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Bundesweiter Bauernprotest gegen niedrige Milchpreise gestartet

Agrar Bundesweiter Bauernprotest gegen niedrige Milchpreise gestartet

Den Milchbauern stinkt's: Mit Protesten wollen sie auf den Preisverfall bei der Milch hinweisen und die Politik zum Handeln zwingen. Zum Auftakt starteten Trecker im schleswig-holsteinischen Hohenwestedt. Ziel ist am 1. September eine Kundgebung in München.

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Die Milchbauern protestieren gegen den Preisverfall bei der Milch.

Quelle: Daniel Reinhardt/Archiv

Hohenwestedt. Deutsche Milchbauern haben eine neuntägige bundesweite Protestaktion gegen den ihrer Meinung nach existenzgefährdenden Preisverfall bei der Milch gestartet. Zum Auftakt der Proteste brachen am Montag zuerst im schleswig-holsteinischen Hohenwestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) Bauern mit ihren Treckern zu einer Staffelfahrt quer durch Deutschland auf, die am 1. September in München mit einer großen Kundgebung zu Ende gehen soll. Ebenfalls noch am Vormittag sollte eine zweite Staffelfahrt im niedersächsischen Krummhörn starten. Zwei weitere Staffelfahrten beginnen in Süddeutschland am 28. August in Breisach (Baden-Württemberg) nahe der deutsch-französichen Grenze und am 1. September in Traunstein in Oberbayern.

In Hohenwestedt warf der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) Untätigkeit und eine Verweigerungshaltung vor. Schmidt tue nichts, um die für viele Milchbauern katastrophale Lage zu ändern, sagte Schaber, der auch Präsident des europäischen Verbandes European Milk Board ist.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnte in Hohenwestedt von der größten Milchbauernkrise in der Geschichte der Bundesrepublik. Wenn die Bundesregierung und die Europäische Kommission weiterhin Augen und Ohren verschlössen und nicht gegensteuerten, werde sich die Situation extrem zuspitzen, sagte Habeck.

Ebenso wie Schaber forderte Habeck, dass die sogenannte Superabgabe von 900 Millionen Euro zur Mengenreduzierung der Milchproduktion verwendet werde. Für Milchproduktion oberhalb der festgesetzten Quote hatten Landwirte bisher Strafzahlungen - die sogenannte Superabgabe - leisten müssen, die in diesem Jahr wegen des Wegfalls der Milchquote zum letzten Mal erhoben wurde. Bisher sei geplant diese 900 Millionen Euro anderweitig zu verwenden, doch sollte dieses Geld zu den Milchbauern zurückfließen, forderte Habeck.

Laut BDM kostet die Erzeugung eines Liters Milch in Schleswig-Holstein etwa 40 Cent, bringt den Bauern aber nur 26 Cent ein - und die Milchpreise für die Bauern drohten weiter zu fallen, so der BDM. Die Nerven vieler Milchbauern in ganz Deutschland lägen blank. Im Vergleich zum Vorjahr sei in diesem Jahr mit drei Milliarden Euro Verlusten für die deutschen Milchviehbetriebe und den ländlichen Raum zu rechnen.

Der Verband fordert, in Marktkrisen die Erzeugung in der EU zu verringern. Im Zuge der Agrarreform wurde die Milchquote zum 1. April abgeschafft. Seitdem drückt ein Überangebot den Preis. Dazu kommt Russlands Einfuhrverbot.

Treckergespanne fahren die Routen von den Startpunkten bis nach München und werden - nach Art einer Staffel - von Milchviehhaltern aus der Region mit ihren Treckern begleitet. Dabei werden die schleswig-holsteinischen Bauern von Kollegen aus Dänemark unterstützt. Auch dort habe es aufgrund der niedrigen Milchpreise bereits viele Betriebsaufgaben gegeben, beschrieb der BDM die dramatische Lage. Der BDM kämpft gemeinsam mit seinen europäischen Kollegen im European Milk Board EMB dafür, den Milchviehhaltern eine Perspektive zu geben. Dafür gelte es, mit Sofortmaßnahmen die katastrophale Milchmarktsituation anzugehen, um damit wieder für Liquidität auf den Milchviehbetrieben zu sorgen. Parallel dazu müsse mit der gleichen Dringlichkeit nicht nur die Marktstellung der Milchviehhalter verbessert werden, sondern insbesondere das Milchmarkt-Krisenmanagement-Konzept aktiv angeschoben werden.

dpa

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