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Bund will Nordsee-Fischerei drastisch einschränken

Viel Kritik Bund will Nordsee-Fischerei drastisch einschränken

13 Meter lange Netzreste, ein kaputter Eimer und eine blaue Plastikabdeckung aus dem Motorraum eines Fords: Das ist nur ein Teil der Funde, die Forscher in den Mägen der vor Schleswig-Holstein gestrandeten Pottwale machten. Im Januar und Februar waren 13 Tiere an der Nordseeküste verendet.

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Zum Schutz von Schweinswalen, Vögeln, Riffen und Kleingetier am Meeresboden will der Bund in großen Gebieten der Nordsee die Fischerei zum Teil ganzjährig verbieten.

Quelle: Carsten Rehder/dpa (Archiv)

Kiel/Bremen/Berlin. Zwar sei der Müll in den Bäuchen der Meeressäuger nicht die Todesursache gewesen, sagte Umweltminister Robert Habeck am Mittwoch im Multimar Wattforum in Tönning. Aber die Funde verdeutlichten auf schauerliche Weise die Auswirkungen unserer Kunststoffgesellschaft. „Das ist eine dringende Mahnung, verstärkt gegen Müll im Meer vorzugehen“, so Habeck. Der Müll treibe vor allem in der oberen Wasserschicht, erklärte Professor Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. „Gerade bei jungen Tieren ist es vorstellbar, dass sie aus Neugier die Plastikteile verschluckt haben.“

Die Pottwalbullen, die beim Kaiser-Wilhelm-Koog und vor Büsum angespült wurden, waren zwischen zehn und 15 Jahre alt. Die 10 bis 12 Meter langen und 12 bis 18 Tonnen schweren Säugetiere waren laut Siebert allesamt gut genährt und gesund. „Die Tiere hatten außen keine Anzeichen von größeren Verletzungen, wie sie zum Beispiel durch Schiffsschrauben vorkommen können“, sagte Siebert. Es habe außerdem keine Hinweise auf Infektionskrankheiten gegeben. Auch die für die Orientierung der Pottwale wichtigen Ohren waren unverletzt, so dass akustische Traumata ausgeschlossen werden konnten.

Als Todesursache wurde Herz- und Kreislaufversagen festgestellt. Weil die Meeressäuger in zu flachem Wasser unterwegs waren und dort auf Grund liefen, drückte ihr Körpergewicht ihre Blutgefäße, die Lunge und weitere Organe so stark zusammen, dass ihr Herz versagte. Warum die Tiere in die Nordsee gerieten, versuchten die Wissenschaftler ebenfalls anhand des Mageninhalts der Pottwale zu erklären.

Denn neben jeder Menge Plastikmüll entdeckte der Kieler Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Geomar Helmholtz-Zentrum in den Bäuchen der Pottwale die Überreste von rund 55.000 Tintenfischen. Der sogenannte Nordische Köderkalmar kommt vor allem in der Norwegischen See vor, wo die Pottwalbullen überwintert haben. Weil die Wassertemperaturen Anfang des Jahres ungewöhnlich hoch waren und es starke Stürme gab, vermuten die Forscher, dass Wassermassen von dort in die Nordsee gedrückt wurden und mit ihnen die Tintenfische. Statt auf dem Rückweg in die Azoren westlich von Großbritannien entlang zu schwimmen, seien die Wale daher wohl ihrer Nahrung gefolgt. „Wenn die Wale die Biege nicht bekommen, machen sie die fatale Reise in unser Wasser“, so Piatkowski. In der Nordsee, die an den meisten Stellen nicht tiefer als 50 bis 100 Meter tief ist, funktioniert das Echoortungssystem der Wale nicht. „Die Tiere schwimmen quasi blind und können sich nicht mehr orientieren“, sagte Siebert. Der sichere Weg in den Tod.

In einer kleinen Sonderausstellung wird seit Mittwoch mit Bildern und Texten der Fund, die Bergung und die Untersuchung der Wale im Multimar Wattforum aufbereitet. Außerdem soll dort am 23. Juni eine Vortragsreihe zu den Strandungen starten.

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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