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Ein Jahr im Start-Stopp-Betrieb

Biogasanlage Ein Jahr im Start-Stopp-Betrieb

Eigentlich sind Biogasanlagen für den Dauerbetrieb ausgelegt. Einen anderen Weg geht as Unternehmen Bioenergie Lebrade-Rixdorf: Die Biogasanlage läuft seit einem Jahr erfolgreich im Start-Stopp-Betrieb und nimmt mit dieser Technik eine Vorreiterrolle im Norden ein.

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Sind stolz auf den Betrieb der Anlage (v.li.): Geschäftsführer Wilken von Behr und Unternehmensberater Nikolaus Bormann.

Quelle: Jan v. Schmidt-Phiseldeck

Lebrade. Als „Blaupause für die Zukunft“ bezeichnet Betriebsberater Nikolaus Bormann den in Schleswig-Holstein bislang einmaligen Technikmix aus Blockheizkraftwerk, Gasspeicher, Wärmespeicher und Steuerung, der die seit 2011 bestehende Biogasanlage ergänzt. Das Konzept überzeugte auch das Land: Vor einem Jahr gab es einen Förderbescheid in Höhe von knapp 180.000 Euro, um flexible Stromproduktion auf ihre Alltagstauglichkeit hin zu testen.

Umbau kostete zwei Millionen Euro

Zwei Millionen Euro hat der Umbau der Anlage gekostet, berichtet Geschäftsführer Wilken von Behr, der auf das Ergebnis stolz ist: „Keiner hat so etwas zuvor gemacht, die Anlage gab es nicht vom Ladentisch.“ Diese versorgt nicht nur 80 Prozent der Haushalte in Rixdorf und Lebrade mit Wärme, sondern produziert jetzt Strom ausschließlich zu Zeiten, die an der Börse entsprechend hoch bepreist sind. Das bedeutet: Die Blockheizkraftwerke mit einer 2016 gesteigerten Leistung auf jetzt 2554 Kilowatt erzeugen zwar wie zuvor die gesetzgeberisch gedeckelte Jahresproduktion von etwa 4,7 Millionen kWh, diese aber jeweils nur morgens und abends an Wochentagen – zu Zeiten, wenn Strom in der Industrie und in den Privathaushalten besonders gefragt und demnach auch besonders teuer ist. „An Wochenenden ist die Nachfrage gering, da bleiben die Kraftwerke aus“, sagt von Behr. Dennoch produziere die Biogasanlage weiter Biogas und liefere kontinuierlich Wärme: „Die beiden Speicher können 60 Stunden Wärme halten und 60 Stunden Biogas aufnehmen.“

Flexprämie deckt dreiviertel der Investion

Und weil Bioenergie Lebrade-Rixdorf seinen Strom direkt vermarktet, erhält das Unternehmen eine sogenannte Flexprämie in Höhe von etwa 166.000 Euro jährlich aus der EEG-Umlage – Geld, das etwa dreiviertel der Investition in die Technik deckt. „Den Rest versuchen wir auf dem Strommarkt zu erwirtschaften und erwarten da auch künftig steigende Preisvolatilität“, sagt Bormann. „Gefüttert“ werde die Anlage, sagt von Behr, der als Gutsverwalter auch den landwirtschaftlichen Gemeinschaftsbetrieb auf etwa 1580 Hektar Fläche verantwortet, mit Mais, Hühnerdung und Rindergülle: „Alles kommt direkt aus der Nachbarschaft und wird hier in der Anlage veredelt, das ist natürlich auch eine wirtschaftliche Lösung.“ Doch auch ökologisch müsse die Bilanz stimmen, sagt von Behr: „Eine erweiterte Fruchtfolge ist mir sehr wichtig, um die Bodengüte zu erhalten.“ Die Substrate würden zunächst in einem Mischbehälter gegeben, im Fermenter dann auf bis zu 60 Grad erwärmt. Dabei entsteht Methangas, das entweder gespeichert oder direkt ans Blockheizkraftwerk (BHKW) weitergeleitet wird. Dort wird aus dem Biogas Strom und Wärme erzeugt. Die Bioenergie könnte einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten und „gleichzeitig Wertschöpfung in den ländlichen Räumen“ schaffen, sagt Bormann. Zukünftig werde die Speicherung und die bedarfsgerechte Stromerzeugung an Bedeutung gewinnen. Entscheidend sei eine „intelligente Vernetzung“ der Technologien.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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