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Milchriese in der Krise

Deutscher Milchkontor Milchriese in der Krise

Überproduktion und immenser Preisverfall: Die weltweite Milchkrise schlägt auch beim Deutschen Milchkontor (DMK), der größten Molkerei-Gruppe der Republik, massiv durch.

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Machtlose Protestkuh: Die weltweit immer weiter fallenden Milchpreise machen auch den Produzenten in Schleswig-Holstein zu schaffen.

Quelle: Jens Büttner

Bremen/Kiel. Nach Angaben der Genossenschaftsmolkerei brach der Gewinn um etwa 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Der Bauernverband Schleswig-Holstein sieht die Entwicklung mit Sorge.

Nach vorläufigen Zahlen schrumpfte der DMK-Gewinn nach 42,3 Millionen Euro (2014) auf nur noch 13 Millionen im vergangenen Jahr. „Wir erleben eine dramatische Situation“, berichtete DMK-Sprecher Hermann Cordes am Mittwoch. „Der Markt ist gewaltig unter Druck.“ Der überaus deutliche Gewinnrückgang begründe sich vorrangig damit, dass das Kontor 30 Millionen Euro zusätzlich an die Landwirte ausgeschüttet habe, so Cordes. Das Genossenschaftsmotto laute: „Alles Geld auf die Höfe: Verzicht auf Gewinn zugunsten der Landwirte.“ Laut Cordes sei es das „klare Ziel, alle erwirtschaftete Liquidität möglichst direkt an die Anteilseigner zurückzuführen“.

Die „angespannte Lage auf den Höfen“ habe dazu geführt, dass sich beim Kontor derzeit rund 500 Millionen Kilo Milch „in Kündigung“ zum Jahresbeginn 2018 befinden, immerhin sieben Prozent der Gesamtmilchmenge der Gruppe also. Die Gründe dafür sind laut Cordes „vielfältig“: Einige Milchbauern würden aus der Produktion aussteigen, manche (auch auf Bio) umsteigen, andere würden den Abnahmevertrag kündigen, um bei anderen Molkereien bessere Preise zu erzielen. Das DMK werde deshalb verstärkt das Gespräch mit den Lieferanten suchen.

Die Kontor-Gruppe mit Sitz in Bremen, zu der auch Marken wie Milram und Humana gehören, betreibt 26 Standorte, darunter Werke in Nordhackstedt (bei Flensburg) und Hohenwestedt. Im vergangenen August hat das DMK nach eigenen Angaben ein umfangreiches Programm zur Kostensenkung auf den Weg gebracht. Es soll bis zum Ende des Geschäftsjahres 2016 über 50 Millionen Euro freisetzen. Auf die angestrebte Fusion der DMK Group mit der niederländischen DOC Kaas (wir berichteten) habe die jüngste Entwicklung jedoch keine Auswirkung. „Jede Woche“ rechne man seitens der EU-Wettbewerbsbehörde mit grünem Licht für den Zusammenschluss.

Fakt ist: Die Milchauszahlungspreise sind auf Talfahrt. Der durchschnittliche Preis der DMK Group etwa lag im vergangenen Jahr bei 27,6 Cent pro Kilo. Im Vorjahr waren es noch 36,9 Cent. „Die Preis liegt inzwischen unterhalb der Kostendeckungsgrenze der Landwirte“, schilderte Cordes. Mehr denn je ist der Milchpreis von der weltwirtschaftlichen Gesamtsituation abhängig. Deshalb schlagen Entwicklungen wie das anhaltende Russland-Embargo und die schwächelnde Wirtschaft Asiens bei den konventionellen Milch-Produzenten schmerzhaft zu Buche.

Nicolai Wree vom Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) spricht auf Nachfrage von einer „sehr, sehr schweren Zeit“ für die Landwirte. Der Referent für Milch, Vieh und Fleisch sieht mit Sorge, dass mit dem Ölpreisverfall ein weiterer Faktor für Kostendruck in den Markt gekommen ist. Erdölproduzierende Länder sind meist auch Groß-Importeure von Milchprodukten, ihre Einnahmen jedoch sind zuletzt eingebrochen. Diese Gesamtlage verändert auch die Situation in Schleswig-Holstein: Laut Wree geht die Zahl der Milchbetriebe stetig zurück. Im vergangenen Jahr wurden 4339 Betriebe gezählt, 2014 waren es noch 4513, 2013 wiederum noch 4652. Die Zahl der Milchkühe jedoch wuchs leicht, ebenso wie die Zahl der Tiere pro Betrieb und deren Milchjahresleistung. Heißt: Auch im Norden professionalisieren immer größere Einheiten immer weiter ihre Produktion – und werden im gleichen Zug immer abhängiger von der Weltmarktlage.

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