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Molkereien planen Fusion

DMK + DOC Kaas Molkereien planen Fusion

Das größte Molkereiunternehmen Deutschlands, das Deutsche Milchkontor (DMK), plant die Fusion mit einem großen niederländischen Milchverarbeiter, DOC Kaas. Sie soll in diesen Tagen bei der Wettbewerbsbehörde der EU-Kommission angemeldet werden, teilte DMK-Geschäftsführer Josef Schwaiger mit.

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Milchanlieferung: Milram ist eine der DMK-Marken.

Quelle: hfr

Nordhackstedt/Bremen. Der Bauernverband Schleswig-Holstein hält diesen Schritt jedoch für verfrüht. Die Pläne sind für die schleswig-holsteinische Landwirtschaft von großer Bedeutung. DMK (unter anderem mit den Marken Milram und Humana) hat seinen Verwaltungssitz in Bremen und betreibt insgesamt 26 Standorte, darunter das Käsewerk in Nordhackstedt (bei Flensburg) und das Werk in Hohenwestedt, wo überwiegend Frischeprodukte wie Joghurt und Milch hergestellt werden. Von den insgesamt knapp 9000 Milcherzeugern, die ihre Milch an DMK abliefern, kommt ein großer Teil aus Schleswig-Holstein.

 Die geplante Fusion ist bereits der zweite Anlauf der Unternehmen. Beide sind genossenschaftlich strukturiert, also im Besitz der Landwirte. Im Jahr 2011 hatten die niederländischen Landwirte den Zusammenschluss abgelehnt. Sie fühlten sich damals, so Schwaiger kürzlich in einem Interview mit dem Informationsdienst „Top Agrar“, von dem Plan „überrumpelt“, der Informationsfluss sei schlecht gewesen. Und offenbar war die Unsicherheit im Nachbarland groß. Denn in Deutschland war DMK gerade erst aus der Fusion von Nordmilch und Humana hervorgegangen. Doch jetzt haben sich die Mitglieder beider Genossenschaften für die Fusion ausgesprochen. Der Plan sieht vor, dass DOC Kaas als Genossenschaft bestehen bleiben soll und eine Tochtergesellschaft von DMK wird. Die Niederländer sollen dafür im Gegenzug DMK-Anteile erhalten und so ein Mitspracherecht im neuen Unternehmen haben.

 DMK verarbeitet knapp sieben Milliarden Kilogramm Milch pro Jahr und ist damit deutlich größer als DOC Kaas (eine Milliarde Kilo). Von einer Fusion würden beide Seiten profitieren, sagt Schwaiger. So verfüge DOC über ein hochmodernes Käsewerk.„Es ist der Maybach unter den Käsewerken“, hatte er „Top Agrar“ gesagt. Es sei aber nicht ausgelastet. DMK hingegen habe bei Käse keine Verarbeitungskapazitäten mehr frei, könne daher die Anlagen in Hoogeveen mit nutzen und müsse nicht in eine Erweiterung investieren.

 Die Niederländer leiden besonders unter dem Importstopp für europäische Produkte durch Russland. DMK ist zwar mit einem Umsatz von 5,3 Milliarden Euro einer der großen europäischen Milchkonzerne. Allerdings liegt das Unternehmen beim Milchgeld, das an die Landwirte gezahlt wird, mit zuletzt 25 Cent je Kilogramm am unteren Ende der deutschen Molkereien. Viele zahlen trotz derzeitiger Milchkrise zwischen zwei und fünf Cent mehr. Schwaiger begründet das damit, dass DMK in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen vorgenommen habe. Doch diese Sonderlasten würden nun wegfallen.

 „Es ist der falsche Zeitpunkt für eine Fusion“, sagt Peter Lüschow, Landwirt und Vorsitzender des Ausschusses Vieh und Fleisch beim Bauernverband Schleswig-Holstein. Denn die Erfahrung zeige, dass jede Fusion zunächst einmal Geld koste und sich erst langfristig auszahle. „Es wäre daher gut, wenn man diesen Plan etwas aufschieben könnte“, sagt er. Grundsätzlich jedoch begrüßt er die Pläne. „Wir brauchen neben kleinen spezialisierten und mittelgroßen Meiereien auch große und schlagkräftige Einheiten, um dem Handel Paroli bieten zu können“, so Lüschow.

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