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Brisante Probefahrt auf der Förde

U-Boot für Israel Brisante Probefahrt auf der Förde

Der neue Stolz der israelischen Marine ist fahrtüchtig. Ein Jahr nach der Taufe ist das 300 Millionen Euro teure U-Boot erstmals ausgelaufen. Auf der Kieler Förde testete die Besatzung Antrieb und Ruder während einer Tagesfahrt – und dies unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

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Das neue israelische U-Boot "Tanin" wurde am Sonntag bei der ersten Probefahrt auf der Ostsee getestet.

Quelle: FB

Kiel. Knapp acht Stunden dauerte die erste Toru. Dann war das größte bislang in Deutschland gebaut U-Boot wieder im sicheren Dock bei HDW. Alle Systeme sollen die Tests bestanden haben, ist zu hören. Offiziell äußert sich die Bauwerft ThyssenKrupp Marine Systems nicht.

Das Boot mit der Baunummer 400 wurde seit 2007 in Kiel unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gebaut. Es ist das größte, modernste und auch leiseste U-Boot, das je eine deutsche Werft baute.

Für die Marine Israels ist es das siebte U-Boot mit Technologie aus Kiel. Anfang der 70er Jahre wechselte Israel von britischer auf deutsche Technologie. Die ersten drei Boote wurden noch nach Kieler Plänen in Großbritannien gebaut. 1998 bis 2000 bauten die Kieler mit den Nordseewerken in Emden drei Boote der „Dolphin“-Klasse. Sie haben sich bei zahlreichen Einsätzen bewährt. Deshalb jetzt die Folgeaufträge über drei größere „Dolphin“-Boote. Sie haben neben einer starken Brennstoffzelle auch einen konventionellen Antrieb aus Dieselmotoren.

Bis 2016 sollen die drei Boote geliefert werden. Die „Tanin“ mit der Baunummer 400 macht 2014 den Anfang. Bei den ersten drei Booten der „Dolphin“-Klasse hatte die Bundesrepublik zwei Drittel des Baupreises als Wiedergutmachung für illegale Lieferungen von Raketentechnologie an den Irak übernommen. Während des zweiten Golfkriegs hatte Iraks Militär damit Israel beschossen.

Bei den jetzt bestellten drei weiteren Booten übernimmt Deutschland ein Drittel der Baukosten von insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte wiederholt klargestellt, dass Deutschland ein großes Interesse an der Sicherheit Israels hat.

Was die Leistung angeht, sollen die „Tanin“ und ihre Schwestern des Typs „Super Dolphin“ an die Leistungen der drei „Dolphin“-Boot anknüpfen. Aufklärungseinsätze, das Anlanden von Spezialkräften und eine geheim gehaltene Bewaffnung mit Flugkörpern und Torpedos soll Nachbarstaaten abschrecken. Ob diese U-Boote aber tatsächlich, wie vermutet, über Flugkörper mit Nuklear-Sprengköpfen verfügen soll, ist unbewiesen. Bekannt ist nur, dass die „Tanin“ über zehn Torpedorohre verfügt. Nach israelischen Medienberichten soll die „Dolphin“ in einem indischen Schießgebiet einen Marschflugkörper getestet haben.

Für die Probefahrten der „Tanin“ gelten auf der Kieler Förde erhöhte Sicherheitsbedingungen. Die Termine sind geheim und bei den Ein- und Ausfahrten wird das Boot eskortiert. Das Sicherungsschiff „HDW Herkules“, Speedboote und Einheiten der Wasserschutzpolizei schirmen die „Tanin“ ab. Nach den Tests vor Kiel soll das 2200-Tonnen-Boot im Sommer ins Skagerrak fahren. Dabei wird ein dänischer Basishafen für die Erprobung genutzt. Norwegen hatte die Nutzung seiner Häfen für israelische Boote untersagt. Stoppen wird es den U-Bootbau nicht.

In der Kieler Werft gibt es morgen die nächste Feierstunde. Mittags soll der Neubau „U 36“ für die Deutsche Marine getauft werden. Der U-Bootbau bei HDW ist bis über das Jahr 2016 mit Booten für Israel und Ägypten ausgelastet. Derzeit verhandelt die Werft über weitere Projekte. Als neue Kunden werden Staaten wie Australien, Indien, Polen und Norwegen gehandelt.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH