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Costa-Gruppe überwacht von Hamburg aus

Kreuzfahrtschiffe Costa-Gruppe überwacht von Hamburg aus

Die Sicherheit bei Kreuzfahrten war nach dem Unglück der „Costa Concordia“ 2012 im Mittelmeer ein umstrittenes Thema. Müssen Standards an Bord und im Betrieb verbessert werden? Mit einer neuen nautischen Zentrale wollen die Costa-Reedereien Maßstäbe setzen.

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Mit einer neuen nautischen Zentrale wollen die Costa-Reedereien Maßstäbe setzen.

Quelle: Frank Behling

Hamburg. Wie macht ein Reeder ein Schiff sicherer? Neue Radargeräte, Computer und moderne Motoren? Der „Costa Concordia“ hat das nicht geholfen. Sie war bestens ausgerüstet und trotzdem kam es am 13. Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio zur Katastrophe. Die hatte jedoch menschliche Ursachen. Um Besatzungen enger zu überwachen und zu beraten, hat die weltweit größte Kreuzfahrtreederei Carnival in Hamburg ein „Fleet Operation Center“ eröffnet. Bis zu 160 Mitarbeiter sind rund um die Uhr damit beschäftigt, die 25 Schiffe der Carnival-Marken Costa und Aida auf allen Weltmeeren zu beraten.

Wie so etwas aussieht, konnte am Mittwoch die Besatzung der „Aidamar“ erleben. Das Aida-Schiff hat die Saison auf der Ostsee beendet und ist vor Grönland auf dem Weg in die Karibik. Südlich von Grönland bildet sich gerade ein Unwetter. „Wo es rot wird, wird es für ein Kreuzfahrtschiff nicht angenehm“, sagt Jørgen Strandberg. Der Schwede ist der Leiter Lagezentrum und zeigt auf den Großbildschirm, auf dem die Wetterlage über dem Atlantik abgebildet wird. Stürme kann die 2012 bei Meyer gebaute „Aidamar“ abwettern, sie ist stabil. Die Passagiere aber weniger, die wollen einen entspannten Urlaub erleben – und keine Probleme, sich an Deck auf den Beinen zu halten. „Deshalb bieten wir dem Kapitän jetzt vier Alternativ-Routen an“, sagt Strandberg. Die Entscheidung über die Wahl der Route liegt aber noch beim Kapitän. „Wir beraten ihn nur dabei. Er trägt die Verantwortung und er fällt auch weiterhin die Entscheidung.“

Weil Skandinavier inzwischen fast ein Synonym für sichere Seefahrt sind, ist der Chef von Carnival Maritime ein Norweger. Jens Lassen aus der Nähe von Oslo leitet das Überwachungszentrum. Er hat 35 Jahre Erfahrung. Auf Knopfdruck kann auch er alle wichtigen Daten der Schiffe auf den Bildschirm holen. „An Bord eines Schiffes gibt es rund 40.000 Informationen, die für uns abrufbar sind“, sagt Kollege Strandberg. Vom Radarbild über die Raumtemperatur in der Disco oder den Türkontakten zum Maschinenraum ist alles sichtbar. Ziel ist nicht die lückenlose Überwachung der Besatzungen, sondern mehr Sicherheit. Costa-Vorstandschef Michael Thamm hat die Flotte im Juli 2012 übernommen – sieben Monate, nachdem die „Costa Concordia“ auf Felsen gelaufen und gekentert war. „Es war meine erste Aufgabe sicherzustellen, dass so etwas nie wieder passiert. Es fahren jetzt gerade 80.000 Menschen mit unseren Schiffen“, sagt Thamm.

Hamburg sei als FOC-Standort gewählt worden, weil sich dort das beste maritime Kompetenzzentrum Europas befindet. Partner ist die Lufthansa. „Die Luftfahrt ist für uns auch ein Vorbild“, sagt Lassen. Die Costa-Gruppe hat mit den 160 Mitarbeitern von Carnival Maritime jetzt insgesamt 800 Mitarbeiter am Standort Hamburg.

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