22 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
„Die Lage ist dramatisch“

Bauern schlagen Alarm „Die Lage ist dramatisch“

In Schleswig-Holstein stehen immer mehr Bauern vor dem Aus. Mit Blick auf den anhaltenden Preisverfall bei Milch und Schweinefleisch forderte der Landesbauernverband am Freitag die Politik in Bund und Land eindringlich auf, ein „Sicherheitsnetz“ für die Landwirtschaft zu knüpfen.

Voriger Artikel
Bauausrüster Imtech soll bis Anfang November verkauft werden
Nächster Artikel
Nein zur „Bullerbü-Landwirtschaft“

Musste sich der Kritik der Landwirte auf dem Landesbauerntag stellen: Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU).

Quelle: dpa/Hannibal Hanschke

Rendsburg. „Die Lage ist dramatisch“, sagte Verbandspräsident Werner Schwarz auf dem Landesbauerntag am Rand der Norla in Rendsburg. „Ohne ein solches Netz müssten viele bäuerliche Betriebe aufgeben.“

Mit Blick auf Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und dessen Kieler Amtskollegen Robert Habeck (Grüne) mahnte Schwarz konkrete Hilfsmaßnahmen an. „Der Interventionspreis für Butter und Magermilchpulver muss angemessen angehoben werden“. Nötig seien zudem Initiativen, um das russische Import-Embargo aufzuheben. Russland war früher einer der wichtigsten Kunden für Schweinefleisch aus dem Norden. Der Bauernpräsident nahm auch Habeck in die Pflicht. Er solle dafür sorgen, die EU-Prämien schnell auszuzahlen. „Es kann nicht sein, dass die Prämien erst im März oder April kommen.“

Schmidt versprach vor mehr als 1300 Besuchern des Bauerntags, sich am Montag auf einer Sondersitzung der Agrarminister in Brüssel für Hilfsmaßnahmen einzusetzen. „Es wird am Dienstag die Welt nicht komplett verändert sein, aber es gibt einige gedankliche Ansätze, die wir versuchen werden umzusetzen“, sagte Schmidt. Nötig sei, „schnellstmöglich Liquidität in die Höfe zu bringen“. Auch über Bürgschaften und Kurzarbeit müsse nachgedacht werden. Konkrete Zusagen machte Schmidt nicht. Der Beifall der Bauern blieb verhalten.

Habeck warf Schmidt vor, ohne klare Strategie nach Brüssel zu fahren. Der Grüne, der in Rendsburg freundlich begrüßt wurde, warb eindringlich dafür, die Milchproduktion zu drosseln. „Der Markt nimmt die Milch nicht auf“, sagte er mit Blick auf das Überangebot. „Wenn alle immer mehr produzieren, kommen wir nicht aus der Krise.“ Habeck glaubt im Gegensatz zu vielen Schweinebauern auch nicht daran, dass Russland schnell zur Aufgabe seiner Einfuhrverbote bewegt werden kann. „Das ist Augenwischerei.“ Applaus bekam der Grüne, als sich zu einer „konditionierten“ Fortsetzung der für Bauern wichtigen EU-Direktzahlungen bekannte.

Alle Redner machten klar, dass die Agrarrunde in Brüssel auch über die Zukunft vieler Landwirte in Schleswig-Holstein entscheidet. Betroffen sind insbesondere die 4500 Milchvieh- und die rund 1000 Schweinebetriebe. Sie machen seit Monaten mit jedem Liter Milch und jedem Kilo Fleisch Verlust, weil die Weltmarktpreise fallen und Großabnehmer sich zurückhalten. Das gilt etwa für China, das weniger Milchpulver einführt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Kommentar

Gerade noch übten sie auf dem Landesbauerntag demonstrativ den Schulterschluss, jetzt dürfte es mit dem Frieden erst einmal wieder vorbei sein: Umweltminister Robert Habeck plant eine Reform des Landesnaturschutzgesetzes, die den einen oder anderen Landwirt schlecht schlafen lassen wird.

mehr
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3