25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Das große Blöken in Husum

Schafbockauktion Das große Blöken in Husum

Einmal im Jahr herrscht in Husum an der Nordsee Ausnahmezustand. Dann lädt der Landesverband der Schaf- und Ziegenzüchter zum Bockmarkt in die Messehalle ein. An vier Tagen werden insgesamt rund 700 Böcke und Schafe von 85 Züchtern aus Schleswig-Holstein prämiert und versteigert. Die Auktion ist die größte ihrer Art in ganz Deutschland.

Voriger Artikel
Mit dem Baurecht gegen Massentierhaltung?
Nächster Artikel
Rapssaat im Norden frei von Gentechnik

Ein Blick für Schafe: Reimer Dreeßen, Außendeichschäfer aus Friedrichskoog, kommt jedes Jahr zu der Auktion. „Schafe sind wichtig für die Deichbefestigung. Sie haben den goldenen Tritt“, sagt er.

Quelle: Michael Kaniecki

Husum. Schon früh am Morgen brummt es auf dem Messegelände in Husum. Ein Schafzüchter nach dem anderen fährt vor und lädt seine Schafe ab. Mit dabei ist auch Dörte Peters aus Tating. Die junge Züchtersfrau hat 35 Tiere am Start. Vier Autos mit Anhänger sind dazu nötig. Freunde und Bekannte helfen mit. „Das hier ist die einzige Chance im Jahr, die Tiere zu verkaufen“, sagt sie und schiebt einen ihrer Böcke vorwärts. Lammfromm reiht er sich schließlich unter den unzähligen anderen ein, die schon in der Halle von den potenziellen Kunden begutachtet werden. Nur ab und zu ertönt ein knappes Blöken. Noch ist die Luft frisch und rein, auch wenn der ein oder andere Kötel schon auf dem Hallenboden landet.

 Mit dem Katalog in der Hand geht Thorben Klinck (32) die Reihen der Schafe ab. Heute wird ausschließlich die Rasse Texel versteigert, die größte Rasse in Schleswig-Holstein. Der Hufschmied und Hobbyschäfer aus Epenwöhrden (Dithmarschen) hat bereits rund 20 eigene Tiere. „Vielleicht kaufe ich mir heute noch einen neuen Bock“, sagt er und studiert die Herkunft der angebotenen Schafe, ob sie Zwillinge sind und wie viel sie täglich an Gewicht zugelegt haben. „Schon als Kind bin ich mit Schafen aufgewachsen“, sagt er und fügt hinzu. „Es gibt nichts Schöneres, als im Frühling die Lämmer herumspringen zu sehen.“

 147 Tiere stehen an diesem Tag zum Verkauf, darunter nur 20 weibliche. Schließlich sind wir hier ja auf dem Bockmarkt. „Die Qualität und Auswahl ist hier in Schleswig-Holstein einzigartig“, sagt Janine Bruser (39), Geschäftsführerin des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter. „Hier ist das Who’s Who der Schafszene.“ Schon Wochen vorher sind sie und ihre Kollegen im Land umhergefahren und haben die besten Tiere für die Auktion ausgewählt. Schnell liefert sie noch ein paar Zahlen: Ein Bock deckt im Schnitt 50 Mutterschafe. Eine Schafherde besteht aus rund 800 Tieren. Rund acht bis neun Jahre hat ein männliches Tier eine gute Deckleistung. Pro Bock verdienen die Züchter rund 400 bis 500 Euro. Nur der Hobbyzüchter Hans-Albert Andresen aus Westbargum (Nordfriesland) schoss im Jahr 2010 den Vogel ab. Für seinen Bock „Phantom“ bekam er 4050 Euro. „Das Tier war sensationell“, schwärmt er noch heute und fügt schmunzelnd hinzu. „Ein Foto von ihm hängt noch immer bei uns im Stall, und jedes Jahr zu Weihnachten bekomme ich ein Geschenk von dem Käufer aus Bayern.“

 Am Rande der Auktion verkauft die Landschlachterei Burmeister aus Viöl Lammbraten. Händler bieten Nuckelflaschen, Schäferstöcke, Futterraufen und sogar Stempelkissen an. Züchterin Dörte Peters: „Damit errechnen wir den Geburtstermin“, sagt sie. „Wir fangen immer mit einer hellen Farbe an und binden das Kissen dem Bock vorne auf die Brust. Bespringt er das Muttertier, hinterlässt er die Farbe am Fell. Alle 16 Tage wechseln wir die Farbe. Der Bock riecht, wenn ein Schaf nicht tragend ist, und springt erneut auf.“ Außendeichschäfer Reimer Dreeßen (79) aus Friedrichskoog schlendert vorbei. Zusammen mit seinem Sohn Gerd hat er 1000 Mutterschafe und sucht einen neuen Bock. „Hier ist es immer interessant. Vor allem das Schnacken ist für mich als Rentner wichtig.“ Janine Bruser vom Landesverband grinst: „Das Drumherum gehört einfach dazu – dafür reicht kein Chatroom. Nur hier erfährt man Neuigkeiten aus der Szene, sieht, wie die Kollegen es machen.“ Im Hintergrund sahnt Dörte Peters gerade drei Siegerpreise bei der Prämierung ab. Dann erklimmt Karl-Dieter Fischer mit seinem Hammer auch schon das Auktionatorpult. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Immer mehr Böcke finden einen neuen Besitzer. Ein Schaf im Internet zu kaufen, ist für alle Anwesenden undenkbar. Janine Bruser: „Bevor man mit einem Handschlag das Geschäft abschließt, muss man mit allen seinen Sinnen das Schaf erfassen, seine Energie und den Charakter erspüren. Wie soll das im Internet gehen?“ Die Schafbockauktion läuft noch bis Sonnabend.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3