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400 Arbeitsplätze werden abgebaut

Blohm + Voss & Lloyd Werft 400 Arbeitsplätze werden abgebaut

Die beiden traditionsreichen Schiffswerften Blohm + Voss (Hamburg) und Lloyd Werft (Bremerhaven) stehen vor großen Problemen. Beide Betriebe werden über 400 Arbeitsplätze abbauen. Allein bei Blohm + Voss sind 300 Arbeitsplätze betroffen, wie die Lürssen-Gruppe am Dienstag mitteilte.

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Die Werft Blohm + Voss in Hamburg baut Arbeitsplätze ab.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Hamburg. Gründe dafür sind Einbrüche im Geschäft mit Schiffsreparaturen und Schiffsumbauten. Zuvor waren etliche Aufträge an andere Werften gegangen. Viele großen Fährreedereien haben ihre Fähren in den vergangenen Jahren entweder in Dänemark oder Polen umbauen und überholen lassen. So ist der ehemalige Blohm + Voss-Kunde Color Line  inzwischen zur dänischen Fayard Werft nach Odense abgewandert. Andere Reedereien aus dem Bereich der Nordsee lassen ihre Fähren entweder in den Niederlanden oder Polen überholen und umrüsten. Die Folge sind leere Docks und Kurzarbeit in Bremerhaven und Hamburg. Der Auftrag zur Reparatur des vor Südamerika havarierten Kreuzfahrtschiffes „National Geographic Orion“ ging gerade an eine dänische Werft in Frederikshavn, wo das Schiff am Wochenende mit einem Transportschiff eintraf. Aber auch Aufträge zum Umbau von Spezialschiffen für die Offshore-Industrie gingen zuletzt meist in die Niederlande oder nach Skandinavien.

"Dringende Investitionen sind ausgeblieben"

„Blohm+Voss befindet sich in einem kritischen Zustand. Wir stehen heute vor der enormen Herausforderung, den für das Unternehmen in den vergangenen Wochen entwickelten Maßnahmenkatalog zur Standortsicherung zeitnah umzusetzen und die Werft damit für die Zukunft bestmöglich aufzustellen. Dazu werden wir auf allen Ebenen zahlreiche strukturelle und organisatorische Anpassungen einleiten", erklärte Blohm + Voss-Geschäftsführer Dieter Dehlke in einer Mitteilung. Deutliche Worte fand  Aufsichtsvorsitzende Dieter Borgschulte auch für den technischen Zustand der Hamburger Traditionswerft. Die gerade erst vom Bremer Lürssen-Konzern übernommene Werft war in den vergangenen Wochen auf den Prüfstand gestellt worden. „Unsere mehrwöchige Analyse zeigt allerdings, dass dringend erforderliche Investitionen in den letzten Jahren ausgeblieben sind, Konstruktions- und Fertigungsprozesse nicht ausreichend modernisiert und die Kostenstrukturen nicht den realen Bedingungen angepasst wurden", so Borgschulte. Kurz: Die Hamburger Werft ist technologisch nicht mehr wettbewerbsfähig.

Belegschaft wurde informiert

Auf einer Betriebsversammlung wurde am Dienstag die Belegschaft der Werft Blohm + Voss über die anstehenden Veränderungen informiert. Der Personalabbau soll so weit wie möglich sozialverträglich erfolgen. In Bremerhaven waren bereits zuvor die Mitarbeiter der Lloyd Werft über den geplanten Abbau von über 100 der 400 Stellen informiert worden. In Hamburg sollen bei Blohm + Voss sind  300 der 1000 Stellen betroffen sein. „Mit den Arbeitnehmervertretern werden wir auch die Möglichkeit betriebsbedingter Kündigungen besprechen müssen. Unser Ziel ist es, eine möglichst einvernehmliche und sozialverträgliche Lösung für jeden Mitarbeiter zu finden und zugleich die sehr schwierige Situation unserer Werft zu berücksichtigen“, so Dehlke.  

Die Werft war erst vor kurzem durch die Bremer Lürssen-Gruppe übernommen worden. Die Bremer Werft hat ihren Schwerpunkt beim Bau von Marineschiffen und Luxusjachten an den Standorten Bremen, Schacht-Audorf und Wolgast. Bei Blohm + Voss ist Lürssen als Teil einer Arbeitsgemeinschaft am Bau von vier Fregatten beteiligt, die derzeit in der Endphase ist. Mittelfristig soll die Hamburger Traditionswerft als Standort für den Bau von Marineschiffen sowie die Überholung von Megajachten erhalten und gestärkt werden.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Der Abbau von fast jedem dritten Arbeitsplatz auf der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss ist ein Schlag ins Kontor. Die Maßnahme ist aber traurige Konsequenz für eine Werft, die den Anschluss an die Weltspitze längst verloren hat.

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