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Neue Hilfen für Arbeitslose

Millionenprogramm in Schleswig-Holstein Neue Hilfen für Arbeitslose

Die Bundesagentur für Arbeit startet in Schleswig-Holstein ein Millionenprogramm, um Dauerarbeitslose wieder in Lohn und Brot zu bringen. Das kündigte die Leiterin der Regionaldirektion Nord, Margit Haupt-Koopmann, mit Blick auf die jüngsten Arbeitsmarktzahlen an.

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Die Wirtschaft brummt, doch im Norden sind trotzdem noch 98000 Schleswig-Holsteiner dauerhaft ohne Job.

Quelle: Julian Stratenschulte

Kiel. Demnach gibt es immer mehr Dauerarbeitslose, obwohl die Wirtschaft brummt und im April nur noch knapp 98000 Schleswig-Holsteiner ohne Job waren. Das ist der beste Wert seit mehr als zwang Jahren.

„Mehr als ein Drittel der Erwerbslosen in Schleswig-Holstein ist bereits langzeitarbeitslos“, mahnt Haupt-Koopmann. Betroffen seien insbesondere ältere Menschen, Ausländer, Alleinerziehende und Schwerbehinderte. Sie fassten auf dem Arbeitsmarkt nur schwer Fuß. So konnten die Agenturen zwar 2014 rund 7000 Langzeitarbeitslose auf dem ersten Arbeitsmarkt unterbringen. Die Hälfte von ihnen steht aber nach nur einem Jahr wieder vor der Tür der Arbeitsagentur, weil es mehr oder minder große Probleme im neuen Job gibt.

Genau hier soll ein neuartiges Förderprogramm ansetzen. „Wir setzen auf Coaches“, sagt Haupt-Koopmann. Die Fachleute sollen ehemaligen Langzeitarbeitslosen im neuen Job zur Seite stehen und bei Problemen auch die Betriebe beraten. Die Arbeitsagentur will in den nächsten drei Jahren auf diesem Weg 800 Dauerarbeitslose in Beschäftigung bringen. Betreut werden sie von landesweit 53 Coaches. Die Betriebe erhalten wie bisher Lohnzuschüsse von bis zu 75 Prozent. Die Gesamtkosten bezifferte Haupt-Koopmann auf 29 Millionen Euro.

Die Landesregierung hat mehr als ein Dutzend flankierende Millionenprogramme gestartet. Sie würden teils aus EU-Mitteln bezahlt und richteten sich an sehr unterschiedliche Zielgruppen, berichtet Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Mal gehe es um Deutschkurse für Analphabeten, mal um Qualifizierungsmaßnahmen für das Hotel- und Gaststättengewerbe. Haupt-Koopmann kann sich derweil auch vorstellen, dass gerade öffentliche Unternehmen einst wegrationalisierte Einfach-Jobs wie etwa Pförtnerdienste neu einrichten und Dauerarbeitslosen so eine Perspektive geben.

Jenseits des Problemklientels bleibt der Arbeitsmarkt auf Erfolgskurs. Anfang 2015 waren in Schleswig-Holstein bereits mehr 893000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 14500 mehr als ein Jahr zuvor. Minister Meyer geht davon aus, dass im laufenden Jahr die Grenze von 900000 Jobs überschritten wird. Die Arbeitslosigkeit ging unterdessen deutlich zurück. Mit 97962 Erwerbslosen registrierte die Agentur im April 3900 Joblose weniger als ein Jahr zuvor und eine Arbeitslosenquote von landesweit 6,6 Prozent. Zum Vergleich: In der Boomstadt Hamburg sind es 7,6, in Mecklenburg-Vorpommern sogar 10,6 Prozent.

 In Schleswig-Holstein gibt es allerdings starke regionale Unterschiede. Unter den kreisfreien Städten hat Kiel die beste Bilanz (9,8 Prozent), gefolgt von Lübeck (10,1) und Flensburg (10,4). Die rote Laterne behält Neumünster (10,6). Bei den Kreisen hat Stormarn (3,9 Prozent) die Nase vorn. Auch Segeberg (4,9), Rendsburg-Eckernförde (5,4) und Plön (5,6) schneiden vergleichsweise gut ab. Schlusslicht ist Dithmarschen (7,2).

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent