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Ein Hofladen mit Goldmedaille

Bioland-Betrieb Hohlegruft Ein Hofladen mit Goldmedaille

Etwa fünf Kilometer von Berlin entfernt findet sich – keine Schleichwerbung – ein ausgezeichneter Hofladen, der sowohl seinen Kunden als auch den Betreibern viel Freude bereitet. Kein Wunder, möchte man meinen, dass die Nachfrage der Hauptstädter nach Bio-Produkten ein Selbstgänger ist.

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Anke Stoltenberg (46, links) hatte die Idee für den eigenen Hofladen. Tochter Auguste (17) hilft im Verkauf, Hofbesitzer Rolf (60) backt das Brot.

Quelle: jan

Nehms. Allerdings liegt der Hofladen gar nicht in direkter Nachbarschaft zur Metropole, sondern in der tiefsten Provinz im Kreis Segeberg. Dort, wo die Straßen statt Fahrbahnmarkierungen Risse und Löcher haben – fünf Kilometer entfernt vom Seedorfer Ortsteil Berlin mit gerade einmal 600 Einwohnern.

Dort beweisen Anke und Rolf Stoltenberg seit 2002 mit ihrem Bioland-Betrieb Hohlegruft, dass Erfolg nicht zwangsläufig mit direkter nachbarschaftlicher Lage zu gut verdienenden Großstädtern gekoppelt sein muss. Und dass aus einem zusätzlichen Standbein mit viel Einsatz sogar die Haupteinnahmequelle werden kann.

Den Blick in die Zukunft wagen

Als Rolf Stoltenberg den 1900 gegründeten Hof 1982 von seinem Vater übernahm, war dies ein Betrieb wie viele im Norden. Ackerbau, Mast, weniger als 100 Hektar Fläche – ein konventionell wirtschaftender Hof, der aufgrund der Globalisierung und des daraus resultierenden Strukturwandels in der Landwirtschaft vor der Wahl stand, weiter zu wachsen oder sich zu spezialisieren.

„Das lag mir nicht, da habe ich den Blick in die Zukunft gewagt“, erzählt der 60-Jährige. Und den Betrieb umgestellt. Organisch-biologischer Landbau nach den Richtlinien des Bioland-Verbandes – so wie zwei Nachbarn, die Ende der 1980er-Jahre in diesem Segment noch Exoten waren. Fortan fanden sich Angler-Sattelschweine auf dem Hof, genauso wie Zweinutzungsrassen-Hühner, die Eier legen und Fleisch liefern.

"In der Woche lohnt sich das Öffnen nicht"

Weil die Schweine immer mehr Auslauf außerhalb des Hofgeländes erhalten sollten, wurde Platz im ehemaligen Stall frei. Anke Stoltenberg (46) sah das als Chance. Direktvermarktung im kleinen Hofladen, mit selbstgebackenem Brot von Ehemann Rolf und Bio-Produkten von Höfen aus der Nachbarschaft. 2002 war es soweit: Der Hofladen mit Bio-Vollsortiment öffnete seine Pforten, jeweils freitags und sonnabends. „In der Woche lohnt sich das Öffnen nicht: zu wenig Kundschaft, zu viel Aufwand, nicht zu schaffen“, sagt Rolf Stoltenberg.

An den beiden einzigen Öffnungstagen ist der Kundenstamm, der aus einem Umkreis von bis zu 80 Kilometern anreist, mit etwa 130 „ziemlich konstant“. Und so kauffreudig, dass sich im Laufe der Jahre der zuletzt 2006 auf rund 60 Quadratmeter Fläche erweiterte Hofladen als Haupteinnahmequelle entwickelt hat. Etwa 75 Prozent des Umsatzes, mehr als 400000 Euro, werden hier erwirtschaftet. Mit sichtbarem Erfolg: 2014 wurde Hohlegruft als bester Bio-Hofladen Deutschlands ausgezeichnet, kürzlich erneut von den Lesern des Magazins „Schrot&Korn“ mit einer Goldmedaille bewertet.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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