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Enttäuschung über reduzierte Fangquote

Dorschbestand Enttäuschung über reduzierte Fangquote

Die deutschen Fischer dürfen im kommenden Jahr deutlich weniger Dorsch aus der Ostsee ziehen. Im Westen sinkt die Fangmenge um 56 Prozent gegenüber 2016, in der östlichen Ostsee um 25 Prozent.

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Die Dorschfangquote wird um 56 Prozent reduziert.

Quelle: Jens Büttner

Kiel. Darauf haben sich die EU-Fischereiminister am späten Montagabend in Luxemburg geeinigt, wie der Rat als Vertretung der EU-Staaten mitteilte. Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) sprach von einer „schmerzhaften, aber angesichts der Bestandssituation erforderlichen Quotenreduzierung“. Die Dorschbestände in der Ostsee sind ausgelaugt. Für viele Ostseefischer geht es allerdings um die Existenz.

Abwrackprämien für stillgelegte Kutter

Deutsche Fischer können damit nach Angaben von Diplomaten in der westlichen Ostsee 2017 insgesamt 1194 Tonnen Dorsch fangen (von 5597 Tonnen insgesamt), im Osten 2820 Tonnen (von 30 857 Tonnen). Schmidt erklärte: „Die Bestände werden sich weiter erholen können und unsere Ostseefischer haben eine wirtschaftliche Perspektive.“ Abwrackprämien für Fischer, die Kutter aufgeben oder vorübergehend stilllegen, sollten weiter gezahlt werden.

Die Entscheidung zur Senkung der Fangmengen hat aus Sicht des Kieler Ressortchefs Robert Habeck Licht und Schatten. Die Kürzung sei trotz der Härten für die Fischer erforderlich, um die Bestände zu schonen, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Kiel. Deshalb sei es gut, dass Dänemark sich nicht mit der Forderung nach einer Kürzung um nur 20 Prozent durchgesetzt hat. „Das wäre nur Placebo gewesen.“  Für die Fischerei in Schleswig-Holstein, die drei Viertel zum deutschen Dorschfang beiträgt, werde auch eine Kürzung um 56 Prozent hart. Hilfen aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds seien erforderlich. „Wir setzen uns dafür ein, dass Gelder für die dauerhafte und vorübergehende Stilllegung gezahlt werden können“, sagte Habeck.

Enttäuschung und Kritik

Als Reaktion auf die Kürzung der Dorschfangquoten fordert auch der Landesfischereiverband Schleswig-Holstein finanzielle Unterstützung für die Betriebe. Die Fischer seien bereit, ihren Teil zur Schonung der Bestände beizutragen, sagte der stellvertretende Verbandsvorsitzende Benjamin Schmöde am Dienstag. Um dieses Tal der Tränen durchschreiten zu können, bräuchten sie aber Unterstützung. Mit Enttäuschung hat der Verband der Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern reagiert. Es sei damit zu rechnen, dass sich die Zahl der Berufsfischer weiter verringern werde, sagte Verbandschef Günter Grothe. Derzeit seien im Verband rund 250 Fischer organisiert, dazu kämen noch etwa 60 nicht organisierte Berufsfischer. Kritisch sehen die Umweltorganisation WWF und Greenpeace die Entscheidung. Den Organisationen sind die Quoten nicht ausreichend verringert worden. Der westliche Dorsch stehe vor dem Kollaps und brauche einen Rettungsanker, sagte WWF-Naturschutzvorstand Christoph Heinrich. Stattdessen hätten die Fischereiminister dem Bestand und der Fischerei „den Tod auf Raten verordnet“.

Alternativen mit MSC-Siegel

Wer Dorsch essen oder ihn zu Hause Gästen servieren möchte, sollte genau auf die Herkunft und auf Gütesiegel auf der Packung achten oder den Fischverkäufer danach fragen. In der Ostsee heißt der Fisch Dorsch, in der Nordsee ist es der Kabeljau - im Prinzip der gleiche Fisch, wie Britta König von der Umweltstiftung WWF in Hamburg sagt. „Generell ist der Kabeljau aber derzeit nicht ganz so gefährdet wie der Dorsch“, sagt sie. Besonders stark gefährdet sei der Dorsch in der westlichen Ostsee - auf Fische aus diesem Fanggebiet sollten Verbraucher besser ganz verzichten. „Normalerweise empfehlen wir ja, möglichst Produkte direkt aus der Region zu wählen - aber in diesem Fall gilt das nicht.“ Generell empfiehlt die WWF-Fischexpertin, beim Kauf von Speisefisch auf das MSC-Siegel zu achten. MSC steht für Marine Stewardship Council und kennzeichnet Wildfisch aus bestands- und umweltschonender Fischerei. Und wer ohne schlechtes Gewissen Fisch essen möchte, wählt idealerweise Heringe und Sprotten aus Nord- und Ostsee. Alternativen seien auch europäische Karpfen und Bio-Forellen aus einer Aquakultur.

Auflagen auch für Hobbyangler

Unter dem Strich kürzen die EU-Staaten die Fangmengen damit deutlich weniger, als von der EU-Kommission vorgeschlagen. Diese wollte die Quote im Westen um 88 Prozent senken. EU-Fischereikommissar Karmenu Vella beschrieb die Verhandlungen als sehr schwierig. Allerdings bewege sich die EU mit den vereinbarten Quoten noch im Rahmen der Empfehlungen der Wissenschaft. Die Minister schreckten angesichts der Nöte der Ostseefischer zwar vor äußerst drastischen Kürzungen zurück. Sie einigten sich aber auf zusätzliche Auflagen. So gibt es auch für Freizeitfischer, die inzwischen ähnlich viel Dorsch aus der Ostsee holen wie gewerbliche Fischer, im kommenden Jahr Obergrenzen. In der Laichsaison im Februar und März dürfen sie höchstens drei Dorsche pro Tag angeln, im Rest des Jahres fünf. Kommerzielle Fischer dürfen im Februar und März in der westlichen Ostsee acht Wochen lang keinen Dorsch fangen - zwei Wochen mehr als bislang.

von KN-Online und der Deutschen Presse-Agentur

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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Halbierte Dorschfangquote
Foto: Die Netze von Randy Repenning aus Strande werden künftig weniger gefüllt sein. Berufsfischer können 2017 in der westlichen Ostsee nur noch 1194 Tonnen Dorsch fangen, im Osten 2820 Tonnen. Während der Laichzeit (Februar und März) dürfen sie statt sechs jetzt acht Wochen lang nicht auf Dorschfang gehen.

Die schleswig-holsteinischen Ostseefischer bangen wegen der Kürzung der EU-Dorschfang-Quote um 56 Prozent in ihren Fanggebieten um ihre Existenz. „Dieser Kompromiss ist nicht Fisch und nicht Fleisch“, sagte Benjamin Schmöde, stellvertretender Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein.

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