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Sexy Aktien und das Ende einer Sparkasse

Beae Uhse-Aktien Sexy Aktien und das Ende einer Sparkasse

Dubiose Geschäfte rund um das Beate-Uhse-Papier beschäftigen die Staatsanwaltschaft Kiel seit Jahren. Die lange Geschichte eines Börsenbebens, das auch die Bankenlandschaft Schleswig-Holsteins erschütterte.

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Ein leichter Name für leichte Dessous: Beate Rotermund hieß längst nicht mehr Uhse, aber hatte das Erotikimperium längst mit dem kurzen, schmissigen Namen ihres ersten Mannes aufgebaut – unter einem Ruf, der nur schwer abzulegen ist.

Quelle: hfr

Kiel. „Sex sells“ – diese Geschäftsdevise schien sich beim Aktienstart der Beate Uhse AG, am 27. Mai 1999 voll zu bestätigen. Damals verteilten leicht bekleidete Schönheiten Schokoladen-Brüstchen und Champagner. Nach dem zweiten Glas mögen manchem Makler selbst die ehrwürdigen Säulen vor der Frankfurter Börse irgendwie phallisch vorgekommen sein. Am dritten Handelstag wird das Papier mit 28,20 Euro gehandelt, etwa dem Vierfachen des Ausgabepreises. Nie mehr wird die Beate Uhse AG wertvoller sein: Gut eine Milliarde Euro. Die meisten Anteile hält Ulrich Rotermund, Sohn der Firmengründerin Beate Uhse.

Doch der Kaufrausch währt nur kurz. Wachsende Konkurrenz im Versandhandel mit Reizwäsche, Dildos und anderen Erotik-Accessoires sowie die Porno-Flut im Internet vermiesten dem Unternehmen und seinen Aktionären das Geschäft. Und der Flensburger Sparkasse, die in gewaltigem Umfang Uhse-Aktien als vermeintliche Kreditsicherheiten in der Bilanz hatte, kostete der Absturz des Papiers am Ende die Selbstständigkeit.

So verlor Flensburg seine Sparkasse

Doch das wirtschaftliche Desaster hat auch eine kriminelle Dimension, mutmaßt die Staatsanwaltschaft Kiel. Im Oktober 2010 durchsuchen 51 Polizisten und acht Staatsanwälte unter anderem die Privatwohnung von Ex-Sparkassenchef Frerich Eilts, den Flensburger Hauptsitz der Nord-Ostsee Sparkasse – als Nachfolgerin der früheren Flensburger Sparkasse –, den Firmensitz eines Immobilienkaufmanns sowie Räume einer Steuerberatungsgesellschaft. Im Januar 2012 schließlich steht die Anklage gegen sechs Beteiligte, darunter zwei ehemalige Vorstandsmitglieder der Sparkasse sowie zwei ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Beate Uhse AG, darunter auch Ulrich Rotermund. Der Vorwurf: Zur Stützung des Aktienkurses der Beate Uhse AG sollen „unzureichend gesicherte Kredite“ gewährt worden sein. Diese seien im Zeitraum 2005/2006 „pflichtwidrig“ zum Nachteil der Flensburger Sparkasse an „Strohfirmen“ des einen ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden bereitgestellt worden, um „vorgebliche Stützungskäufe von Aktien der Beate Uhse AG zu tätigen“. Ein klarer Fall von Kursmanipulation also.

Die dubiosen Kreditgeschäfte und weitere Unregelmäßigkeiten führten schließlich das Ende der Flensburger Sparkasse herbei. Das angeschlagene Institut wurde 2008 von der Nord-Ostsee Sparkasse (Nospa) übernommen, die dadurch selbst in Schieflage geriet und mit 181 Millionen Euro durch die Sparkassen-Gruppe gestützt werden musste.

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Einer der traditionsreichsten Erotikhändler Deutschlands zieht um: Wenn auf der Hauptversammlung am 29. Juni alles nach den Wünschen der niederländischen Leitung um CEO Serge van der Hooft läuft, prangt auf Schreiben der Beate Uhse AG bald nicht mehr Flensburg, sondern Hamburg. Seit 2013 zieht das Unternehmen auch sich selbst um.

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