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Kölln – viel mehr als nur Haferflocken

Christian von Boetticher ist der neue Chef Kölln – viel mehr als nur Haferflocken

Neueste Kreationen wie das Schoko-Banane-Müsli probiert der Kölln-Chef vor der Markteinführung selbst. Auch wenn sein Berufsalltag so versüßt wird, hat Christian von Boetticher ein schweres Amt vom verstorbenen Geschäftsführer Hans Heinrich Driftmann übernommen.

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Christian von Boetticher ist der neue Chef.

Quelle: Joachim Welding

Elmshorn. „In unserem Marktumfeld als Mittelständler unter Großkonzernen ist der Innovationsdruck gewaltig. Wir segeln immer hart am Wind“ sagt er. Wer die Leitung eines 196 Jahre alten Familienunternehmens übernimmt, dessen Produkte ungefähr so bekannt sind wie Schwartauer Konfitüre oder Beck’s Bier, trägt eine immense Verantwortung. „Kölln ist nach wie vor ein Familienunternehmen, in das drei Generationen eingebunden sind. Hier werden Werte wie Respekt für unsere Mitarbeiter und gesellschaftliche Verantwortung gelebt. In diesem Geist führe ich Kölln weiter“, sagt Christian von Boetticher, früherer schleswig-holsteinischer Landwirtschaftsminister (2005-2009) und CDU-Landeschef (bis 2011).

 Von seinem Vorgänger, der Unternehmer-Legende Hans Heinrich Driftmann, hat er im September 2015 die Leitung des 1820 gegründeten Lebensmittelherstellers übernommen und einen Zehn-Jahres-Vertrag als Geschäftsführer unterschrieben. Der 45-Jährige darf dies als Vertrauensvorschuss werten, da derartige Verträge üblicherweise auf drei bis fünf Jahre befristet sind. „In der Übergangsphase hat mich Hans Heinrich Driftmann begleitet, mir die Entscheidungen im Tagesgeschäft aber bereits voll überlassen“, sagt der Pinneberger. Driftmann, der das Unternehmen 28 Jahre lang geführt hatte und zuletzt den Aufsichtsrat leitete, starb am 26. April dieses Jahres an den Folgen einer Krebserkrankung.

 Den Kurs, den Driftmann bereits einige Jahre zuvor eingeleitet hatte, will von Boetticher weiterführen. Zwar ist Kölln mit Abstand Marktführer bei Haferflocken und zeitweise auch bei Müsli, doch die einseitige Abhängigkeit von schwankenden Rohstoffpreisen führte den Hersteller nach der Jahrtausendwende in eine wirtschaftliche Krise. Daraufhin setzte Driftmann auf neue Märkte, neue Produkte und neue Absatzkanäle. Kölln übernahm die Rechte an den Marken Livio, Biskin, Palmin und Becht’s Speiseöl sowie an Pomps Kindergrieß und Edelweiss Milchzucker. 2015 kaufte Kölln mit Mazola eine weitere renommierte Marke und führt seitdem den deutschen Markt für Speiseöle und -fette ebenso an wie den für Cerealien.

 „Auf Erfolgen wie den Mazola-Kauf werden wir uns nicht ausruhen. Der Lebensmittelmarkt ist hart umkämpft“, sagt von Boetticher. Das Unternehmen mit 361 Mitarbeitern und 33 Azubis erzielte 2015 einen Umsatz von 125 Millionen Euro (Vorjahr: 98 Millionen Euro). „Wir werden uns breiter aufstellen müssen. Und wir müssen uns laufend erneuern, indem wir innovative Produkte entwickeln und auch in neuen ausländischen Märkten erfolgreich sind“, erläutert von Boetticher seine Zukunftsstrategie. Zuletzt expandierte Kölln stark und sieht besonders Erfolge in Asien, aber auch im Nahen Osten. „Auch der Markteintritt in Griechenland ist ungeachtet der dortigen Wirtschaftskrise hervorragend gelaufen. Wir sind derzeit in 34 Ländern in Europa, Afrika und Asien aktiv und halten laufend Ausschau nach neuen Märkten.“

 Im Zuge der Expansionspläne sei es denkbar, dass das Familienunternehmen künftig von seinen Traditionen abweiche, sagt von Boetticher. „Bisher hat Kölln zum Wohle seiner Mitarbeiter sein Werk ausschließlich in Elmshorn erweitert. Um aber angesichts des harten Preiskampfs in Deutschland langfristig zu bestehen, überlegen wir, ob auch Investitionen, Beteiligungen oder Firmenzukäufe im Ausland sinnvoll sind.“ Hinzu komme, dass Kölln seine Produktpalette ständig ausweite, etwa mit dem „Müsli des Jahres“. „In der Branche gelten wir als Innovationsführer. Diesen Ruf werden wir Anfang 2017 mit einer völlig neuen Produktlinie bestätigen.“

 Der neue Kurs soll aber keinesfalls zu Lasten der Mitarbeiter gehen. „Unserem guten Ruf als verantwortungsbewusstes Familienunternehmen verdanken wir, dass wir keinen Fachkräftemangel spüren.“ Christian von Boetticher hält es ganz mit der Firmentradition: „Bei Kölln gab es seit der Weltwirtschaftskrise 1929 keine betriebsbedingten Entlassungen. Und das soll so bleiben.“

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