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Halbierung der Quote: Ostsee-Fischer vor dem Aus

Dorschfang Halbierung der Quote: Ostsee-Fischer vor dem Aus

Schleswig-Holsteins Berufsfischer stehen mit dem Rücken zur Wand. Beschränkungen der Fangmengen und Fangzeiten könnten das Aus für viele Familienbetriebe bedeuten. Die Entschädigungen halten die Fischer für viel zu gering.

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Die Dorsch-Fangquote für die Ostsee wurde für 2017 erneut gesenkt.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Rendsburg. Die Halbierung der Dorschquote in der westlichen Ostsee bedeutet für einige Berufsfischer das Aus. Die Kutter dürfen in diesem Jahr nur noch halb so viel Dorsch aus dem Wasser holen wie 2016. „12, 15 Kutter werden dieses Jahr vermutlich aufhören“, sagte Lorenz Marckwardt vom Landesfischereiverband am Freitag in Rendsburg. Es seien größere Betriebe mit Schiffen über 15 Meter Länge und zwei bis drei Mann an Bord. „Die sehen keinen Sinn mehr in der Fischerei und geben auf.“

Die Senkung der Dorschquote in diesem Jahr sei die vierte in Folge, sagte Geschäftsführerin Elke Horndasch-Petersen. Ursprünglich sei eine Quotenabsenkung des sogenannten Brotfischs um 87,5 Prozent geplant gewesen, letztendlich seien „nur“ 56 Prozent beschlossen worden. Daher sei die Bezeichnung „Brotfisch“ für den Dorsch auch nicht mehr passend, sagte Marckwardt: „Die Zuteilung ist zu gering.“

Ausweichen nur beschränkt möglich

Als großes Problem sehen die Fischer das generelle Dorschfangverbot während der Hauptlaichzeit im Februar und März in Kombination mit 30 weiteren Tagen, an denen sie den Dorsch nicht fangen dürfen. „Das heißt, drei Monate kein Einkommen für unsere Fischerei“, sagte Marckwardt. Ein Ausweichen in dieser Zeit auf andere Fische wie Scholle oder Butt sei nur begrenzt möglich.

Die Fischer seien am Rückgang der Dorschbestände nicht schuld, sagte Marckwardt: „Wir haben den Bestand nicht überfischt beziehungsweise Raubbau betrieben – zumindest nicht wir in Deutschland.“ Die Quoten würden stets strikt eingehalten. „Und in den letzten Jahren haben wir noch nicht einmal unsere Quoten auf Dorsch abgefischt.“ Beispielsweise seien 2016 in der östlichen Ostsee nur 35 Prozent der Quote aus dem Wasser geholt worden, in der westlichen Ostsee seien es 80 Prozent gewesen.

Nach den jüngsten amtlichen Zahlen vom Dezember 2015 sind in der Ostsee noch rund 440 Kutter und Boote registriert. Die Statistik erzeuge jedoch falsche Vorstellungen, sagte Horndasch-Petersen: „Sie repräsentiert nicht die Situation.“

Politik soll Kutter erhalten

„Wenn Politik und Verwaltung die vorhandene Kutterflotte aufrecht erhalten wollen – wenn sie uns wirklich am Leben erhalten wollen, müssen sie uns tatkräftig finanziell unterstützen“, sagte Marckwardt. Er bezeichnete den angekündigten Ausgleich von 30 Cent pro Kilo nicht gefangenen Dorsch als Lachnummer: „Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.“

Im Kieler Fischereiministerium gingen nach dessen Angaben 25 Anträge auf Ausgleichszahlungen ein. Im Durchschnitt erhalte ein Betrieb 6000 Euro. „Die notwendigen Quotenkürzungen sind für die Betriebe natürlich ein harter Einschnitt“, sagte Minister Robert Habeck (Grüne). „Deshalb haben wir uns für Entschädigungen eingesetzt – sie hätten ruhig etwas höher sein können. Mehr konnte der Bund aber wohl auf EU-Ebene nicht durchsetzen.“

dpa

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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