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E-Kollege soll Finanzbeamten entlasten

Digitale Steuerklärung E-Kollege soll Finanzbeamten entlasten

Entlastung für die Finanzbehörden, Vereinfachung für viele Steuerzahler, aber auch Probleme beim Datenschutz: Spätestens ab 2022 soll die Steuererklärung komplett digital erstellt und per Mausklick ans Finanzamt geschickt werden. Im Norden stellen die Finanzämter nach und nach um.

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Quelle: dpa

Kiel. Nach dem Regierungsentwurf des Gesetzes zur „Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“, das am 1. Januar 2017 in Kraft treten könnte, sollen die neuen Verfahren auch bei den 17 Finanzämtern im Norden „schrittweise“ eingeführt und umgesetzt werden, sagt Eugen Witte, Sprecher des schleswig-holsteinischen Finanzministeriums.

Kapazitäten werden umverteilt

Ein IT-gestütztes Risikomanagement soll künftig eine größere Zahl von Steuerfällen weitgehend automatisiert bearbeiten und so die etwa 4300 Mitarbeiter der Finanzämter von „Massenarbeiten“ entlasten. „Die so gewonnenen Kapazitäten können auf die Bearbeitung besonders prüfwürdiger Fälle im Innen- und Außendienst konzentriert werden“, sagt Witte.

Steuerzahler können ihre Erklärungen demnach in der Regel bald ohne Belege einreichen, müssen diese aber für den Fall einer stichprobenartigen Überprüfung aufbewahren. Um das Risiko falscher Angaben möglichst gering zu halten, soll ein unter anderem nach Einkommen gestaffelter automatischer Filter die Angaben auf Plausibilität überprüfen. Dieser schlägt zum Beispiel an, wenn Bezieher hoher Einkommen vergleichsweise wenig Steuern zahlen. Dann kann das Finanzamt – wie bisher auch – eine persönliche Prüfung des Bescheids vornehmen. Noch, so Witte, könne das Finanzamt aber nicht auf die Vorlage von Bescheinigungen zur Steuererklärung verzichten. Und: Wer seine Erklärung weiterhin in Papierform abgeben möchte, kann dies auch tun.

Steuerberaterverband kritisiert die Variante

Auch die Abgabenfristen für die Steuererklärung ändern sich ab 2017: Statt jährlicher Fristenerlasse für Steuerpflichtige, die sich zum Beispiel von Steuerberatern helfen lassen, wird es nun einen Verspätungszuschlag geben. Der Steuerberaterverband kritisiert das Verfahren: Hier werde mit dem elektronischen Finanzbeamten die Einzelfallgerechtigkeit zu Lasten der Steuerpflichtigen spürbar eingeschränkt.

Aus Sicht der Datenschützer birgt die maschinelle Umstellung allerdings auch Risiken: In den Zentralrechnern der Finanzbehörden werden künftig praktisch alle relevanten Informationen über den Steuerzahler gebündelt. Krankenkassen melden Zahlungen über Krankengeld, Arbeitsagenturen über soziale Leistungen, Banken senden Daten über das Einkommen, Zinsbescheinigungen oder Freistellungsaufträge. Ab 2022 ist der Steuerzahler dann völlig transparent.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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