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Mitfahren nur gegen Gebühr

BlaBlaCar Mitfahren nur gegen Gebühr

In etablierten Märkten wie Frankreich kassiert BlaBlaCar bereits eine Vermittlungsprovision von zehn bis 15 Prozent. Nun sollen Nutzer in Deutschland auch eine Servicegebühr zahlen, teilte das Unternehmen jetzt mit.

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Künftig sollen BlaBlaCar-Nutzer in Deutschland eine Gebühr zahlen.

Quelle: dpa

Hamburg. Es sei kein Geheimnis, dass Mitfahren mehr Spaß macht als alleine im Auto unterwegs zu sein. Den Grund dafür gibt die nach eigenen Angaben mit einem 95-prozentigen Marktanteil größte Mitfahrzentrale Deutschlands BlablaCar gleich mit auf ihrer Homepage an: Man könne gemeinsam spielen – zum Beispiel „Ich sehe was, was Du nicht siehst“. Seit April 2013 vermittelt das in Paris gegründete Unternehmen, das mit etwa 300 Millionen Dollar Risikokapital zu den bestfinanzierten Start-ups in Europa gehören soll, auch in Deutschland kostenlos Mitfahrgelegenheiten.

 Als das in 22 Ländern aktive Online-Portal Anfang 2015 mit insgesamt 400 Mitarbeitern die Münchener Carpooling GmbH, den größten deutschen Anbieter von Mitfahrgelegenheiten, übernahm, war die Zielsetzung klar: „Wir wollen eine Reservierungsgebühr einführen, weil das unser Geschäftsmodell ist“, sagt Deutschland-Chef Olivier Bremer. Die Gebühr würde auf einer durchschnittlichen Langstrecke – etwa von Hamburg nach Köln – zwei bis drei Euro kosten und werde „in nächster Zeit“ eingeführt.

 Seit Dienstag hat der Mitfahr-Dienst mit Sitz in Hamburg von Bargeld auf Online-Zahlung via Kreditkarte oder den Servicedienst Paypal umgestellt. Dies gelte zunächst für Strecken im Norden mit Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, sagt Bremer. Das Geschäft in ganz Deutschland solle innerhalb eines Jahres umgestellt werden. Bei dem neuen Verfahren bezahlt ein Mitfahrer seine Reise vorab; bei einer Absage bis zu 24 Stunden vor der Fahrt bekommt er sein Geld zurück, danach noch die Hälfte. Erscheint der Passagier nicht, erhält der Fahrer den gesamten Betrag. BlaBlaCar lässt bisher in sechs seiner 22 Länder online zahlen, „das schafft mehr Verbindlichkeit“, sagt Bremer. Zudem habe sich in Frankreich nach Einführung der Onlinezahlung die Nutzerzahl verfünffacht.

 „Der Plan ist, zunächst die Online-Zahlung einzuführen, und in einem weiteren Schritt wird es eine Gebühr von einigen wenigen Euro für die Mitfahrer geben, die abhängig von der Länge der Strecke und dem Fahrpreis sein wird“, sagt Bremer. BlaBlaCar glaube, mit mehr Verlässlichkeit durch die Vorab-Zahlung neue Nutzer gewinnen zu können. Mit der Online-Zahlung führt BlaBlaCar auch einen zusätzlichen Versicherungsschutz mit der Axa als Partner ein. Dabei geht es um Weiterreise nach Pannen oder Unfällen, den Nachversand vergessener Gegenstände und eine zusätzliche Unfallversicherung für die Fahrer.

 Und auch der Service für Anbieter und Mitfahrer solle „Schritt für Schritt“ ausgebaut werden, um weitere Nutzergruppen erschließen zu können. Zum Beispiel sei eine Funktion in der App von BlaBlaCar geplant, mit der sich Fahrer und Mitfahrer am Treffpunkt gegenseitig orten können. Wann diese Funktion aus der Probephase in den Echtbetrieb wechsele, stehe noch nicht fest, sagt Bremer.

 Nicht nur das gemeinsame Spielen auf längeren Strecken macht den Dienst in Deutschland zu einer Konkurrenz für Bahn und Fernbus: Auf vielen Strecken ist die Fahrt auch einfach preiswerter. Zum Beispiel kostet eine Tour von Kiel nach Berlin aktuell ab zehn Euro – die billigste Fernbusverbindung gibt es ab 14 Euro.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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