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Deutsche Werften trotzen der Schiffbaukrise

Rekordkurs Deutsche Werften trotzen der Schiffbaukrise

Mit einem Auftragsbestand von mehr als 20 Milliarden Euro sind die deutschen Schiffbauer auf Rekordkurs: Neubau-Bestellungen bei den Werften TKMS (Kiel) und Meyer (Papenburg) reichen bis ins Jahr 2022 hinein.

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Voll ausgelastet: In den Docks bei TKMS in Kiel herrscht derzeit reger Betrieb.

Quelle: Frank Behling

Hamburg. Eine am Freitag vorgestellte Analyse im Auftrag der IG Metall belegt, dass inzwischen bereits jeder dritte der 15600 Arbeitsplätze auf deutschen Werften durch den Bau von Kreuzfahrtschiffen gesichert wird. Die Gewerkschaft sieht für die Unternehmen weiter gute Perspektiven – auch in Schleswig-Holstein. Vor allem die Konzentration auf Mega-Jachten, Kreuzfahrer und Marineschiffe sichert bei Werften und Zulieferbetrieben mehr als 90000 Arbeitsplätze.

Dabei sieht der Weltmarkt alles andere als rosig aus. Doch erstmals scheint eine Werftenkrise am heimischen Schiffbau vorbeizuziehen. „Die deutschen Werften sind im Vergleich zur Konkurrenz gut aufgestellt. Das ist auch der Grund, weshalb der starke Rückgang bei den Auftragseingängen weltweit nicht so starke Auswirkungen auf den deutschen Schiffbau hat“, sagt Kathrin Ehlert-Larsen vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik. Die Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems etwa ist mit dem Bau von U-Booten bis 2021 ausgelastet. Weitere Aufträge aus Norwegen und Australien könnten in Kürze folgen.

Der große Wettbewerbsvorteil für die deutschen und europäischen Werften bestehe in ihrem hohen Spezialisierungsgrad und in der Erfahrung beim Bau komplexer Systeme, sagt Thorsten Ludwig von der Bremer Agentur für Struktur- und Personalentwicklung (AgS). Möglich sei dies jedoch nur mit qualifiziertem Personal, betont der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken: „Es reicht nicht aus, wenn man Ingenieure hat, die ganz tolle Sachen entwickeln. Man muss auch Menschen in den Betrieben haben, die diese Ingenieurskunst umsetzen können.“

Den boomenden Kreuzfahrermarkt beherrschen die Werften Meyer (Deutschland), STX Europe (Frankreich) und Fincantieri (Italien). Derzeit entsteht in Deutschland mit der Genting-Gruppe ein weiterer Branchenriese mit Standorten in Bremerhaven, Wismar, Warnemünde und Stralsund. Weltweit gibt es nach einer Analyse des Branchendienstes Seatrade Bestellungen für 59 Kreuzfahrtschiffe mit einem Auftragsvolumen von 38 Milliarden Euro. Allein 23 Neubauten im Wert von 18 Milliarden Euro konnten sich deutsche Werften sichern. Wie dramatisch hingegen die Lage in Asien ist, zeigt Korea. Dort kündigten Gewerkschaften am Freitag massive Proteste gegen den geplanten Abbau von 20000 Jobs bei den Großwerften Samsung und Daewoo an.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Es waren zwei Pressekonferenzen zum Thema Schiffbau, wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten. In Hamburg und im koreanischen Geoje hatten gestern Gewerkschaftsführer unabhängig voneinander eingeladen.

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