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Die Kieler Krisenmanager

Corrente AG Die Kieler Krisenmanager

Was haben der Abfallwirtschaftsbetrieb München, Google Deutschland und der Kieler Motorenbauer Caterpillar gemeinsam? Diese drei Unternehmen setzen wie bundesweit rund 200 weitere auf die Kieler Corrente AG, wenn es darum geht, Mitarbeitern in persönlichen oder beruflichen Nöten zu helfen.

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Sie bieten schnelle Hilfe in allen Lebenslagen: Juliane Barth (rechts) und ihre Kundenbetreuerin Sabine Zimmermann.

Quelle: Metschies

Kiel. Dazu zählen Eheprobleme, Depressionen, Alkoholsucht, Geldsorgen oder Stress mit dem Chef. Mit einem bundesweiten Netz von etwa 500 freiberuflichen Beratern und 40 eigenen Mitarbeitern am Standort Kiel zählt Corrente, vor 15 Jahren als Pionier in Deutschland gestartet, heute zu den größten Anbietern sogenannter Employee Assistance Programme (EAP), einer Dienstleistung, die ursprünglich aus den USA stammt, mittlerweile aber auch hierzulande ein Wachstumsmarkt ist.

Probleme werden oft im Erstgespräch gelöst

Entstanden ist die Idee aus der Erkenntnis, dass Arbeitgeber oftmals schlicht überfordert sind, wenn es darum geht, Mitarbeitern in familiären oder gesundheitlichen Krisen oder auch bei Konflikten am Arbeitsplatz schnell Unterstützung zukommen zulassen. Das Thema ist hochgradig brisant, denn geht es den Arbeitgeber überhaupt etwas an, wenn ein Mitarbeiter Beziehungssorgen hat oder mehr trinkt, als ihm guttun würde? „Es geht ihn etwas an, wenn der Kollege wegen seiner Probleme weniger leistungsfähig ist, häufig ausfällt oder zu spät kommt“, sagt die Corrente-Vorstandsvorsitzende und Gesellschafterin Juliane Barth (57). Vor 15 Jahren hatte die Diplom-Pädagogin das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Mann Jan Boshuizen gegründet. Heute zählen die Kieler nach eigenen Angaben zu den drei größten EAP-Anbietern bundesweit.

Mitarbeiter von Corrente-Kunden können sich bei Problemen und Sorgen jeglicher Art rund um die Uhr kostenlos und vertraulich an Berater wenden – Sozialpädagogen, Psychologen oder Pädagogen mit Hochschulabschluss und Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen. „Oftmals gelingt es, die Probleme bereits im Erstgespräch zu lösen oder soweit zu strukturieren, dass die Betroffenen sich selbst helfen können“, sagt Juliane Barth. Hat die Not komplexere Ursachen, vermittelt Corrente den Kontakt zu freiberuflichen externen Beratern und Trainern, die dann intensiver mit den Betroffenen an einer Lösung arbeiten, bis hin zur Hilfe bei der Wahl eines Psychotherapeuten. Damit die Dinge nicht im Sande verlaufen, begleiten zertifizierte Fallmanager jeden Beratungsprozess von Anfang bis Ende.

Die Nachfrage steigt stetig

Und die Nachfrage? Die entwickelt sich stetig nach oben. Aktuell arbeitet Corrente für mehr als 200 Unternehmen mit deutschlandweit rund 200000 Mitarbeitern. Vor sechs Jahren registrierte das Unternehmen rund 80 Erstgespräche im Monat, aktuell sind es deutlich mehr als doppelt so viele. „Der Bedarf und die Bereitschaft von Arbeitgebern, die Unterstützung ihrer Mitarbeiter einem Spezialisten anzuvertrauen, wird stetig größer“, sagt die Vorstandschefin. Die Top-Themen unter den Problemen sind Trennungssituationen, Erkrankungen, Erziehungsstress, Überforderung (zunehmend auch durch einen Pflegefall in der Familie ), aber natürlich auch Konflikte am Arbeitsplatz. Hier jedoch mischt sich Corrente nicht direkt ein, ergreift auch nicht Partei, sondern zeigt Wege auf, zwischenmenschliche Probleme unter anderem durch eine offene und deeskalierende Kommunikation zu entschärfen.

Beratend steht das Unternehmen aber nicht nur den „Indianern“ unter den Mitarbeitern seiner Kunden zur Seite, sondern auch den „Häuptlingen“. Denn nicht selten sind Führungskräfte komplett überfordert, wenn sie feststellen, dass ein Kollege zum Beispiel regelmäßig mit einer Fahne ins Büro kommt oder aus unerfindlichen Gründen aus der Haut fährt. „Hier nicht zu handeln“, sagt Juliane Barth, „schafft immer neue Probleme und schadet letztlich auch der Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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