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„Beide HSH-Standorte gehören zusammen“

Neuer Chef: Stefan Ermisch „Beide HSH-Standorte gehören zusammen“

Stefan Ermisch, der neue Chef der HSH Nordbank, will den Standort Kiel aufwerten. So würden anders als bislang Vorstandssitzungen wieder in Kiel stattfinden. Auf Forderungen der Gewerkschaft nach einem Standortsicherungsvertrag für Kiel reagiert Ermisch jedoch ablehnend.

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Stefan Ermisch (50) ist seit dem 10. Juni 2016 Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Kiel/Hamburg. „Wir sind in der Pflicht, hier einiges besser zu machen“, sagt Stefan Ermisch in seinem ersten Interview nach der Amtsübernahme.

Der anstehende Verkaufsprozess nährt vor allem die Sorge um Arbeitsplätze am Standort Kiel. Ist das nicht berechtigt?

Wir werden auf Geheiß der EU-Kommission und mit der Unterstützung der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg bis 2018 einen neuen Eigentümer finden – für die gesamte Bank mit ihren zwei Hauptstandorten Kiel und Hamburg. Ein neuer, starker Eigentümer wird dafür sorgen, dass die HSH Nordbank ihre Stärken voll entfalten kann. Und dabei steht allein die Wettbewerbsfähigkeit im Fokus.

Gewerkschaft und Betriebsrat in Kiel haben Sie zu Verhandlungen über die Absicherung von Arbeitsplätzen in Kiel aufgefordert. Wie stehen Sie dazu?

In der vergangenen Woche haben wir mit dem Konzernbetriebsrat – also den für Kiel und Hamburg zuständigen Interessenvertreter aller HSHler – eine gute Vereinbarung über Eckpunkte zu einem Interessenausgleich und Sozialplan geschlossen. Und das zu vergleichbar guten Konditionen wie in der Vergangenheit. Außerdem gehen wir davon aus, dass wir den Großteil der Stellenanpassungen auf freiwilliger Basis schaffen, dieses Programm ist vorgeschaltet und beginnt diese Woche.

Richtig ist allerdings auch: Es geht um die gesamte Bank, wir haben ein gemeinsames Ziel, nämlich gestärkt aus einem erfolgreichen Eigentümerwechsel hervorzugehen. Deshalb lassen wir uns nicht auseinanderdividieren, wir werden auch künftig Geschlossenheit demonstrieren.

Kiel ist in den vergangenen Jahren in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit und vieler Mitarbeiter immer mehr in den Rang eines zweitklassigen HSH-Standortes abgerutscht. Vorstandssitzungen fanden stets in Hamburg statt, auch die zweite Führungsebene macht sich rar im Norden. Wollen und werden Sie das ändern?

Das ist richtig, dieser Eindruck konnte entstehen, und wir sind hier in der Pflicht, einiges besser zu machen. Konkret heißt das: Vorstandssitzungen finden bereits wieder regelmäßig in Kiel statt, und die Bereichsleiter sind von mir aufgefordert worden, ebenfalls mehr Präsenz zu zeigen.

Was werden Sie unternehmen, um einem potenziellen Käufer zu signalisieren: Die HSH Nordbank ist ein Unternehmen mit zwei starken Standorten?

Jeder potenzielle Käufer sieht auf den ersten Blick: Beide Standorte gehören zusammen. Fast jede Bank operiert aus zwei oder sogar mehreren Standorten, das ist alles andere als ungewöhnlich. Wir haben Kolleginnen und Kollegen aus wichtigen Bereichen in Kiel: Die für den Konzern sehr bedeutsame IT ist ganz in Kiel, ebenso wie das Kapitalmarktgeschäft. Das sind zwei tragende Säulen des Konzerns. Zudem haben wir in Kiel wesentliche Teile des Risikomanagements und der Bereiche Personal und Recht fokussiert, um nur einige zu nennen.

Wie groß schätzen Sie die Chancen ein, dass der Verkauf gelingt, ohne dass es zu einem personellen Kahlschlag kommt?

Das liegt im Auge des Betrachters: Die gesamte Finanzbranche steht im Wandel. Alle Institute – groß und klein – werden in den nächsten Jahren in Deutschland und Europa tausende Stellen abbauen. Das ist zwar sehr schmerzhaft, aber angesichts der Wachstumsschwäche Europas, des Niedrigzinsumfelds und anderer Faktoren leider ebenso unvermeidbar. Niemand kann sich eine Auszeit nehmen. Wer das dennoch tut, scheidet aus dem Wettbewerb aus. Anders als andere hat die HSH Nordbank einen großen Teil der Wegstrecke schon hinter sich. Wir haben uns jetzt auf einen zusätzlichen Abbau von 240 Vollzeitstellen bis Ende 2018 verständigt, den Großteil davon hoffen wir auf freiwilliger Basis zu erreichen. Trotz allem werden die nächsten Tage und Wochen für alle nicht einfach sein.

Interview: Ulrich Metschies

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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