18 ° / 15 ° Sprühregen

Navigation:
Ende einer Familien-Geschichte

Bosch-Service Droege Ende einer Familien-Geschichte

Aus Droege wird Paulus: Der Bosch-Service an der Preetzer Chaussee in Kiel-Elmschenhagen hat einen neuen Besitzer. Dabei stand die Zukunft der vor 79 Jahren von Werner Dröge gegründeten Werkstatt für Fahrzeuge wochenlang in den Sternen.

Voriger Artikel
Handelskammer prämiert beste Apps aus Hamburg
Nächster Artikel
Mieter im Norden können sich größere Wohnungen leisten

Bis zu 100 Mitarbeiter beschäftigte Droege in Kiel-Elmschenhagen: Arbeiten in der Dieselwerkstatt von Bosch (1966).

Quelle: Archiv

Kiel. Wegen gesundheitlicher Probleme stellt sich der Kieler Hans-Ulrich Droege (58) Ende 2015 die Frage: „Wie geht es weiter?“ Der Werkstatt-Inhaber in dritter Generation verfasst gemeinsam mit seinem Bruder Hans Peter Mitte Januar einen Brief an die sechs Mitarbeiter, um diese auf den möglichen Verkauf der Firma vorzubereiten, weil sich keine Nachfolgeregelung innerhalb der Familie abzeichnet: „Wir bitten Euch um Euer Vertrauen für eine neue Ära in unserer Firmengeschichte“, heißt es am Ende des Briefes. „Das kam für die Belegschaft sehr unerwartet.“

 Rückblende: Am 1. Oktober 1933 gründet der gebürtige Hamburger Werner Droege am Sophienblatt in Kiel eine Reparaturwerkstatt für Kfz-Elektrik, Dieselmotoren, Kühlschränke und Autoradios, die im Krieg ausgebombt wird. Neues Domizil nach 1945 ist zunächst ein Gebäude der damaligen Kreiswerkstätten in Kiel-Hassee, anschließend geht es 1949 wieder an den alten Standort zurück. Anfang der 1960er-Jahre wächst das Unternehmen und repariert als erster Bosch-Dienst in Kiel nicht nur Fahrzeuge und Haushaltsgeräte, sondern übernimmt auch den Bosch-Großhandel. Der größte Schritt in der Firmengeschichte ist der Umzug am 1. Mai 1966 auf ein insgesamt 11.000 Quadratmeter große Grundstück in Elmschenhagen.

 Etwa 100 Mitarbeiter arbeiten zu dieser Zeit für Hans-Günter Droege, den Sohn des Firmengründers. Die Firma verfügt über einen hochmodernen Leistungsprüfstand, gehört in der Branche zu den Großen im Norden und bietet die komplette Bosch-Palette an. „Im Werkstattbereich verlagerten sich damals die Arbeiten immer mehr in Richtung Mechanik. Die reine Instandhaltung wurde nach und nach weniger, weil die defekten Teile durch die Hersteller ausgetauscht wurden“, sagt Hans-Ulrich Droege.

 Über die Jahre schrumpft die Mitarbeiterzahl, 1989 sind noch etwa 65 Mitarbeiter bei Droege beschäftigt. Als dann noch im gleichen Jahr ein lukrativer Großhandelsvertrag mit vielen Kfz-Werkstätten im Norden aufgekündigt wird und das Unternehmen auf den Status eines normalen Bosch-Dienstes zurückfällt, können nur noch etwa 25 Mitarbeiter beschäftigt werden. Ende 1995 übernimmt dann Droege zusammen mit seinem Bruder die Geschäftsführung der Firma, die seit dem Jahr 2000 als Bosch-Service geführt wird. Die Konkurrenzsituation, verbunden mit wegfallenden Aufträgen durch andere Autohäuser, die verstärkt auf eigene Werkstätten setzen, macht die Situation nicht einfacher. „Der Druck auf den Werkstattbereich ist sehr groß, nur Werkstätten mit besonderen Kompetenzen überleben“, sagt Droege, der seinen Schreibtisch in der Firma bereits am 30. Juni geräumt hat.

 Neue Inhaber sind seitdem die Brüder Robert und Joachim Paulus. „Ich habe zehn Jahre bis 2011 hier selbst als Werkstattleiter gearbeitet und nun viel Rückhalt auf dem Weg in die Selbstständigkeit bekommen“, sagt Robert Paulus (38). Als ihn sein früherer Chef Droege fragte, ob er das Geschäft übernehmen wolle, nahm sich Paulus drei Tage Bedenkzeit und sagte dann zu. „Es gibt nicht viele Firmen, die so gute Mitarbeiter mit solchen Fachkenntnissen haben – wir machen jetzt gemeinsam weiter.“ Und die Firma soll wachsen, sagt Paulus: „Der erste Monat war vom Umsatz her schon richtig gut, das soll und wird jetzt weitergehen. Der Weg stimmt.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3