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DGB fordert Masterplan

Bessere Arbeit DGB fordert Masterplan

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen ist in Schleswig-Holstein in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen. Allerdings sind viele junge Beschäftigte von einem regulären Vollzeitjob weit entfernt, heißt es in einer Studie im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

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Auf die Zukunftsperspektive kommt es an: Auch als Gebäudereiniger lässt sich durchaus gutes Geld verdienen, allerdings sind viele der Beschäftigten nur auf Minijob-Basis angestellt.

Quelle: Franziska Kraufmann/dpa

Kiel. Demnach hat auch der Anteil an sogenannter atypischer Arbeit wie Teilzeit-, Leih- und Zeitarbeit sowie dem Minijob stark zugenommen. „Deshalb müssen wir gemeinsam Strategien entwickeln, um möglichst vielen Menschen die Angst vor dem sozialen Abstieg nehmen zu können“, sagt Regionsgeschäftsführer Frank Hornschu vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

 Zusammen mit der Politik, der Arbeitsagentur und dem Unternehmensverband Kiel will der Gewerkschafter den Masterplan „Gute Arbeit für die Region Kiel“ ausrufen. Dieser solle verlässliche Leitplanken ziehen und die Unternehmer an ihre Verantwortung erinnern, „die unser Land stark gemacht hat“, sagt Hornschu.

Chancen auf sozialen Aufstieg geben

 In Kiel beispielsweise seien 59 Prozent der insgesamt 120000 Beschäftigungsverhältnisse atypisch, eine Steigerung um 72 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Hinzu kämen etwa 33000 Menschen, die von Hartz IV leben würden, sagt Hornschu. „Wir brauchen einen Mix an bildungs-, arbeitsmarkt- und kommunalpolitischen Impulsen, die der Ab- und Ausgrenzung sowie dem sozialen Abwärtstrend entgegenwirken“, betont der 55-Jährige. Statt den drohenden Fachkräfte- und Ausbildungsmangel zu beklagen, müssten Arbeitgebern beispielsweise eine Ausbildungsgarantie geben, um jungen Menschen die Chance auf sozialen Aufstieg zu geben. „Alleine in Kiel befinden sich etwa 2500 Jugendliche in der Warteschleife von der Schule in die Ausbildung – oftmals ohne Aussicht auf einen Berufsabschluss“, sagt Hornschu. Bildung und die Chance auf Ausbildung sei aber der Schlüssel für Fortschritt und Wachstum.

Sicherheit durch Tariftreue

Auch die Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern, Betriebsräten und Gewerkschaften müsste wieder auf ein höheres Niveau gehoben werden, Tariftreue sei ein entscheidender Schlüssel: „Dadurch gibt es mehr Sicherheit und Zufriedenheit in der Belegschaft, das sorgt für höhere Produktivität und Kreativität“, ist sich Hornschu sicher. Weil der gesellschaftliche Zusammenhalt immer weiter schwinde, sei der „mit langem Atem“ umzusetzende Masterplan umso wichtiger, um auch der politischen Radikalisierung den Nährboden zu nehmen, betont Hornschu.

 Laut der Studie „DGB-Index Gute Arbeit“ sind 27,9 Prozent der Menschen unter 35 Jahren atypisch beschäftigt, bei den unter 25-Jährigen sogar 46,4 Prozent. Und zwei von drei jüngeren Beschäftigten fühlen sich dadurch belastet, dass sie ihre spätere Rente nicht oder nur gerade für ausreichend halten. 31 Prozent der jungen Beschäftigten haben der Erhebung zufolge ein Bruttoeinkommen von weniger als 1500 Euro, 30 Prozent verdienen mehr als 2500 Euro. Und 61 Prozent der jungen Arbeitnehmer machen regelmäßig Überstunden. „Junge Menschen sind im Job enorm unter Druck“, sagt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. Zwei Drittel von ihnen seien in den vergangenen zwölf Monaten krank zur Arbeit gegangen.

 Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) warf dem DGB Irreführung vor: Der Anteil befristeter Beschäftigungen läge stabil zwischen acht und neun Prozent und habe im vergangenen Jahrzehnt nicht zugenommen.

 DGB-Abendkongress „Masterplan gute Arbeit in Kiel“, Donnerstag, 4. Februar, 17 bis 18.30 Uhr, Kieler Gewerkschaftshaus, Legienstraße 22, Restaurant Legienhof. Anmeldung: kiel@dgb.de, oder telefonisch unter 0431-51951000.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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