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Hoffnungsbringer für Blohm + Voss

Bremer Lürssen-Gruppe Hoffnungsbringer für Blohm + Voss

Hamburgs Traditionswerft Blohm + Voss geht in Bremer Hände. Das Unternehmen mit seinen 1000 Mitarbeitern soll Teil der Lürssen-Gruppe werden. Die Bremer festigen damit ihre Position als drittgrößter Schiffbauer in Deutschland. Die Hamburger Werft soll von Lürssen zukunftsfähig gemacht werden.

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Die Werft auf der Elbinsel Steinwerder wird im nächsten Jahr 140 Jahre alt und hat in dieser Zeit eine wechselhafte Geschichte erlebt. 2005 hatte Thyssen Krupp Blohm + Voss gekauft, später gingen Teile an britische Investoren von Star Capital. Nun hat die Bremer Familie Lürßen das Sagen.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Hamburg/Bremen. Schwerpunkte sollen künftig die Schiffsreparatur und der Marineschiffbau sein. Die Lürssen-Gruppe übernimmt Blohm + Voss von der britischen Investmentgesellschaft Star Capital Partners. Die Fondsgesellschaft hatte die Werft erst 2011 vom Thyssen-Krupp-Konzern gekauft. Der Standort auf der Elbinsel Steinwerder sollte zum Bau von Mega-Jachten weiterentwickelt werden. Aufträge blieben jedoch aus, weshalb sich die Sorgen um die Werft vergrößerten. Der 2007 vergebene Auftrag zum Bau von vier Fregatten der Klasse 125 für die Deutsche Marine und die Überholung von Kreuzfahrtschiffen und Jachten sorgten bislang für die Auslastung. Nun geht der Bau der Fregatten aber in die Endphase und Anschlussaufträge für 2017 gibt es noch keine.

 Die Hoffnungen ruhen jetzt auf den Vettern Friedrich und Peter Lürßen. „Mit Blohm + Voss übernehmen wir eine Werft, die über vielseitig einsetzbare Fazilitäten an einem strategisch günstigen Standort verfügt. Diese wollen wir in Zukunft nutzen, um unser aktuelles Angebot an Reparatur- und Refit-Leistungen abzurunden und unseren Kunden noch bessere Servicebedingungen anbieten zu können“, erklärt Peter Lürßen, Geschäftsführender Gesellschafter der Lürssen Maritime Beteiligungen GmbH. „Durch den Verkauf an Lürssen haben Blohm+Voss und der Schiffbau in Hamburg wieder eine Perspektive für die Zukunft“, sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch. Die Lürssen-Gruppe würde es ermöglichen, wieder neue Kunden zu gewinnen und dadurch dauerhaft Beschäftigung am Standort Hamburg zu sichern.

Gewerkschaft und Belegschaft überrascht

 Die Gewerkschaft IG Metall sieht den Verkauf ebenfalls als Chance. „Wir gehen davon aus, dass diese Übernahme eine Stärkung für den Schiffbaustandort Hamburg bedeutet“, sagte Heiko Messerschmidt vom IG-Metall-Bezirk Küste. Die Gewerkschaft war aber genauso wie die Belegschaft der Werft von dem Deal überrascht worden, der dem Vernehmen nach erst am Wochenende eingefädelt worden war.

 Die Kartellbehörde muss den Deal noch absegnen. Über den Kaufpreis machten beide Partner keine Angaben. Der Fokus für die neue Ausrichtung von Blohm + Voss liege bei der Nutzung der Docks für die Schiffsreparatur. Man möchte die Erfahrungen der Mitarbeiter aber auch im Neubau komplexer Marineschiffe nutzen, ließ Peter Lürßen erklären. Diese Perspektive ist aber stark abhängig von der Vergabe des Auftrags über neue Mehrzweckkampfschiffe („MKS180“) für die Marine. Um diesen Auftrag bemühen sich neben Lürssen derzeit auch die Werften TKMS und German Naval Yards aus Kiel.

 Düster sieht es dagegen im Jachtbau aus. Der Traum von eleganten Mega-Jachten aus Hamburg ist mehrfach in den vergangenen Jahren zerplatzt. „Inwieweit wir den Standort zukünftig zur Fertigung von Jachten nutzen werden, wird vor allem von der Marktentwicklung abhängen und ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu beantworten“, so Peter Lürßen.

 Die Lürssen-Gruppe expandierte in den vergangenen 20 Jahren kräftig und kaufte Werften in Schleswig-Holstein (Kröger), Niedersachsen (Neue Jadewerft), Mecklenburg-Vorpommern (Peenewerft) und Hamburg (Norderwerft). Nach der Meyer Werft mit 3667 Mitarbeitern und der Kieler TKMS-Werft mit 3344 Mitarbeitern ist Lürssen mit rund 2800 Mitarbeitern jetzt die Nummer drei unter den deutschen Werften.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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