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Angst vor dem Untergang

Dorschfischer in Strande Angst vor dem Untergang

Randy Repenning ist fassungslos. Gerade hat der einzige Berufsfischer aus Strande in dieser Zeitung gelesen, dass die EU die Dorschquote um 85 Prozent senken will. „Wenn das so kommt“, sagt der 24-Jährige sichtlich betroffen, „kann ich nächstes Jahr einpacken. Ohne Dorsch kann ich nicht überleben.“

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Am Freitag blieben die Fischkisten leer, weil der Kutter gerade aus der Werft kam. Doch wenn die Fischquote so wie angekündigt sinkt, werden die Kisten dauerhaft leer bleiben, fürchtet Randy Repenning (24) aus Strande.

Quelle: Sven Janssen

Strande. Im vergangenen Jahr hat der Fischwirt und Kapitän den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. „Ohne jede finanzielle Hilfe wie sie andere Jungunternehmer bekommen“, betont er. Für den gebrauchten Kutter „Strande II“ hat er einen Kredit aufgenommen. „Andere verschulden sich für ein Haus. Mir war der Kutter wichtiger. Fischerei ist mein Ding.“ Gewagt hat Repenning den Schritt nur, weil seine Eltern ihn unterstützen. Ohne die Rente des Vaters und den Verdienst der Mutter wäre der junge Berufsfischer schon untergegangen: Gerade mussten Welle und Propeller mussten erneuert werden. Wieder 10000 Euro, die nicht eingeplant waren. Und nun die Hiobsbotschaft von der drastischen Kürzung der Dorschquote.

Berufsfischer Randy Repenning aus Strande am Steuerrad seines Fischkutters Strande II.

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„Es ist ja nicht planbar, was wir für den Fisch bekommen. Mal kann ich den Dorsch für zehn Euro verkaufen, mal gibt es nur einen Euro fürs Kilo.“ Was ihn besonders aufregt, ist der hohe Preisaufschlag im Einzelhandel, vor allem in den Metropolen. „In Berlin wird der Steinbeißer inzwischen für 115 Euro das Kilo verkauft. Ich bekomme fürs Kilo gerade einmal fünf Euro. Wo bitte bleibt das Geld? Wenn wir Erzeuger gerecht bezahlt würden, dann käme ich auch mit deutlich niedrigerer Fangquote aus.“

Leben vom Fisch

Und noch etwas macht den jungen Fischer wütend: Von den 4100 Tonnen Dorsch, die 2017 noch in der westlichen Ostsee gefangen werden dürfen, sollen 2500 Tonnen für die Freizeitangler der westlichen Ostseeanrainer reserviert werden. „Für die deutschen Ostseefischer blieben gerade mal 360 Tonnen übrig. Soll das ein Witz sein? Wir leben von dem Fisch, aber die Angler dürfen nur so als Hobby mehr als wir aus der Ostsee holen“, schimpft der 24-Jährige und erzählt von den schwarzen Schafen unter den Anglern, die mit 30, sogar mit 50, 60 Dorschen nach Hause fahren. „Die fahren mit zehn Angelruten raus und fangen fast mehr als wir. Das wird dann an Nachbarn und Restaurants verhökert. Ist zwar verboten, aber wen interessiert das?“

Auch sein Vater Bernd Repenning, der am Kutter vorbeischaut, fordert Hilfe von der Politik, wenn die Fangquote wie geplant reduziert wird. Er sieht die Politik in der Verantwortung, die letzten Berufsfischer im Land zu erhalten. „Wem hilft es denn, wenn die aufgeben? Es glaubt doch keiner, dass danach noch irgendjemand diesen körperlich harten Beruf ergreifen wird.“ Außerdem würden die Touristen in Schleswig-Holstein frischen Fisch vom Kutter erwarten. „ Und am Ende trifft es doch die Verbraucher, die hier günstig ihren Fisch kaufen.“

Umrüsten ist teuer

Welche Alternativen hätte ein Berufsfischer, wenn die Dorschquote um 85 Prozent gekürzt wird? Randy Repenning hält einen Moment inne und sieht vom Aufklaren der Netze auf. Dann schüttelt er den Kopf. Er könnte in die Nordsee fahren oder auf Hering gehen. Doch dazu müsste er den Kutter umrüsten und in neues Fanggeschirr investieren. „Das kann ich mir nicht leisten.“ Außerdem sei der Preis für Hering auch im Keller. „20 bis 40 Cent das Kilo – so viel kann ich gar nicht fischen, um davon zu leben. Nein, im Moment fühle ich nur Wut und Ohnmacht.“ Repennig hofft, dass auch ein aktiver Fischer dabei ist, wenn Minister Robert Habeck demnächst zum Krisengespräch einlädt.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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