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Damp: Streit hinterlässt wohl Spuren

Einigung im Tarifkonflikt Damp: Streit hinterlässt wohl Spuren

Monatelanger Arbeitskampf, Massenentlassungen, Gewerkschafter und Politiker auf den Zinnen: Selten wurde ein Tarifkonflikt mit so harten Bandagen ausgetragen wie der um die Damp-Kliniken. Jetzt gibt es eine Lösung, aber der Streit hinterlässt wohl Spuren.

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Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske spricht am Samstag (30.06.2012) in Kiel bei einer Kundgebung gegen die Kündigungen bei den Krankenhäusern der zum Konzern Helios gehörenden Damp-Gruppe.

Quelle: dpa

Berlin/Kiel. Der Einstieg der Fresenius-Tochter Helios - benannt nach dem griechischen Sonnengott — bei der norddeutschen Klinikgruppe Damp stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Noch vor der Mehrheitsübernahme im März reagierte die Gewerkschaft Verdi mit Warnstreiks auf die Weigerung von Helios, während der Übergangsphase Tarifverhandlungen zu führen.

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Transparent beim Streik der Beschäftigten der Damp-Einrichtungen in Stralsund am Freitag (29.06.2012) vor dem Haus der Gewerkschaften in Stralsund. Nach den Kündigungen bei der Zentralen Service-Gesellschaft (ZSG) bei den ehemaligen Damp-Kliniken werden e

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Das Ganze schaukelte sich immer höher: Weitere Warnstreiks folgten, dann Streiks, Demonstrationen und ein Tabubruch, wie es am Mittwoch in Kiel Verdi-Verhandlungsführer Oliver Dilcher wenige Stunden nach dem Ende des zähen Tarifkonflikt nannte. Der „Tabubruch“ war die Kündigung von 1000 Mitarbeitern der zur Damp-Gruppe gehörenden Zentralen Service- Gesellschaft (ZSG), die bisher für Kliniken und Einrichtungen Reinigung, Transport, Essen und andere Dienstleistungen erledigt hatte.

Ein Sturm der Entrüstung folgte, die Landesregierung in Kiel um Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) griff ein, sogar SPD-Chef Sigmar Gabriel meldete sich, „frühkapitalistische Verhältnisse“ sah der Landesvorsitzende der Sozialdemokraten im Norden, Ralf Stegner. Selbst der Helios-Regionalgeschäftsführer Nord-West, Jörg Reschke, sprach am Mittwoch von „berechtigter Aufregung“ und räumte die Einmaligkeit des Vorgangs ein. „Das haben wir noch nie so gemacht“, sagte Reschke. „Das ist uns nicht leichtgefallen.“ Helios habe so gehandelt, weil infolge des Streiks die ZSG keine Arbeit mehr gehabt hätte. Dass die Service-Gesellschaft wegen ihrer breiten Struktur nicht wirtschaftlich sei und deshalb so nicht fortgeführt werden könne, habe Helios immer gesagt.

In einer eher unangenehmen Gemengelage aus politischem Druck, schlechter Presse und wirtschaftlichen Belastungen — infolge des Arbeitskampfes schickten Kassen weniger Patienten und fielen Operationen aus — einigte sich Helios mit den Gewerkschaften in der Nacht zum Mittwoch schließlich in dem emotionsbeladenen Konflikt. Die Mitarbeiter der Kliniken und Einrichtungen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern bekommen analog zu den Beschäftigten im öffentlichen Dienst mehr Geld, und das Wichtigste: Die Kündigungen der ZSG-Mitarbeiter werden zurückgenommen. „1000 Menschen sind sehr glücklich“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Dilcher. „Wir haben hier einen extrem harten Arbeitskampf gehabt.“

Darin ging es immerhin um 5600 Beschäftigte einer Klinikgruppe, die in den drei Ländern 18 Standorte hat und mit Helios den größten deutschen Klinikverbund bildet. Jahresumsatz: mehr als drei Milliarden Euro. Von den 1000 zunächst gekündigten ZSG-Beschäftigten können 800 hoffen, bei neuen Dienstleistern unterzukommen, 200 kann für die nächsten eineinhalb Jahre eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft aufnehmen. Von den 1000 soll niemand in dieser Zeit mit weniger Geld nach Hause gehen als bisher.

In den Verhandlungen stand es noch am Montag Spitz auf Knopf, wie Verdi-Verhandlungsführer Dilcher berichtete. Über den Abschluss in der Nacht zum Mittwoch zeigte er sich ausgesprochen zufrieden, trotz aller Härte in der Auseinandersetzung habe letztlich das „System“ doch funktioniert. Auch Helios-Geschäftsführer Reschke räumte ein: „Es waren Tarifauseinandersetzungen, die wir als Unternehmen und ich persönlich in dieser Vehemenz noch nicht erlebt haben.“ Helios hätte den Konflikt zwar noch lange durchhalten können. Aber alle Beteiligten hätten letztlich erkannt, „dass wir alle eine Lösung brauchen“.

Nun wollen beide Seiten nach vorne schauen. „Jetzt geht es darum, sich wieder zu vertragen“, sagte Dilcher. Er hofft, dass der zähe Streit keinen nachhaltigen Schaden bewirkt hat. Nach seinem Eindruck werde der Streik keine Narben hinterlassen, sagte Reschke. Eine gute Nachricht hatte Dilcher am Mittwoch aber in jedem Fall: „Ab morgen wird normal gearbeitet.“

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86 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder stimmten für den Streik.

Noch kein Ergebnis im Damp-Konflikt: Die am Montag wieder aufgenommenen Gespräche zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Helios Kliniken GmbH sind in der Nacht zu Dienstag in Berlin unterbrochen worden.

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