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Erdgas-Fahrer gehen in Kiel leer aus

Defekte Säule Erdgas-Fahrer gehen in Kiel leer aus

Seit vielen Jahren betankt der Kieler Taxi-Unternehmer Rüdiger Netz sein Fahrzeug mit Erdgas. „Dadurch habe ich viel Geld sparen können“, sagt der 61-Jährige. Doch in letzter Zeit fallen immer wieder einmal die wenigen Zapfsäulen in Kiel und im Umkreis aus. „So kann ich nicht kalkulieren, ich brauche Versorgungssicherheit“, sagt Netz.

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Taxiunternehmer Rüdiger Netz ist sauer: Weil die einzige Erdgastankstelle in Kiel schon seit Wochen defekt ist, muss der 61-Jährige nun zum Tanken nach Neumünster oder Eckernförde ausweichen.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel/Eckernförde. 38 Jahre ist Netz Taxifahrer, seit 13 Jahren setzt er auf das komprimierte CNG (Compressed Natural Gas) – „auch aus ökologischen Gründen, weil mein Fahrzeug so viel weniger Schadstoffe ausstößt“. Als „Trauerspiel für Kiel“ bezeichnet er aber die Versorgungssituation mit nur einer Erdgas-Tankstelle, die von den Stadtwerken Kiel betrieben wird. „Das ist viel zu wenig für eine Landeshauptstadt“, sagt er.

Eine weitere Anlage sei für die Stadtwerke Kiel „wirtschaftlich nicht darstellbar“, sagt Sprecher Sönke Schuster. Seit 2006 betreibt das Unternehmen eine Erdgas-Zapfsäule bei der bft-Tankstelle Anton Willer an der Gutenbergstraße, die bereits im Oktober kurzfristig ausgefallen war und derzeit ebenfalls außer Betrieb ist. „Wir arbeiten mit Hochdruck dran, die Anlage schnellstmöglich wieder zur Verfügung stellen zu können“, sagt Schuster.

Reparatur wohl erst im späten Februar

Grund sei dieses Mal ein defekter Kolbenverdichter, das Herzstück der Anlage. Voraussichtlich sei der Schaden erst in der zweiten Februarhälfte behoben. „Wir legen als Energieversorger vor Ort besonderen Wert auf Ökologie und Nachhaltigkeit. Allerdings hat die Nachfrage durch Erdgasfahrzeuge seit einigen Jahren an Fahrt verloren“, sagt Schuster. Dennoch bleibe die Erdgastankstelle weiter ein fester Bestandteil, um zusammen mit Ladesäulen für Elektrofahrzeugen auch im Bereich der Mobilität den Klima- und Umweltschutz zu fördern, betont Schuster.

Eine Anlage betreiben auch die Stadtwerke Eckernförde, eine zweite könnte eventuell folgen: „Die Auslastung hat zwar zugenommen, eine weitere Investition in Höhe von etwa 250000 Euro muss sich aber rechnen“, sagt Geschäftsführer Dietmar Steffens. Er glaubt: „Die Politik hat das Thema Erdgasmobilität vergessen.“ Steffens hält die Technik für ausgereift und zukunftsfähig, die Stadtwerke bieten ihren Kunden deswegen auch ein Jahr kostenloses Tanken bei Kauf eines mit Erdgas betriebenen Fahrzeuges an.

Sigmar Gabriel unterstützt Erdgas

Unterdessen will sich das Bundeswirtschaftsministerium dafür einsetzen, dass die Energiesteuerermäßigung von Erdgas als Kraftstoff über 2018 hinaus verlängert wird. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte auch zu, das im Aktionsprogramm „Klimaschutz 2020“ aufgenommene Förderprogramm zur Markteinführung von energieeffizienten Nutzfahrzeugen in Angriff zu nehmen. Es soll eine hinreichend lange Laufzeit und ein ausreichendes Förderbudget haben, sagte der Minister beim jüngsten Branchendialog mit der Fahrzeugindustrie.

Mit Erdgas betriebene Fahrzeuge sollen nach Vorstellung von Gabriel bis 2020 auf einen Anteil von vier Prozent kommen, das wäre eine Verzehnfachung des Erdgasfahrzeugbestands auf deutschen Straßen. Dementsprechend sei der zügige europaweite Aufbau einer Tankstelleninfrastruktur, zu der sich auch Deutschland im Rahmen der „Clean Power for Transport“-Initiative verpflichtet hat, notwendig. Die deutsche Automobilindustrie werde weitere attraktive Fahrzeugmodelle mit Erdgasantrieb auf den Markt bringen, versprach Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie.

Skepsis im täglichen Einsatz

Lob gab es dafür von Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas: „Wir begrüßen sehr, dass sich sowohl das Bundeswirtschaftsministerium als auch die Automobilindustrie für mehr Erdgas im Straßenverkehr einsetzen.“ Schließlich stelle der umweltfreundliche Kraftstoff eine etablierte Alternative zu konventionellen Antrieben dar und könne einen erheblichen Beitrag zum Erreichen der ambitionierten Klimaschutzziele der Bundesregierung leisten.

Taxiunternehmer Rüdiger Netz mag daran kaum glauben: „Wenn jetzt nicht schnell das Tankstellennetz für Erdgas ausgebaut wird, muss ich mir wieder einen Diesel kaufen.“

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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An der Erdgas-Zapfsäule bei der bft-Tankstelle Anton Willer kann bis auf weiteres nicht getankt werden. Hintergrund ist ein Motorschaden in der Kompressoranlage auf dem Gelände an der Gutenbergstraße.

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