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Berufsfischer hoffen auf Hilfe der Angler

Dorsch-Fangquote Berufsfischer hoffen auf Hilfe der Angler

Nach einem zweistündigen Krisengespräch am Freitag mit Umweltminister Robert Habeck und Vertretern der Fischerei- und Anglerverbände im Norden stand zumindest fest: Es gibt wieder etwas Hoffnung für die Berufsfischer.

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Von den geschätzt etwa 75000 Freizeitanglern im Norden gehen viele auf Dorsch.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Kiel. Das Hauptproblem will Habeck dabei zunächst vom Bund gelöst haben: „Wir brauchen schnellstmöglich eine Prognose, wie der Dorschbestand nach 2017 aussieht.“ Daraus ließen sich dann weitere Maßnahmen ableiten, um die Existenz der Fischer zu sichern. Zunächst sei geplant, Berufsfischern bei der zeitweiligen oder auch freiwilligen endgültigen Stilllegung ihrer Boote mit einer Prämie finanziell unter die Arme zu greifen. Um auf andere Fische zu gehen, soll es eine Umstellungshilfe geben.

 Die dazu notwendigen Mittel in Höhe von etwa vier Millionen Euro müssten dabei sowohl aus dem vom EU-Parlament beschlossenen Ostseemanagement-Plan, der Fischer in extremen Krisen finanziell unterstützen soll, sowie aus Mitteln des Bundes kommen. „Wir brauchen einen flexiblen Instrumentenkasten, keine starren Regelungen“, forderte Habeck. Dazu gehöre auch ein freiwilliger Solidaritätsbeitrag der Angelfischer. „Wenn es gelingt, dass hier weniger gefangen wird, könnte die frei werdende Quote den Berufsfischern zur Verfügung gestellt werden. Das wäre ein großer Schulterschluss“, sagte Habeck. Mit einem Brief an das zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium will der Minister klären, ob eine solche Quotenübertragung möglich ist. Auch die Nachbarn, insbesondere Dänemark, seien gefordert, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um die Quotenregelung für alle Fischer verträglich zu halten: „Die Dänen fahren da jedoch eine eigenwillige Politik“, sagte Habeck.

Bestand soll sich erholen

 „Die Flotte muss am Leben gehalten werden“, sagte Lorenz Marckwardt vom Landesfischereiverband: „Wenn Fischer jetzt dennoch freiwillig aufhören, muss es auskömmliche Stilllegungsprämien geben.“ Die Berufsfischer würden deshalb ihren Beitrag dazu leisten, damit sich der Dorschbestand erholen könne: „Der handwerkliche Beruf gehört zur Identität von Schleswig-Holstein und darf nicht verloren gehen.“ Etwa ein Drittel der Fischer der Erzeugergemeinschaft der Nord- und Ostseefischer würden bereits über den Ausstieg nachdenken, sagte Geschäftsführer Benjamin Schmöde.

 Und das hat Gründe: Nach Angaben des Landesfischereiverbandes sind die Berufsfischer im Schnitt Mitte 50 und verfügen über Boote, die deutlich über 30 Jahre alt sind. Eine Prämie für das Abwracken von Booten ist allerdings nur bis Ende 2017 möglich. Bei einer „temporären Stilllegung“ der insgesamt mehr als 400 Schiffe und Boote müssten die Fischer je nach Bootsgröße mit „einigen tausend Euro“ im Monat entschädigt werden, fordert der Verband. Dieter Bohn vom Landessportfischerverband hat den Berufsfischern am Freitag bereits Unterstützung signalisiert, ohne allerdings konkrete Zusagen machen zu können: „Wir müssen jetzt gemeinsam einen Weg finden, um unserer Verantwortung gegenüber dem Rohstoff Fisch nachzukommen.“

 Von den geschätzt etwa 75000 Freizeitanglern im Norden gingen viele auf Dorsch, weiß er. Die Zahlen des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, die von einer Angelmenge von etwa 2500 Tonnen jährlich ausgeht, hält er indes für zweifelhaft – „das sind extravagante Hochrechnungen, das lässt sich doch gar nicht auf 100 oder 1000 Tonnen genau sagen“, sagte Bohn. Um den Berufsfischern zu helfen, seien allerdings gemeinsame Anstrengungen notwendig. Dies könne neben einer Reduzierung der Fangmenge beispielsweise auch die Größe des gefangenen Fisches und die Angeltechnik betreffen.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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