21 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Die Garnelen-Farmer von Strande

Aquakulturen Die Garnelen-Farmer von Strande

Zwei Unternehmer zeigen auf einem ungewöhnlichen Gelände, wie sich Gelderwerb und Forschung verbinden lassen: Ende 2016 soll bei Stefan Paasch und Bert Wecker und ihren Förde Garnelen die schwarze Null erreicht sein.

Voriger Artikel
Hamburger Flughafen rechnet mit 16 Millionen Passagieren
Nächster Artikel
Daniel Düsentrieb hätte seine Freude

Bert Wecker (li.) und Stefan Paasch vor ihrer Jungaufzuchtstation auf der „White Tiger“-Farm.

Quelle: Ulf Dahl

Strande. Möwen kreisen über einem Klärbecken, im Hintergrund ragt der Bülker Leuchtturm in die Wolken. Es ist windig und ein bisschen zu kalt für Juli. Ein paar Meter weiter herrschen dagegen tropische Temperaturen, bei 28 Grad schwimmen tausende Garnelen-Larven in dunkelgrauen Wannen. In einer Halle auf dem Gelände des Kieler Klärwerks Bülk betreiben Stefan Paasch (35) und Bert Wecker (40) von Förde Garnelen eine „White Tiger“-Farm.

 „Alle sechs Wochen kommen 80000 neue Postlarven aus Florida an“, sagt Wecker. Laut dem promovierten Meeresbiologen wäre es zu aufwendig, in Strande für Nachwuchs zu sorgen. Im Fünf-Minuten-Takt fällt in der Jungtier-Aufzucht neues Futter in die Bottiche. Die Garnelen bekommen Pellets, die zur einen Hälfte aus Tintenfisch-, Fisch- und Krillmehl bestehen und zur anderen aus pflanzlichen Produkten wie Soja und Erbsenproteinen. 30 Milligramm sind die Larven schwer, wenn sie in Strande ankommen. Etwa ein halbes Jahr dauert es, bis sie ihre Vermarktungsgröße von 30 Gramm erreicht haben.

 Sind die Garnelen etwa einen Monat alt, ziehen sie durch ein Rohr in ein größeres Becken um. „Sie brauchen Fläche, damit sie Sicherheitsabstand zu ihren Kollegen halten können und sich nicht mit ihren Antennen ins Gehege kommen“, sagt Wecker. Denn Garnelen sind Kannibalen, und geschwächte Tiere werden sofort von ihren Artgenossen gefressen. Um den Garnelen mehr Rückzugsräume zu bieten, hängen vertikale Netze in den Bassins. Das Meerwasser zirkuliert kontinuierlich und wird wiederaufbereitet. Aus den Ausscheidungen der Tiere werden in einer Bioenergieanlage Wärme und Strom erzeugt.

 Frisches Wasser kommt aus der Ostsee, mit der Abwärme des Klärwerks wird es auf 28 Grad erwärmt, und das Abwasser kann direkt in der benachbarten Anlage entsorgt werden. „Im Teich bestimmt die Natur die Wasserqualität, hier haben wir Einfluss auf solche Parameter“, sagt Wecker. „Das Ostseewasser ist vom Salzgehalt her optimal für die Tiere.“ Die Förde Garnelen GmbH & Co. KG arbeitet auch mit der Universität Kiel und dem Geomar zusammen, etwa um herauszufinden, welchen Einfluss verschiedene Lichtfarben oder der CO2-Gehalt des Wassers auf das Wohlbefinden der Tiere haben. Anders als bei Züchtern in Asien gibt es hier auch keine Probleme mit Krankheiten, und die Krebstiere sind nicht mit Antibiotika belastet.

 Rund 40000 Tonnen Garnelen importiert Deutschland im Jahr, die meisten kommen tiefgekühlt aus Vietnam, Indonesien und China oder aus lateinamerikanischen Ländern wie Ecuador und Mexiko. Außer den Förde Garnelen gibt es in Deutschland nur drei größere Farmen, zwei in Mecklenburg-Vorpommern und eine in Bayern. Große Konkurrenz gebe es unter den deutschen Züchtern nicht, sagt Wecker. „Wir setzen auf Direktvermarktung.“

 Kunden können über den Online-Shop bestellen. Sie bekommen die Garnelen dann geliefert oder können sie im Schiffercafé am Holtenauer Tiessenkai abholen. Das Besondere sei die Frische-Garantie, sagt Wecker. Erst bei Bestellung werden die Garnelen mit einer Reuse gefangen. Ein Kilo kostet 59 Euro. Zu den größeren Abnehmern gehören die gehobene Gastronomie und Restaurants, die sich dem Feinheimisch-Netzwerk angeschlossen haben. Seit Kurzem bietet auch Citti die Förde Garnelen an.

 Sechs bis acht Tonnen Garnelen will das Duo in diesem Jahr produzieren. „Der Markt ist auf jeden Fall da. Die Leute haben alle sehr positiv auf das Produkt reagiert,“ so Paasch. Noch schreibt das 2010 gestartete Unternehmen keine schwarzen Zahlen, auch weil sich die Gesellschafterstruktur im vergangenen Jahr nochmal geändert hat und in die Anlage investiert wurde. „Wir hoffen auf die schwarze Null zum Ende des Jahres“, sagt Wecker. „Und dann wollen wir wachsen.“ Der Plan für den Bau eines neuen, großen Beckens hängt schon an der Bürowand.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3