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Die Lloyd Werft meldet sich zurück

Bremerhaven Die Lloyd Werft meldet sich zurück

Seit zehn Jahren hat die Lloyd Werft in Bremerhaven kein Kreuzfahrtschiff mehr gebaut. Jetzt soll sie für die Genting Group gleich drei Kreuzfahrer der Luxusklasse und zwei hochwertige Flusskreuzfahrtschiffe bauen. Und der kapitalstarke Auftraggeber aus Malaysia hat noch mehr vor.

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Die Lloyd Werft verfügt über kein eigenes Großdock mehr; die Stahlrümpfe für Schiffsneubauten müssen daher derzeit auf anderen Werften gebaut werden.

Quelle: dpa

Bremerhaven. Der Konzern wird als Gesellschafter bei der Lloyd Werft einsteigen – ein Schritt, der für die gesamte maritime Wirtschaft in Deutschland von Bedeutung ist.

Am späten Sonntag teilte Genting diese Absicht mit. „Bremerhaven hat Schiffbau im Blut. Aber das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft“, sagte Genting-Chef Tran Sri Lim Kok Thay. Und um dieses Potenzial zu heben, wollen die Asiaten auch in den Ausbau der Werftanlagen investieren, kündigte er an. Weitere Details nannte er nicht. So ist beispielsweise noch offen, ob Genting plant, die Mehrheit an der Werft zu übernehmen. In Schiffbaukreisen ist davon die Rede, dass Genting bis zu 70 Prozent übernehmen könnte.

 In jeden Fall ist Genting ein starker Partner. Der Konzern mit 60000 Mitarbeitern ist unter anderem in den Bereichen Tourismus und Energie tätig und besitzt große Plantagen in Malaysia. Teile der Gruppe werden von Singapur und von Hongkong aus geführt. Genting ist in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Kreuzfahrtunternehmen aufgestiegen. Die Reedereien Crystal Cruises, Star Line und Norwegian Cruise Line mit insgesamt 22 Schiffen gehören zur Gruppe.

 Für Lloyd, aber auch für die deutschen Schiffbauzulieferer sind die Genting-Pläne eine Chance. Mit dem Ausbau der Werft erhält der zivile Schiffbau in Deutschland wieder Auftrieb. Die Genting-Tochter Crystal Cruises hatte vor einer Woche angekündigt, fünf besondere Schiffe bei Lloyd bestellen zu wollen. Alle sollen in der oberen Luxusklasse angesiedelt sein: Jedes der drei Kreuzfahrtschiffe wird Platz für 1000 Passagiere und ebenso viele Besatzungsmitglieder bieten; geplant sind ausschließlich Suiten mit mindestens 37 Quadratmetern Größe. Und Kunden mit ausreichend finanziellen Mitteln können auf dem Schiff auch eines von 48 Appartements kaufen, das größte mit 370 Quadratmetern Fläche. Das erste Schiff soll in drei Jahren abgeliefert werden. Auch die beiden Flusskreuzfahrer sollen luxuriös ausgestattet werden.

 Für die Werft mit ihren derzeit rund 400 Mitarbeitern ist dieser Auftrag fast gleichbedeutend mit einem Neustart. Die 1872 gegründete Werft hatte sich als Teil des Vulkan-Konzerns in den achtziger Jahren vor allem mit spektakulären Umbauten einen Namen gemacht, beispielsweise mit der „Queen Elizabeth 2“. Doch im Jahr 2004 geriet sie durch einen Orkan in die Insolvenz: Der Sturm hatte den Rohbau der 300 Millionen Euro teuren „Pride of America“ an der Pier in Schieflage gedrückt, so dass Wasser eindringen konnte und das Schiff schließlich auf den Hafengrund sackte. Das Schiff konnte zwar geborgen und mit einem Jahr Verspätung abgeliefert werden, aber finanziell wurde es ein Desaster. Aus der Insolvenz konnte sich Lloyd befreien und durch Umbauten und Aufträge über kleinere Spezialschiffe am Markt bestehen.

 Indirekte Unterstützung dabei, den Großauftrag abzuwickeln, erhält Lloyd vom Land Bremen. Denn die Werft besitzt kein Großdock mehr und muss die Schiffe zunächst an den Kaianlagen des Kaiserhafens bauen. Die aber müssen für solche Großbauten zunächst saniert werden. Das Land hat daher Mittel im Häfen-Etat umgeschichtet und will nun für 30 Millionen Euro die Kaianlagen erneuern lassen.

 Genting soll, so ist aus Kreisen der maritimen Wirtschaft zu hören, zunächst gar nicht die Absicht gehabt haben, eine Werft zu kaufen. So habe der Konzern auch bei der Meyer Werft in Papenburg angefragt, ob diese die fünf Schiffe bauen kann. Doch Meyer ist über Jahre ausgelastet – wie alle Kreuzfahrer-Werften. So kam schließlich die Lloyd Werft ins Gespräch.

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