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Vor allem die Kreise betroffen

Busfahrer-Streik Vor allem die Kreise betroffen

Die Gewerkschaft Verdi hatte am Freitag mit Dienstbeginn die Busfahrer von sieben Busbetrieben zu Warnstreiks aufgerufen, um den Druck auf die Arbeitgeber in den stockenden Verhandlungen zu erhöhen. Zwischen Niebüll, Flensburg, Kiel, Ostholstein und dem Hamburger Randgebiet fielen Buslinien und Schulverkehr aus.

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Dieser Bus bleibt stehen: Die Gewerkschaft Verdi hatte am Freitag Fahrer in sieben Busunternehmen in allen Regionen Schleswig-Holsteins aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

Quelle: Dominique Leppin

Kiel. Die Einschränkungen und Ausfälle betrafen am Freitag vor allem die ländlichen Regionen. In zehn Kreisen gab es laut Autokraft deutliche Einschränkungen. In Rendsburg-Eckernförde hätten die Fahrten größtenteils stattfinden können. Zwar waren in Kiel auch die von der Autokraft zusammen mit der KVG betriebenen Linien 500 und 900 betroffen. Doch laut Kieler Verkehrsgesellschaft hielten sich die Beeinträchtigungen im Rahmen.

 Schüler und andere Fahrgäste wurden von den Arbeitsniederlegungen erneut genauso überrascht wie die Busunternehmen, darunter als größtes die Bahn-Tochter Autokraft. Denn die Gewerkschaft kündigt – anders als die Lokführer- oder die Pilotengewerkschaft – die Warnstreiks nicht vorher an. „Diese besondere Härte für die Fahrgäste verursachen allerdings ausschließlich die Arbeitgeber des Omnibus Verbands Nord“, sagt Verdi-Fachbereichsleiter Gerhard Mette. Diese starten nämlich laut Mette bei vorzeitiger Bekanntgabe der Warnstreiks „massive Streikbrecheraktivitäten“. Und eine Vereinbarung über eine rechtzeitige Information über geplante Streiks durch Verdi bei gleichzeitigem „Verzicht auf Streikbruch“ durch den OVN sei an der Haltung der Arbeitgeber gescheitert.

 Die jedoch geben den Schwarzen Peter wieder an die Gewerkschaft zurück: „Wir sind aus Haftungsgründen verpflichtet, den Schaden so gering wie möglich zu halten“, sagte OVN-Geschäftsführer Joachim Schack. Sonst kämen die Aufgabenträger, das sind beispielsweise Kreise und Kommunen oder öffentliche Verkehrsunternehmen wie die KVG, auf die Busunternehmen mit Schadenersatzforderungen zu. Er kritisierte die Arbeitsniederlegungen als „völlig überflüssig und ungeeignet“. Sie kämen zur Unzeit. Denn die Busunternehmen im Lande seien derzeit massiv unter Druck; so würden derzeit einige Kreise und Städte darüber nachdenken, Buslinien zu streichen. Die Positionen von Gewerkschaft und Arbeitgebern liegen nach wie vor weit auseinander. Die Verdi-Forderung sei „nicht ansatzweise finanzierbar, weder durch die Aufgabenträger noch durch die Busunternehmen“, sagt Schack.

 Verdi fordert eine Angleichung der Tarife des privaten Busgewerbes an die Gehälter der öffentlichen Verkehrsunternehmen, rund 250 Euro im Monat mehr, umgerechnet ein Plus von etwa zwölf Prozent. „Wir sind sprachlos über solche Forderungen“, sagt Schack. Die Gewerkschaft vergleiche Äpfel mit Birnen. Denn die öffentlichen Verkehrsbetriebe könnten höhere Löhne zahlen, weil sie sich nicht im freien Wettbewerb behaupten müssten. Schack verwies darauf, dass die Gehälter bereits am 1. Januar um 3,5 Prozent erhöht worden seien und dass der OVN-Lohn der zweithöchste des privaten Busgewerbes in Deutschland sei. Verdi-Vertreter Gerhard Mette hält dem entgegen, dass Fahrer maximal auf ein Gehalt von 2300 Euro im Monat kämen. Dieser Verdienst sei keine Grundlage für ein Leben in Schleswig-Holstein. Viele würden daher versuchen, ihr Einkommen über Nachtzuschläge und Überstunden aufzubessern.

 Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 23. September geplant. Und bis dahin will Verdi „über weiter Warnstreikaktivitäten den Druck so erhöhen, dass eine Aussitzstrategie verhindert wird“.

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