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Die Zinswende ist eingeleitet

Geldanlage Die Zinswende ist eingeleitet

Gute Nachrichten für Sparer, schlechte für Immobilienkäufer: Nach annähernd siebenjähriger Nullzinsphase hat die Zinswende begonnen. Diese Überzeugung vertritt die zur Sparkassengruppe gehörende Deka Bank mit Sitz in Frankfurt.

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Bis steigende Zinsen bei den Verbrauchern ankommen, wird es noch dauern, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank (links), hier im Gespräch mit Götz Bormann, Vorstandschef der Förde Sparkasse. 

Quelle: Olaf Herrmann

Kiel.. Das Ende der Nullzinswelt ist da, doch bis die Folgen von den Verbrauchern zu spüren sind , wird es noch dauern  „Wenn wir in fünf Jahren zwei Prozent Zinsen auf dem Sparbuch sehen, dann ist das viel“, sagte Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater im Gespräch mit den Kieler Nachrichten.

EZB kann den Geld-Turbo abschalten

Nach zehn Jahren Krisenmodus und der bereits eingeleiteten Zinswende in den USA könne die Europäische Zentralbank endlich zu einer normalen Geldpolitik zurückkehren, sagte Kater. Der Spielraum dafür sei vorhanden: „Seit Anfang des Jahres ist klar, dass Deflation kein Thema mehr ist, dafür läuft die Weltkonjunktur einfach zu rund und auch der Ölpreis ist ordentlich angezogen.“ Erstmals seit zehn Jahren sei die Kapazitätsauslastung in der europäischen Wirtschaft wieder annähernd normal und EZB-Präsident Mario Draghi habe auch erkannt, dass eine Turbo-Geldpolitik nicht mehr angemessen sei: „Jetzt wird die EZB einen Kurs einschlagen, den die US-Notenbank schon seit drei Jahren fährt, nämlich Wirtschaft und Finanzmärkte ganz allmählich aus der Betäubung zu wecken.“

Für Immobilienkäufer dürfte es teurer werden

Steigende Zinsen? Für Immobilienkäufer und stark verschuldete Unternehmen ist das keine gute Nachricht. Auch öffentliche Haushalte, die bislang quasi für lau Kredite aufnehmen können, müssen sich auf massiv steigende Kosten einstellen. Gleichwohl sieht Kater in der Zinswende eine gesunde und längst überfällige Entwicklung: „Insgesamt macht eine Nullzinspolitik mehr kaputt als sie Vorteile bringt.“ Dies zeige sich auch in einer großen Anzahl von „Zombie-Unternehmen“, Firmen also, die nur noch durch billige Kredite am Leben erhalten werden. Und das gesamte Finanzsystem, so der Deka-Mann, habe sich quasi „aufgelöst in dieser Nullzinssäure“. Der Zins habe seine Funktion als Risikoindikator in einer Volkswirtschaft faktisch verloren, und damit sei Kapital in Anlagen geflossen, die sich im Nachhinein als überbewertet herausstellen könnten. Besonders deutlich zeige dies die Immobilienpreisentwicklung in den Ballungszentren.

Eine Nullzinswelt bringt die Geschäftsmodelle der Banken und ganz besonders der Sparkassen massiv unter Druck. Sparkassen, so Kater, seien ein Meister darin, in einer Region zwischen guten und schlechten Investitionen in die Zukunft zu unterscheiden. In einer Nullzinswelt ist das jedoch ein ausgesprochen schwieriges Unterfangen.

Auch Sparkassen sind unter Druck

Und so sieht, wie andere regionale Kreditgeber, auch die Förde Sparkasse ihr Geschäftsmodell auf eine harte Probe gestellt: „Wegbrechende Zinserträge und zunehmender Wettbewerb zwingen uns, zu reagieren“, sagte Vorstandschef Götz Bormann. Allerdings sei der Handlungsspielraum begrenzt.

Zu den Antworten auf die Herausforderungen gehören aus seiner Sicht neben einer moderaten Steigerung der Provisionserträge, massive Investitionen in die Digitalisierung und die Einführung von Kontomodellen, die zwar ihr Geld kosten, dafür den Kunden aber auch besondere Leistungen bieten. Und natürlich steht auch die Kostenseite unter strenger Beobachtung. Das heißt im Klartext: Das Thema Filialschließungen ist auch nach dem Einschnitt des vergangenen Jahres nicht vom Tisch. Weitere Schließungen, so Bormann, stünden zwar nicht auf der Tagesordnung: „Aber wir müssen uns natürlich regelmäßig anschauen, wie sich die Nutzung unserer Filialen entwickelt und ob die Kosten dafür noch angemessen sind.“

Von einer Normalisierung der Lage für die Banken könne man erst wieder sprechen, wenn Einlagenüberschüsse bei der Europäischen Zentralbank geparkt werden könnten, ohne dafür Geld zu bezahlen. Eine Aufbewahrungsgebühr für Einlagen privater Kunden plant die Förde Sparkasse nicht. Bormann: „Solange wir das finanziell aushalten können, werden wir diesen Weg nicht gehen.“

Und was können Sparer tun, solange das Sparbuch weiter für reale Geldvernichtung steht? „Das einzige Gegenmittel sind Investitionen in Anleihen, Zertifikate und Sachwerte wie Aktien oder international gestreute Immobilienanlagen“, sagte Kater. Das bedeutet natürlich auch ein Risiko. Daher warnt der Deka-Volkswirt vor schnellen Käufen, sondern empfiehlt dringend eine langfristig angelegte Sparstrategie: „Wie sich die Kurse in ein, zwei Jahren entwickeln, darf dabei keine große Rolle spielen.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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