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Snower: Wahrheit ist nicht mehr so wichtig

US-Wahl Snower: Wahrheit ist nicht mehr so wichtig

Bittere Bestandsaufnahme eines Amerikaners in Deutschland. Der Kieler Wirtschaftswissenschaftler Dennis Snower stellt düstere Prognosen für die Zeit nach der Präsidentenwahl in den USA an. Mit negativen Auswirkungen rechnet der IfW-Präsident für die Welt insgesamt.

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Über Donald Trump und Hillary Clinton sagt Dennis Snower: Beide Kandidaten sind in den USA sehr unpopulär.

Quelle: Peter Foley/dpa

Kiel. Nach der Präsidentenwahl in den USA befürchtet der Ökonom und US-Bürger Dennis Snower negative Folgen für die Welt. „Sowohl unter Donald Trump als auch unter Hillary Clinton werden sich die USA wirtschaftlich und sicherheitspolitisch wohl stärker isolieren“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Dies werde die wirtschaftlichen Aktivitäten tendenziell dämpfen und Sicherheitsrisiken für den Rest der Welt steigen lassen.

Dennis Snower ist Präsident des IfW in Kiel.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

„Dieses Risiko ist unter Donald Trump noch mal deutlich höher als unter Hillary Clinton“, sagte Snower, der amerikanischer Staatsbürger ist. „Setzt Trump seine wirtschaftspolitische Devise „Americanism not Globalism“ wirklich in die Tat um, wäre dies wohl der Beginn einer neuen Ära des weltweiten Protektionismus und hätte ernsthafte negative Folgen für den Wohlstand in den USA und in der Welt insgesamt.“ Auch Clinton habe sich aus opportunistischen Gründen gegen das Freihandelsabkommen TTIP ausgesprochen und könnte mit dieser ablehnenden Haltung gegenüber Freihandel weltweit neue Handelsbarrieren schaffen. Die Präsidentenwahl ist am 8. November.

Wahrheit hat an Wichtigkeit verloren

„Der Wahlkampf ist viel extremer als früher, vor allem was die persönlichen Angriffe der Kandidaten aufeinander angeht und die teilweise unverhohlenen Lügen gegenüber den Wählern, in erster Linie von Seiten Trumps“, sagte Snower. „Die Wahrheit hat an Wichtigkeit verloren, da Wähler mehr auf die emotionalen als rationalen Seiten der Kandidaten gelenkt werden.“ Beide Kandidaten machten Wahlkampf nicht für ihre Ideen, sondern gegen die persönliche Integrität des Gegners. Diesem unterstellten sie, das Land in den Abgrund zu führen.

„Das dürfte dazu führen, dass das am Ende unterlegene Lager die demokratische Entscheidung nicht anerkennt und damit auch nicht den Wahlsieg des Gegners.“ Toleranz, Vertrauen und Fairness seien aber essenziell sowohl für das Funktionieren der Demokratie als auch der Marktwirtschaft. „Die Aussagen von Donald Trump im letzten TV-Duell hinsichtlich der Nicht-Anerkennung des Wahlergebnisses gefährden die amerikanische Demokratie und damit auch die Weltwirtschaft, für die Amerikas Führungskraft eine wichtige Komponente ist.“

Sachthemen spielen kaum eine Rolle

Beide Kandidaten seien in den USA sehr unpopulär, sagte Snower. Zugleich spielten Sachthemen kaum noch eine Rolle, sondern es gehe vor allem um persönliche Verfehlungen der Kandidaten. „Am Ende dürfte deshalb entscheidend sein, wer in dieser Schlammschlacht noch etwas mehr Glaubwürdigkeit bewahrt und vor allem auch, wie hoch die Wahlbeteiligung der jeweiligen Unterstützer ausfällt.“

Clinton sei zwar nicht populär in den USA und habe viele entschiedene Gegner, sagte Snower. „Aber Trump hat ihr mit seinen Ausfällen in die Hände gespielt und ihr die Wähler zugetrieben.“ So könnten viele Clinton als das geringere von zwei Übeln sehen. „Vor allem hat sie nicht komplette Bevölkerungsgruppen vor den Kopf gestoßen, wie Trump dies getan hat.“ Die Art des Wahlsystems und Überraschungen in den letzten Tagen vor der Wahl könnten das aber noch auf den letzten Metern ändern. „Clinton muss es für einen Sieg auf jeden Fall gelingen, dass die Wähler für sie auch tatsächlich zur Wahl gehen.“

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