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Bsirske prangert Wildwestmethoden an

Damp-Kliniken Bsirske prangert Wildwestmethoden an

Und wieder ein neuer Höhepunkt in der Tarif-Auseinandersetzung um die Damp-Kliniken. Tausende demonstrierten in Kiel gegen Kündigungen. Verdi-Chef Bsirske drohte den Verantwortlichen mit Strafanzeigen.

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Ver.di-Chef Bsirske drohte den Verantwortlichen mit Strafanzeigen.

Quelle: dpa

Kiel. Mehr als 3000 Menschen haben am Sonnabend in Kiel gegen die Kündigungen bei der Zentralen Service-Gesellschaft (ZSG) für die Damp-Kliniken demonstriert. Nach gemeinsamen Angaben von Polizei und Verdi versammelten sich rund 3500 in der Landeshauptstadt, um ihrem Ärger über das Vorgehen der Helios Kliniken GmbH Luft zu machen. Die neue Eigentümerin der Damp-Kliniken fährt im Tarifstreit mit Verdi einen harten Kurs. Weil die Mitarbeiter der ZSG streiken, haben die Kliniken den Vertrag mit der Service-Gesellschaft gekündigt. Diese hat darum ihrerseits 1000 Mitarbeitern vorsorglich die Kündigung ausgesprochen.

Gekündigte Damp-Beschäftigte machen ihren Ärger auf einer Demonstration in Kiel lautstark Luft. Auf der Kundgebung werden auch Ver.di-Chef Frank Bsirske und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) erwartet.

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Der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske sprach auf der Kundgebung von „Wildwestmethoden“. Die Vorgänge seien beispiellos: „Das hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben.“ Bsirske warf Helios einen „Frontalangriff auf das Streikrecht“ und einen „Anschlag auf uns alle“ vor. Die Kündigungen wegen der streikbedingt nicht erfüllten Leistungen erfüllten den Straftatbestand der Nötigung. Verdi bereite Unterlassungsklagen vor und prüfe Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sagte: „So kann man mit Menschen in unserem Land nicht umgehen.“ Den gekündigten Mitarbeitern versicherte er: „Die Landesregierung steht solidarisch an Eurer Seite.“ Bei den Aktionen von Helios handele sich um einen „Verstoß gegen die Vernunft“. Gewerkschaftsvertreter dankten Albig für seine Teilnahme, er erntete aber auch Buhrufe. Neben Albig sprachen unter anderem auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Stegner und sein CDU-Kollege Johannes Callsen.

Die Verdi-Vertrauensfrau Catrin Przewozny schilderte, wie ihr zwölfjähriger Sohn sie unter Tränen auf der Arbeit anrief, als er den Kündigungsbrief für seine Mutter erhalten hatte, der in einem blumenverzierten Umschlag gekommen sei. „Das war ein schwarzer Tag für meinen Sohn, für mich, für die ganze Familie.“ Die 35-Jährige hat bereits eine Kündigungsklage eingereicht, der erste Gütetermin steht fest. Sie möchte weiter in Schleswig arbeiten, trotz der jüngsten Erfahrungen: „Ich liebe meinen Job.“

An den Damp-Standorten in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern schwelt seit Monaten ein Tarif-Konflikt zwischen Verdi und der Helios Kliniken GmbH. Die Damp-Kliniken gehören seit März zu Helios. Bei einer Verdi-Urabstimmung hatte sich die Mehrheit für unbefristete Streiks ausgesprochen. Nachdem diese begonnen hatten, kündigten die Kliniken und Einrichtungen in der vergangenen Woche ihre Verträge mit der Zentralen Service-Gesellschaft Damp, die danach ihrerseits 1000 Mitarbeitern die Kündigung aussprach. Die ZSG ist auch in Mecklenburg-Vorpommern vertreten, etwa am Standort Stralsund.

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Gabriel und Nahles
SPD-Chef Sigmar Gabriel hat ein Solidaritätsschreiben verfasst.

Gekündigte Damp-Beschäftigte wollen ihrem Ärger am Samstag in Kiel lautstark Luft machen. Auf der Kundgebung werden auch Verdi-Chef Bsirske und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Albig erwartet. Unterstützung für die Gekündigten kam unterdessen auch aus Berlin.

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