhr am Donnerstag von der Schließung des Zerlegebetriebs. „Für mich ist es auch überraschend, dass das so kurzfristig passiert.“ Bezüglich der ominösen verzögerten Genehmigungen seitens des Kreises könne er, Kütbach, nur so viel sagen: „Ich weiß, dass der Kreis das anders sieht.“ Für die SZ war war gestern beim Kreis niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. 

Was die Nachnutzung betrifft, ist offenbar noch nichts geplant. Auch nicht, ob Tönnies das Firmengelände am Achtern Dieck verkaufen wird. Kütbach hatte dem Tönnies-Geschäftsführer Frank Duffe dahingehend Hilfe angeboten. „Das ist einerseits eine interessante Lage, anderseits muss dort beachtet werden, dass es ein Mischgebiet, also kein reines Gewerbegebiet ist, dem sich ein Wohngebiet anschließt“, erläuterte Kütbach. Erst kürzlich kam es gehäuft zu Beschwerden der Nachbarschaft wegen starker Lärmbelästigung vom Thomsen-Areal. Dieses Problem hat sich ab Februar wohl erledigt.

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