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Wenn nur die vollen Züge nicht wären

Pendler-Umfrage Wenn nur die vollen Züge nicht wären

Eine gute halbe Stunde dauert die Fahrt von Niebüll mit dem Zug bis nach Westerland auf Sylt. Für rund 4000 Arbeitnehmer ist diese Strecke jeden Morgen die letzte Etappe auf dem Weg zum Job. Nun wurden sie vom DGB zum Pendeln befragt.

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Die Nord-Ostsee-Bahn von Niebüll nach Westerland nutzen regelmäßig Pendler.

Quelle: Malte Christians/dpa (Symbolfoto)

Niebüll. Um herauszufinden, wie zufrieden die Berufspendler sind, drücken ihnen Interviewer des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in dieser Woche auf den Bahnhöfen in Niebüll und Klanxbüll einen Fragebogen in die Hand.

 Stefan Klotz beantwortet die elf Fragen in Windeseile. Angekommen bei der letzten Frage schüttelt er den Kopf: „Nein, auf der Insel leben – das will ich nicht mehr.“ Seit Anfang des Jahres lebt der Tinnumer Zahnarzt auf dem Festland. „Hier in Niebüll geht es mir gut“, sagt er. Der Hund hat seinen Auslauf, es gibt einen schönen Wochenmarkt und sogar einen Wald, den er zu schätzen gelernt hat. Als Klotz die Praxis auf der Insel vor gut zwei Jahren übernahm, zog er zunächst nach List – und war recht bald enttäuscht. Schon früh morgens war auf den Straßen kein Durchkommen mehr. „Von Niebüll aus komme ich schneller zu meiner Praxis als von List aus.“

 Auch Margot Fritzsche (55) und ihre Kollegin Ulrike Huchl-Jörns (54) fahren allmorgendlich mit dem Zug zu ihrem Arbeitsplatz. Die beiden arbeiten seit etwa zwei Jahren als Verkäuferinnen in einem Sylter Baumarkt. In den sechs Jahren davor hatte Huchl-Jörns bereits andere Jobs auf der Insel. „Auf dem Festland gibt es keine Arbeit mehr“, sagt sie und zählt auf, wo sie sich schon überall vorgestellt hatte. In einem Jahr habe sie fast einhundert Bewerbungen abgeschickt. „Und in meinem Alter wird es nicht leichter.“

 Mit den Triebwagen der NOB jeden Morgen nach Sylt zu fahren, sind sich die beiden Frauen einig, das sei ja nicht viel anders als mit der S-Bahn aus dem Hamburger Speckgürtel in die Stadt zu fahren. Eines ärgert Fritzsche allerdings schon an der Pendelei: Die vollen Züge am Nachmittag. „Man ist müde und kaputt vom Job, und in den Gängen stehen die Koffer und Fahrräder der Touristen“, klagt sie.  Diesen Kritikpunkt haben die DGB-Leute schon des Öfteren zu hören bekommen. Auch verspätete und ausfallende Züge sorgen erwartungsgemäß für Frust unter den Bahnpendlern. Rund 400 Fragebögen sind bereits ausgefüllt worden – ähnlich viele bei einer ersten Erhebung vor drei Jahren. Damals hatte die nicht-repräsentative Stichprobe einige Probleme dokumentiert, sagt DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl, etwa in Bezug auf Überstunden und Zeitdruck. Jetzt wolle man sehen, ob sich die Lage noch verschärft habe. Die Ergebnisse sollen in einer Woche vorliegen. Zur Vorstellung hat sich auch Annelie Buntenbach vom DGB-Bundesvorstand in Niebüll angesagt.

 Gespannt ist Uhl auf die Antworten der Beschäftigten aus dem Handwerk. „Mein Eindruck nach einem ersten Sichten der bisher abgegebenen Fragebögen ist, dass sie uns besonders rege Rückmeldungen gegeben haben“, sagt Uhl. Die Zugreise der Handwerker endet in der Regel in Morsum oder Keitum – dort steigen sie in ihre Firmenwagen. Auf der Insel wird derzeit wieder viel gebaut, stellt Uhl fest. „Ohne die Arbeitskräfte vom Festland ginge es nicht.“ Daher hat der DGB in diesem Jahr auch eine neue Frage aufgenommen, in der es um die Wertschätzung der geleisteten Arbeit geht: Ganz subjektiv können die Sylt-Pendler einschätzen, ob diese eher hoch oder gering ausfällt. „Die Antworten werden aufschlussreich sein“, sagt Uhl.

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Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

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