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Dräger-Bilanz Jetzt soll es wieder aufwärts gehen

Quartal für Quartal hatte sich die Enttäuschung angebahnt. Nun steht es fest: Der Dräger-Konzern, einer der führenden Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik, hat erstmals seit der Finanzkrise 2009 Umsatz verloren – und zwar nicht zu knapp.

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2016 war für Dräger ein schwieriges Jahr: Die politische Unsicherheit auf vielen Märkten hat Kunden veranlasst, Investitionen in Medizintechnik zurückzustellen. Inzwischen jedoch beobachtet Konzernchef Stefan Dräger deutliche Erholungstendenzen.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Lübeck. Die Verkaufserlöse des größten industriellen Arbeitgebers in Schleswig-Holstein schrumpften 2016 um 3,3 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro. Dass Konzernchef Stefan Dräger am Mittwoch dennoch einen positiven Ausblick präsentierte, liegt an zwei Faktoren: Erstens deuten erfreuliche Auftragseingänge auf eine Besserung der Lage hin. Und zweitens konnte das Unternehmen trotz der sinkenden Umsätze seinen Gewinn steigern. Grund dafür ist ein straffes Kostensparprogramm namens „Fit for Growth“.

Nach einem kräftigen Einbruch im Vorjahr konnte Dräger das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf knapp 137 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Der Jahresüberschuss erreichte knapp 82 Millionen Euro – nach bescheidenen 33,3 Millionen Euro im Vorjahr. Diese deutliche Ergebnissteigerung zeige, so der Konzernchef, dass das Geschäftsmodell grundsätzlich intakt sei: „Die Talsohle ist durchschritten, auch wenn das gute Ergebnis in erster Linie auf Kosteneinsparungen beruht.“

Nach einer verunsichernden Phase schmerzhafter Verluste hatte der Konzern 2016 mit einem Effizienzprogramm gegengesteuert, zu dem auch Stellenstreichungen am Stammsitz Lübeck gehörten. Dort schrumpfte die Zahl der Mitarbeiter um knapp 300 auf 4800. Weltweit beschäftigt Dräger aktuell rund 13260 Mitarbeiter und damit etwa 670 weniger als vor einem Jahr. Immerhin konnte der Abbau ohne Kündigungen vollzogen werden, und für das laufende Jahr will der Konzern seine Personalstärke stabil halten.

Mit dem Ergebnis der Spar- und Effizienzmaßnahmen ist der Konzernchef zufrieden: „Das Programm zeigt Wirkung“, so Dräger. Allein durch die Konzentration der Produktion in der neuen Lübecker „Zukunftsfabrik“ konnten die Kosten um rund neun Millionen Euro gedrückt werden. Für die Aktionäre allerdings wird sich die Ertragskraft vorerst nicht in klingender Münze auszahlen: Vorstand und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung am 10. Mai eine unveränderte Dividende von 0,19 Euro je Vorzugsaktie und 0,13 Euro je Stammaktie vorschlagen. Über eine höhere Ausschüttung, so Dräger, könne man erst nachdenken, wenn sich die Ergebnisentwicklung nachhaltig verbessert habe.

Für 2017 ist Stefan Dräger vorsichtig optimistisch. „Wir sind gut ins Jahr gestartet, aber es gibt weltweit viele politische Unsicherheiten, von denen wir noch nicht wissen, wie sie sich auf unser Geschäft auswirken.“ Diese Unsicherheiten waren auch der Hauptgrund für das Umsatzminus im vergangenen Jahr: Die politische Großwetterlage schafft nicht gerade ein Klima, in dem Investitionen in Medizintechnik gedeihen. Und mit einem Anteil von zwei Drittel am Gesamtumsatz ist die Medizintechnik für das Wohl und Wehe des Konzerns um einiges bedeutsamer als die vor allem für ihre Atemschutzgeräte bekannte Sicherheitstechnik.

Doch ewig lange kann man Investitionen nicht aufschieben.Und so zeigen zahlreiche bedeutende Märkte nach Angaben des Unternehmens inzwischen wieder eine positive Tendenz. Für das laufende Jahr erwartet Dräger währungsbereinigt eine Umsatzentwicklung zwischen null und drei Prozent und eine Ebit-Marge zwischen fünf und sieben Prozent. Zum Vergleich: 2016 hatte sie bei 5,4 Prozent und 2015 bei 2,6 Prozent gelegen.

Trotz aller Sparanstrengungen: Den Bereich Forschung und Entwicklung will Dräger weiter stärken, um bei den Kunden mit Innovationen punkten zu können. Erst im Dezember hat der Konzern eine Kombination aus Inkubator und Wärmebett auf den Markt gebracht, die die Versorgung von Frühchen verbessern soll.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Drägerwerk AG.

Drägers neue "Zukunftsfabrik" hat bereits in den ersten Monaten die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. Die Konzentration von Produktion und Logistik an einem Standort habe die Produktivität schon im vierten Quartal des Jahres 2016 merklich gesteigert, sagte der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Stefan Dräger, am Dienstag.

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