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Frauen tragen doppelte Last

DAK-Gesundheitsreport 2016 Frauen tragen doppelte Last

Kommt ein Mann zum Arzt – viele Witze beginnen auf diese Weise. Dass die Pointe bereits im Satzanfang steckt, zeigt nun der DAK-Gesundheitsreport 2016 für Schleswig-Holstein, der am Dienstag vorgestellt wurde. Demnach gehen Männer im Jahr nur vier Mal zum Arzt, Frauen kommen auf sieben Arztbesuche.

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Stress am Arbeitsplatz, Stress zu Hause: Im Vergleich zu den Männern fehlten Frauen im vergangenen Jahr um 92 Prozent häufiger aufgrund von psychischen Erkrankungen.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Kiel. Dazu wertete das Forschungsinstitut IGES aus Berlin die letztjährigen Krankheitsdaten von knapp 118 000 DAK-Versicherten aus. Das zentrale Ergebnis: Frauen fehlten in Schleswig-Holstein 2015 häufiger im Job als Männer. Ihr Krankenstand war im vergangenen Jahr um 23 Prozent höher. „Damit ist der viel zitierte kleine Unterschied größer als gedacht“, sagte Regina Schulz, Landeschefin der DAK-Gesundheit in Schleswig-Holstein. „Es ist allerdings ein Unterschied, den wir seit Jahren konstant beobachten“, ergänzte Jörg Marschall, wissenschaftlicher Mitarbeiter des IGES Instituts.

Dieser Unterschied zeige sich branchenübergreifend, sagte Marschall, der auch Einflussfaktoren wie die Vertragsform oder das Alter der Erwerbstätigen in der Studie berücksichtigte. „Egal, welchen Filter wir anlegen, haben die Frauen einen höheren Krankenstand. Es hat sich gezeigt, dass das Geschlecht ein unabhängiger und starker Einflussfaktor ist“, erklärte Marschall. Ob ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Arztbesuche und den Fehltagen im Beruf bestand, untersuchten die Forscher nicht. Fehltage durch Mutterschutz und Elternzeit wurden in der Studie ebenfalls nicht berücksichtigt. Allerdings erklärten Schwangerschaftskomplikationen, zum Beispiel auftretende Übelkeit, acht Prozent des Unterschiedes beim Krankenstand von Frauen und Männern.

Psychische Erkrankungen als Hauptgrund

Zudem zeige die Studie, dass Frauen und Männer von ganz unterschiedlichen Krankheitsprofilen betroffen seien, erläuterte Schulz. Die mit Abstand meisten Fehltage häuften Frauen im vergangenen Jahr demnach aufgrund von psychischen Erkrankungen an. Im Vergleich zu den Männern fehlten sie um 92 Prozent häufiger durch Krankheiten wie Depressionen. „Ich denke, hier zeigt sich die Doppelbelastung der Frauen und das Problem der Vereinbarung von Familie und Beruf“, sagte die DAK-Landeschefin, die von einem gesellschaftlichen Problem sprach.

Männer hingegen hatten im Vergleich besonders mit Herz-Kreislauf-Problemen zu kämpfen und fehlten aufgrund dieser 83 Prozent häufiger als die weiblichen Kolleginnen. „Diese Zahl überrascht mich nicht“, sagte Prof. Norbert Frey vom Universitätsklinikum Kiel. So ergab die Studie, dass die koronare Herzkrankheit bei Männern bereits im Erwerbsalter eine große Rolle spielt. „Bei den Frauen tritt diese Problematik erst später verstärkt auf“, erklärte Frey.

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Ein Artikel von
Florian Sötje
Volontär

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Frauen in Schleswig-Holstein geht es schlechter als den Männern. Das ist eine bittere Erkenntnis des DAK-Gesundheitsreports 2016. Frauen fehlen öfter und länger im Job und konsultieren häufiger einen Arzt als ihre männlichen Kollegen.

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