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Brexit-Abstimmung: Der Norden zittert mit

Historisches Referendum Brexit-Abstimmung: Der Norden zittert mit

Schicksalstag für Europa: In einem historischen Referendum entscheiden Briten und Nordiren heute, ob sie in der EU bleiben oder austreten wollen. Auch Politik und Wirtschaft in Schleswig-Holstein sehen der Abstimmung mit Sorge entgegen.

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Kämpfen bis zur letzten Minute: Gegner eines britischen EU-Austrittes verteilen in London Info-Material und Anti-Brexit-Poster.

Quelle: Leon Neal/afp

London/Kiel. Selbst Stunden vor Öffnung der Wahllokale war der Ausgang unabsehbar. Jüngste Umfragen sahen die EU-Befürworter hauchdünn vorn. An den Finanzmärkten herrschte Nervosität: Investmentfonds horteten Bargeld, zahlreiche Briten fragten in großen Stil Dollar und Euro nach. Bundespräsident Joachim Gauck warnte vor einem Rückfall in den Nationalismus.

 „Ein Brexit hätte unvorhersehbare negative Folgen für die Europäische Union, vor allem aber für Großbritannien selber“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). Sollten sich die Briten dennoch gegen Europa entscheiden, „ist es an uns, in den nächsten Jahrzehnten dafür zu werben, dass die Menschen in London oder Liverpool erkennen, dass es ihnen mit Europa besser geht“.

Heinold befürchtet Konjunkturdelle

 Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) befürchtete im Fall eines Austritts eine Konjunkturdelle. Betroffen sei Schleswig-Holstein zudem wegen der HSH Nordbank: „Sie hätte es im Fall eines Brexit schwerer.“ Grund sei das Wechselkursrisiko. Es würde im Fall einer Austrittsentscheidung „absehbar wachsen, wenn der Dollar gegenüber dem Euro noch stärker würde“. Dabei geht es vor allem um die Milliarden-Risiken der Bank in der Schiffsfinanzierung.

 Die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen eines Brexit seien derzeit „nicht absehbar“, sagte Werner Koopmann, Leiter des Geschäftsbereichs International der Industrie- und Handelskammer Kiel. Die IHK geht jedoch davon aus, dass „die außenwirtschaftlichen Beziehungen zwischen Schleswig-Holstein und dem Vereinten Königreich auch im Fall eines Austritts nicht grundsätzlich an Kraft verlieren“. Das Vereinigte Königreich importiert jährlich Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Euro aus Schleswig-Holstein und gehört damit zu den wichtigsten Handelspartnern des Landes.

Europa würde ins Wanken geraten

 Auch die Vereinigung der Unternehmensverbände hofft auf eine Niederlage der Brexit-Befürworter. UVNord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich: „Abgesehen von einem Dominoeffekt gerät die gesamte Architektur Europas ins Wanken.“ Auf die Unternehmen kämen aufwendige Genehmigungs- und Zulassungsverfahren bis hin zu möglichen Zöllen zu. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) hält die Folgen eines Briten-Austritts für die Unternehmen im Land zwar für „durchaus verkraftbar“, warnt aber ebenfalls vor Handelshemmnissen.

 Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale (23 Uhr MESZ) wird es voraussichtlich weder Prognosen noch Hochrechnungen geben. Ein Endergebnis wird am Freitag um die Frühstückszeit erwartet.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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