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Hunderte Betriebe im Land stehen vor dem Aus

Billig-Milch Hunderte Betriebe im Land stehen vor dem Aus

Die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein steht vor einer ihrer größten Pleitewellen. In den nächsten Monaten werden nach Einschätzung von Regierung und Fachverbänden mehrere Hundert Milchviehbetriebe schließen. Grund ist der Absturz des Milchpreises auf unter 20 Cent je Liter.

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Viele Milchbauern im Land kämpfen um ihre Existenz.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Kiel.  Auf Pellworm erhalten Bauern noch 19 Cent, auf dem Festland nur etwas mehr.

 „Wir gehen davon aus, dass ein Viertel der über 4000 Betriebe in Schleswig-Holstein bis Ende des Jahres aufgeben muss“, schätzt der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Christoph-Robert Lutze. „Spätestens im Sommer wird die Schallmauer von 20 Cent landesweit Geschichte sein“, prophezeit der Landwirt aus Hohenwestedt. „Das bricht vielen Bauern das Genick.“ Kostendeckend sei ein Milchpreis von 40 Cent je Liter. „Der aktuelle Milchpreis ist tödlich“, bekräftigt Pellworms Bürgermeister Jürgen Feddersen. Einer der 25 Milchbauern auf der Insel habe schon aufgegeben, bei anderen sei das zu befürchten.

 Auch bei der Regierung schrillen die Alarmglocken. Das Landwirtschaftsministerium verweist auf Beratungsorganisationen, die bei einer weiterhin schlechten Marktlage mit einem Aus für zehn bis 15 Prozent der 4340 Milchviehhöfe rechnen. Das wären bis zu 650 Betriebe – und das allein in Schleswig-Holstein.

 Unterstützung soll aus Brüssel und Berlin kommen. Am Dienstag trafen sich die EU-Landwirtschaftsminister zur Krisenrunde, Ende Mai soll es einen Bundes-Milchgipfel geben. Im Gespräch ist ein Hilfsprogramm mit einem Volumen von „100 Millionen Euro plus x“, darunter Liquiditätshilfen für Milchbauern, um die Sofort-Insolvenz abzuwenden.

 „Ich will keinen Cent aus Berlin“, schimpft Lutze. Die Politik müsse endlich das Grundproblem lösen. „Wir haben einfach zu viel Milch.“ Das Überangebot drückt seit dem Auslaufen der Milchquote vor einem Jahr auf die Preise. Zugleich steigt die Milchproduktion. In Schleswig-Holstein wurde im ersten Quartal 2016 rund 6,4 Prozent mehr Milch angeliefert als im Vorjahreszeitraum. „Die Milchmenge muss runter, sonst werden reihenweise Betriebe und damit Existenzen zerstört“, mahnt Umwelt- und Agrarminister Robert Habeck (Grüne). Der Bund müsse freiwillige Maßnahmen zur Mengenreduktion vorantreiben und Beihilfen gewähren. Gefordert seien auch Molkereien und notfalls die EU mit einer Art Milchobergrenze. „Wir können nicht zusehen, wie wir unzählige Milchviehbetriebe verlieren, weil jeder dem anderen den Schwarzen Peter zuschiebt und sich nichts ändert.“ Heute will ein breites Bündnis in Kiel Hilfsmaßnahmen für in Not geratene Bauern vorstellen.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Foto: Landwirtschaftsminister Robert Habeck (links) und Bauernverbandspräsident von Schleswig-Holstein, Werner Schwarz wollen Bauern in Not helfen.

Ein Bündnis aus Politik, Landwirtschaft, Tierschutz und Kirche bündelt in Schleswig-Holstein die Hilfsangebote für Bauern in Not. Dabei gehe es nicht nur um wirtschaftliche Probleme, sondern auch um seelische Folgen, erläuterten die Initiatoren am Mittwoch in Kiel.

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